Friedrich Cerha
*17.02.1926

Aktuelles

  • Aspekte Festival 2012
    Aspekte Festival 2012
    Aspekte Festival 2012
    Vom 9. bis zum 13. Mai findet in Salzburg das Aspekte Festival statt, das heuer sein 35-jähriges Ju [...]
  • Ernst von Siemens Musikpreis
    Ernst von Siemens Musikpreis an Friedrich Cerha
    Ernst von Siemens Musikpreis an Friedrich Cerha
    Friedrich Cerha erhält den internationalen Ernst von Siemens Musikpreis 2012. Auch einer der drei F [...]
  • Friedrich Cerha
    Cerha: Neues Werk für sieben Stimmen
    Cerha: Neues Werk für sieben Stimmen
    Am 11. Februar wird Friedrich Cerhas neuestes Werk 2 Szenen für sieben Stimmen im Rahmen des ECLAT [...]
  • Friedrich Cerha
    Friedrich Cerha im Gespräch mit Wilhelm Sinkovicz
    Friedrich Cerha im Gespräch mit Wilhelm Sinkovicz
    Friedrich Cerha, einer der bedeutendsten österreichischen Komponisten unserer Zeit, ist am 14. Deze [...]
  • Friedrich Cerha
    Friedrich Cerha: Like a Tragicomedy
    Friedrich Cerha: Like a Tragicomedy
    Am 20. November wird Friedrich Cerhas Orchesterwerk Like a Tragicomedy erstmals in Österreich im Ra [...]
  • Friedrich Cerha
    Cerha: Neues Klavierstück
    Cerha: Neues Klavierstück
    Am 29. Oktober wird das eigens für den Pianisten Marino Formenti geschriebene Klavierstück Für Ma [...]
  • Friedrich Cerha
    Cerha: Neues Werk mit Bezug zu Beethoven
    Cerha: Neues Werk mit Bezug zu Beethoven
    Das neue Orchesterstück Friedrich Cerhas mit dem Titel Paraphrase über den Anfang der 9. Symphonie [...]
  • Friedrich Cerha
    Neuproduktion von Friedrich Cerhas Oper Baal
    Neuproduktion von Friedrich Cerhas Oper Baal
    Am 29. September findet die Uraufführung der reduzierten Fassung von Friedrich Cerhas Oper Baal in [...]
  • Salzburger Festspiele
    Salzburger Festspiele 2011
    Salzburger Festspiele 2011
    Gustav Mahler, der musikalische Jahresregent, steht auch im Zentrum des Konzertprogramms der Salzbur [...]
  • Friedrich Cerha (c) Konzerthaus
    Cerha: Neues Stück für Oboe, Violoncello und Klavier
    Cerha: Neues Stück für Oboe, Violoncello und Klavier
    Am 11. Juni steht die Uraufführung von Friedrich Cerhas Vier Paraphrasen für Oboe, Violoncello und [...]
  • Friedrich Cerha
    Friedrich Cerha feiert seinen 85. Geburtstag
    Friedrich Cerha feiert seinen 85. Geburtstag
    Dem 85. Geburtstag Friedrich Cerhas sind in nächster Zeit viele Veranstaltungen gewidmet. [...]
  • Cerhas „Spiegel“ – ein sensationeller Eindruck
    Cerhas „Spiegel“ – ein sensationeller Eindruck
    „Hört man nun Cerhas Heptalogie [Spiegel I-VII] im Zusammenhang, so ist der Eindruck sensationell [...]
  • Friedrich Cerha
    Friedrich Cerha: Uraufführung in Manchester
    Friedrich Cerha: Uraufführung in Manchester
    Am 17. Okt. wird Friedrich Cerhas Wiener Kaleidoskop unter HK Gruber mit dem BBC Philharmonic Orches [...]
  • Friedrich Cerha © Konzerthaus Wien
    Musikpreis Salzburg 2011
    Musikpreis Salzburg 2011
    Der mit 60.000 Euro dotierte "Musikpreis Salzburg 2011" geht an Friedrich Cerha und wird ihm im Rahm [...]

