Egon Wellesz
21.10.1885—09.11.1974

Hörbeispiele

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Egon Wellesz
4. Streichquartett | op. 28 | für Streichquartett - Werkeinführung

Äußerste Durchsichtigkeit herrscht hier. Beinahe jeder musikalische Bogen ist eine intensive Aussage für sich, aber alle Gedanken sind der jeweiligen Satzgestalt untergeordnet. Episoden existieren nicht: alles ist wichtig. Es gibt keine Wiederholungen, nur Wandlungen. Eine thematische Arbeit im klassische Sinn, also dass Themen zur unveränderten Wiederkehr herangezogen würden, besteht nicht mehr. Der Zusammenhang mit der Sonatenform ist aufgegeben. Hier findet sich eine ähnliche Tendenz der Aussparung wie bei Webern, doch schwingt Wellesz wesentlich weiter aus. Dieses 'Immer auf dem Sprung sein', sich unentwegt Fortentwickeln, ohne den Bezug zur Antönung zu verlieren, gibt dem Zuhörer intensiv das Gefühl, den Schaffensprozess miterleben zu dürfen, und versetzt ihn damit in jene Spannung, die der Anwesenheit bei einem Schöpfungsprozess gleichkommt.

Robert Schollum