Friedrich Cerha
*17.02.1926

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Friedrich Cerha
Les Adieux (Elegie) | für Ensemble | Neufassung 2007 - Werkeinführung

Ausgangspunkt für das 2005 entstandene Ensemblestück Les Adieux war ein Klavierstück Elegie aus dem Jahr 1963. Es ist ein Werk von kontemplativem Charakter, das vom Gegensatz zwischen raumgreifenden Klängen – zumeist im Pianissimo – und ganz kurzen Attacken lebt. Ich habe mich damals mit diesem Stück gegen Tabus in der 'Neuen Musik' aufgelehnt, wie das Vermeiden konsonanter Intervalle und Dreiklänge, aber auch gegen die herrschende nervöse Hektik. Les Adieux erwartet ein aufmerksames Hineinhören in die klanglich-varianten-gehaltenen Klänge und Nachhallakkorde, wie sie etwa das 'künstliche Pedal' des Klaviers durch stummes Niederdrücken von Tasten vor dem Anschlag von Tönen in einem anderen Bereich hervorbringt.

Der Titel Les Adieux bezieht sich einerseits auf den meditativen Charakter und andererseits darauf, dass ich mich darin von einigen Vorstellungsformeln, die mich in den vorhergehenden Jahren verfolgt haben, - nicht ohne einige nachdenkliche Wehmut – verabschiedet habe. Dazu gehört u. a. – letztlich weit hergeholt – eine auf die beiden letzten Takte des zweiten Lieds von Weberns op. 14 zurückgehende Koppelung einer raschen melodischen Linie mit kurzen Tonwiederholungen und einem Triller, die ich in sehr unterschiedlicher Weise variiert hatte, - oder das pulsierende Pochen von kurzen spiccato-Tönen der Streicher, wie es in den kurz vorher entstandenen Momenten für Orchester charakteristisch auftritt, - oder die Freude an isoliert erklingenden kleinen Figuren in Tönen von gleichen Dauern: Von all dem habe ich mich verabschiedet. Les Adieux hat in meinem Schaffen in anderem Material eine ähnliche Funktion wie seinerzeit das Klavierstück. Mit ihm gemeinsam hat das Werk den erwähnten Wechsel von pianissimo-Klängen, bei denen man das Gefühl für das Fortschreiten der Zeit verliert und den heftigen, raschen Attacken, durch deren Andeutung von Pulsation das Erlebnis von Zeitablauf wieder eingeholt wird, wobei das statische Element als Charakteristikum überwiegt.

Friedrich Cerha