Friedrich Cerha
*17.02.1926

Nächste Aufführungen

8 Sätze nach Hölderlin-Fragmenten
30.05.2012, Moskau (RUS)
1. Keintate
15.08.2012, Salzburg (A)
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06.10.2012, Grafenegg (A)
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07.10.2012, Wien (A)
Skizzen
08.10.2012, St. Pölten (A)

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Friedrich Cerha - Zur Musik

Friedrich Cerha, geboren 1926 in Wien, ist Komponist, Dirigent, Professor und Musikschriftsteller. Er ist auch eine nationale Institution in Österreich. Seit über ein halbes Jahrhundert steht er für die neue Musik in seiner Heimat, in einer gewissen Weise auch für das Bestreben, der Kunst ihre Wurzeln in der Tradition zu bewahren und daraus eine Erneuerung herbeizuführen. Als Österreicher steht er auch für diejenigen seiner Mitbürger, die in einer schweren, tragischen Periode der Geschichte den einzig anständigen Weg genommen und aktiven Kampf gegen den Faschismus geführt haben.

Friedrich Cerha, der eher schweigsame, in sich gekehrte Mann (der aber auch einen wunderbaren Sinn für Humor hat und ein großartiger Redner ist, wenn es sein muss) ist eine Kämpfernatur, auch wenn es um die Musik geht. Er ist schon zu Lebzeiten eine musikhistorische Figur, der mit einigen Genossen, wie Kurt Schwertsik, (später auch H.K. Gruber) und seiner Frau Gertraud, das Ensemble die reihe gegründet hat, um ein Forum für die zeitgenössische Musik zu schaffen. Er hatte es nicht leicht in den späten 50er Jahren, ließ sich aber nicht beirren und verbündete sich mit anderen internationalen Persönlichkeiten der neuen Musik – wie György Ligeti oder Pierre Boulez – die viele Aufführungen ihrer Kompositionen dem Ensembleleiter und Dirigenten Friedrich Cerha zu verdanken haben.

Cerha hat vorrangig nicht seine eigenen Stücke aufgeführt – er war aber von Anfang an ein harter Arbeiter an seinem Schreibtisch und schaffte Werke, die ebenfalls eine allgemeine musikhistorische Bedeutung haben und die als Meilensteine in der Musikgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg gelten. Sein aus sieben Orchesterwerken bestehender Spiegel-Zyklus etwa, der über zehn Jahre auf seine Uraufführung warten musste (entstanden 1960/61, uraufgeführt 1972) ist so ein Meilenstein, aber keineswegs seiner Entstehungszeit verhaftet: Gesamtaufführungen der letzten Jahre in Berlin, Dresden, Wien und Bregenz haben gezeigt, wie aktuell die Spiegel-Stücke immer noch sind, welchen ungeheuren Eindruck – sogar physischen Eindruck – sie auf den Hörer ausüben.

Sein vielfältiges Oeuvre umfasst alle Gattungen in den unterschiedlichsten Stilen. Seine Opern – Der Rattenfänger, Baal, Der Riese von Steinberg – haben Maßstäbe gesetzt, nicht nur was die Musik angeht, sondern auch dafür, wie ein Musiktheaterwerk

Wesentliches über Gesellschaft, über die menschliche Natur aussagen kann. Er hat aber auch zutiefst Wienerische Musik geschrieben, mit einem ganz eigenen Sinn für Humor und für die Wiener Weisen, denen vor ihm wohl niemand den Weg in den Konzertsaal geebnet hat.

Zwischen den Opern und den Keintaten spannt sich der Bogen über Orchester- und Ensemblewerke (so genannte „avant-garde“-Stücke  und andere, die auch ein Abonnement-Publikum direkt ansprechen können); Werke für die verschiedensten Soloinstrumente – als jüngstes ein Schlagzeugkonzert – und Solo-Stimme mit Orchester, Kammermusik für unterschiedliche Besetzungen, darunter vier Streichquartette. Alle, die das internationale Musiktheater- und Konzertrepertoire nachhaltig bereichert haben.

Friedrich Cerhas musikgeschichtliche Bedeutung ist auch durch seine Vollendung des dritten Aktes von Alban Bergs Lulu begründet. Seit der Erstaufführung in Paris 1979 (Dirigent: Pierre Boulez, Regisseur: Patrice Chéreau, Bühnenbildner: Richard Peduzzi, Lulu: Teresa Stratas) ist die drei-aktige Fassung in unzähligen Produktionen, also Interpretationen zu erleben gewesen – ein sine qua non für die Repertoirewerdung eines jeden Werkes. Was sich Cerha vorgenommen hat, wie er mit dem von Berg hinterlassenen Material umgegangen ist, ist in einem ausführlichen Arbeitsbericht zu lesen.

Friedrich Cerhas Bereitschaft, sich auch in Wort mitzuteilen, ist eine wesentliche Hilfe für seinen Verlag, der dank ihr über authentische Äußerungen bezüglich aller seiner Kompositionen verfügt.  In Schriften: ein Netzwerk ist eine Sammlung erschienen, eine Schatztruhe für all diejenigen, die sich auch für Friedrich Cerha den Denker interessieren.

Da ist ein Kapitel der Musikpädagogik gewidmet: es äußert sich der Kompositionsprofessor Friedrich Cerha, der unter seinen Studenten nicht nur den österreichischen Staatspräsidenten Heinz Fischer zählt (da hat Cerha noch in der Mittelschule unterrichtet) sondern auch Georg Friedrich Haas, den wichtigsten Komponisten der mittleren Generation.

Cerha feierte – oder, besser, Österreich feierte Cerhas 84. Geburtstag am 17. Februar 2010. Es fanden viele Konzerte zu seinen Ehren statt. Wichtiger ist aber, dass die Arbeit in seinem Studio weitergeht, das Oeuvre wächst und trotz Beteuerungen, dass er mit dem Dirigieren aufhören will, steht er noch ab und zu auf dem Podium. Die nationale Institutionist aktiv wie eh und je.