Alexander Zemlinsky
Der Zwerg | Ein tragisches Märchen für Musik in 1 Akt, Text von Georg C. Klaren, frei nach Oscar Wildes "Geburtstag der Infantin" | op. 17 - Werkeinführung
Am 3. Mai 1921 erreichte Alexander Zemlinsky folgendes Telegramm: „habe mit großem genuss ihre oper zwerg gelesen koeln ist bereit sofort alleinige urauffuehrung anzunehmen wollen sie uns ihr werk anvertrauen klemperer“. Die Uraufführung von Der Zwerg fand genau ein Jahr später, am 28. Mai 1922 in Köln unter der Leitung von Otto Klemperer statt. In jener Epoche des Wandels, in der sich das Publikum zunehmend für Zeitoper, Neoklassizismus und Neue Sachlichkeit begeisterte, fand eine vermeintlich exaltierte, spätromantische Musik wie die des Zwergs immer weniger Gefallen. Nach einer Reihe von Aufführungen verschwand das Werk für ein halbes Jahrhundert von den Bühnen und kehrte erst 1981 gemeinsam mit Eine florentinische Tragödie siegreich in die Spielpläne zurück. Freunde und Bekannte Zemlinskys teilten seine Begeisterung für diese „Tragödie des hässlichen Mannes“ nur bedingt, denn der junge Librettist Georg C. Klaren hatte – vielleicht unabsichtlich – den Protagonisten zum Doppelgänger des Komponisten gemacht. Indem Zemlinsky sich mit einer Bühnenfigur identifizierte, die ihm sowohl physisch als auch charakterlich ähnelte, lief er Gefahr – so die Befürchtungen – sich in der Öffentlichkeit lächerlich zu machen.