Hörbeispiele

  • previous
  • play
  • pause
  • next
  • stop
  • min volume
  • max volume

Downloads

 

Friedrich Cerha
Konzert | für Bratsche und Orchester oder Ensemble - Werkeinführung

Ich habe den Klang der Bratsche immer besonders geliebt und obwohl in meiner Jugend die Geige mein Hauptinstrument war, habe ich in der Kammermusik gern zur Bratsche gegriffen und mir eine Sonate für Bratsche und Gitarre und eine für Bratsche und Klavier (1951) geschrieben. Der Plan, ein Bratschenkonzert zu machen, ist uralt, aber erst 1993 kam es zu einer Realisation.

Dem Werk liegt eine Zwölftonreihe zu Grunde, aus der Akkordreihen gebildet wurden. Aus diesen wurden Gruppen von Tönen - hauptsächlich Sechstongruppen - entnommen, die das eigentliche (also nicht mehr zwölftönige) Material darstellen. Der erste Satz paraphrasiert sehr frei dieses Verfahren. Ich habe ihn Variationen genannt, weil er dabei Abschnitte von eigener, gegensätzlicher Charakteristik ausprägt. Im zweiten Satz - Metren - sind verschiedene Metren gegenübergestellt. Um sie im Hören kenntlich zu machen, wurden jeweils Ketten von gleicher Dauer bevorzugt, wie dies grundsätzlich schon im Ensemble-Stück „Für K“ aus dem gleichen Jahr der Fall war. In der Mitte des Satzes gibt es einen Ruhepunkt, aus dem heraus sich eine kleine Kadenz der Bratsche entwickelt, bevor das Spiel mit den Metren seine Fortsetzung findet.

Der dritte Satz entspricht jenem rasenden Perpetuum-mobile-Typ, der mich zu dieser Zeit mehrfach beschäftigt hat; hier wird das Geschehen durch Pizzicati des Kontrabasses rhythmisch konturiert.

Der vierte Satz, Lamento, ist eine breit angelegte Phantasie, in deren Mitte es zu einer Erinnerung an das Tutti kommt, mit dem das Stück beginnt. Der Satz mündet in einen Choral, den fünften Satz, in dessen Verszeilen das einzige Mal unverhüllt die fünfstimmigen Akkorde auftreten, aus denen in den meisten Abschnitten das Tonmaterial entnommen wurde. In den Zwischenspielen zwischen den einzelnen Verszielen wird die Solobratsche jeweils durch ein solistisches Streichinstrument unterstützt. Eine Ostinato-Bewegung der Solobratsche beendigt das Stück, dessen Sätze alle ineinander übergehen.

Noch ein Wort zur angeblichen Berg-Nähe des Bratschenkonzerts: Schon mein „Konzept für Streichorchester“ von 1947 - eine Zeit, in der ich noch keinen Ton von Berg kannte - zeigt, dass ein ausdrucksstarker, sich in weitgespannten melodisch-harmonischen Bögen manifestierender Grundgestus bei mir zu den tief verwurzelten, ureigenen Mitteln der künstlerischen Aussage gehört. Man neigt seit dem Wiederauftreten derartiger Phänomene in den Siebzigerjahren dazu, sogenannte „neoexpressionistische Tendenzen“ auch mit Bezeichnungen wie „Neo-Mahler“ oder „Neo-Berg“ zu belegen. Eine auch nur einigermaßen differenzierte Wahrnehmung des tatsächlich Komponierten verweist diese Art des Vorgehens in den Bereich absolut unzulässiger, hochgradiger Vereinfachung und Vergröberung. Espressivo per se ist weder Mahler noch Berg. Und das Konstituieren choralartiger Bildungen in meinem Stück hat nichts zu tun mit der Integration eines Bach-Chorals in Bergs Violinkonzert. Die Gefahr derartiger Fehlschlüsse war mir als einem Kenner der „Szene“ wohl bewusst, sie hat mich aber nicht zu einer Änderung meines Konzepts veranlasst.

Friedrich Cerha