*16.08.1953
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Georg Friedrich Haas - Biographie
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Georg Friedrich Haas wurde in Graz geboren, verbrachte aber seine Kindheit in Vorarlberg, in den Bergen – eine Landschaft und eine Atmosphäre, die ihn nachhaltig geprägt haben. Studiert hat er aber in seiner Geburtstadt, bei Ivan Eröd und Gösta Neuwirth und später in Wien, bei Friedrich Cerha. Die gegenseitige Wertschätzung mit Cerha ist bis heute geblieben, der beide Komponisten immer wieder Ausdruck verleihen. Zuletzt war es Cerha, der Doyen der österreichischen Komponisten, der seinen ehemaligen Schüler für den Großen Österreichischen Staatspreis vorgeschlagen hat, der Haas 2007 auch verliehen wurde.
Bis dahin war es aber ein langer und schwieriger Weg. Georg Friedrich Haas spricht offen über die Jahre seiner „totalen Erfolgslosigkeit“ – eine andere, prägende Erfahrung, die seine eher pessimistische Grundhaltung verstärkte. Die allmählich einsetzende Anerkennung hat dies nur mildern aber nicht völlig neutralisieren können.
Es ist nicht von ungefähr, dass die Nacht, die Dunkelheit, der Verlust der Illusionen eine so große Rolle in seinem Oeuvre gespielt haben (etwa in seiner Hölderlin-Oper Nacht, 1995/1998) – es ist erst in allerletzter Zeit, dass das Licht seine Musik erhellt. Wobei dem Licht als integraler Teil einer Reihe seiner Kompositionen, eine beträchtliche Bedeutung zukommt und es wird dementsprechend von KüntlerInnen eigens für seine Musik entworfen. (in vain, 2000, und insbesondere Hyperion, ein Concerto für Licht und Orchester, 2006). Das Licht jedoch, das im Gegensatz zur Dunkelheit, nur Nacht, seine Musik beleuchtet, ist wohl erst mit Sayaka (2006) für Schlagzeug und Akkordeon auf seinem Horizont erschienen.
Georg Friedrich Haas ist international bekannt und anerkannt, als ein hoch sensibler, fantasiereicher Erforscher der Innenwelt der Klänge. Mit ganz wenigen Ausnahmen (wie sein Violinkonzert, 1998) schreibt er mikrotonale Stücke, deren magische Klangwelt den Hörer in Rausch versetzt.
Haas hat sich ernsthaft mit der Mikrotonalität auseinander gesetzt (angeregt von Ivan Wyschnegradsky und Alois Hába) und in mehreren europäischen Ländern Vorlesungen darüber gehalten. Für die Salzburger Festspiele 1999 hat er unter dem Titel Jenseits der zwölf Halbtöne einen (wie es im Untertitel heißt) „Versuch einer Synopse mikrotonaler Kompositionstechniken“ unternommen. Der abschließende Absatz sei hier zitiert:
„’Mikro-’ ist eine ‚Tonalität’ nur im Gegensatz zu einer als Bezugssystem akzeptierten ‚Normaltonalität’. Wo dieses Bezugssystem obsolet geworden ist, tritt an die Stelle des Begriffes ‚Mikrotonalität’ die freie Entscheidung der individuellen komponierenden Persönlichkeit, über das Material ‚Tonhöhe’ zu verfügen.“
Während Haas in jedem Werk Neuland betritt, ist seine Musik zutiefst in der Tradition
verwurzelt. Seiner tiefen Verbundenheit mit Schubert verdanken wir Torso vom 1999/2001, eine Orchestrierung der unvollendet gebliebenen Klaviersonate in C-Dur, D 840, ein Spiegelbild der tragischen Figur Schuberts. Mozart hat er nicht nur in der frühen Streichorchesterwerk …sodaß ich’s hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild…im Geist übersehe 1990/1991 geehrt, sondern auch in den ergreifenden 7 Klangräumen 2005, die zwischen den einzelnen Sätzen von Mozarts Requiem-Torso (also ohne den Ergänzungen durch seine Schüler) einzufügen sind. Im Blumenstück 2000 für Chor, Basstuba und Streichquintett hört man – vielleicht vom Komponisten unbeabsichtigt – Anklänge an Beethoven. Im Concerto für Violoncello und Orchester 2003/2004 führt das Soloinstrument ein Zitat aus Franz Schrekers Oper Der ferne Klang an ("O Vater, dein trauriges Erbe").
Dem Auftrag des Leipziger Gewandhausorchesters folgend hat er in seinem jüngsten Orchesterwerk Traum in des Sommers Nacht 2009 Mendelssohns gedacht, mit Motiven aus dessen Werken, die in Haas’ Musik meisterhaft gewoben sind.
Das Cellokonzert, wie auch Wer, wenn ich schriee, hörte mich… 1999 für Schlagzeug und Ensemble sind Beispiele auch für Haas’ politische Haltung und die Ohnmacht, deren er sich als Komponist schmerzlich bewusst ist: er weiß, mit seiner Musik ist die Welt nicht zu verändern. Das Schlagzeugkonzert entstand zur Zeit des Balkankrieges; als Haas die Flugzeuge, bombengeladen, über sich fliegen sah und hörte, fragte er sich, wer denn ihn hören würde, sollte er mit seinem Schrei gegen den Krieg protestieren. Das Cellokonzert, das mit einem schwer zu ertragenden, schmerzvollem Schrei beginnt und auf der Trommel die Marsch-Schritte der preußischen Armee heraufbeschwört, ist eine Anklage gegen den Faschismus.
Ein fantasiereicher, in seiner Musik das Neue wagender Komponist, ein verantwortungsvoller, politischer Mensch, Georg Friedrich Haas ist heute einer der wichtigsten Künstler in Europa.
1953 – Geboren am 16. August in Graz
1972-79 – Studien an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz: Komposition (u. a. bei Ivan Eröd und Gösta Neuwirth), Klavier (Doris Wolf) und Musikpädagogik
seit 1978 – Unterrichtstätigkeit an der Grazer Musikhochschule (zuletzt Kontrapunkt, zeitgenössische Kompositionstechniken, Werkanalyse, Einführung in die mikrotonale Musik)
1981-83 – postgraduelles Studium bei Friedrich Cerha an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien
1980/88/90 – Besuch der Darmstädter Ferienkurse
1991 – Teilnahme am "Stage d’Informatique Musicale pour
compositeurs" am IRCAM Paris
1992-93 – Stipendiat der Salzburger Festspiele
1992 – Sandoz Preis
1995 – Förderungspreis für Musik des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur
07.08.1998 – szenische Uraufführung Nacht (Kammeroper in 24 Bildern bei den
Bregenzer
Festspielen
18.11.1998 – Ernst Krenek-Preis der Stadt Wien für die Kammeroper Nacht
1999 – 'Next Generation' - Komponist bei den Salzburger Festspielen
1999/2000 – Stipendiat des DAAD in Berlin
2000 – Violinkonzert: „Ausgewähltes Werk“ beim International Rostrum of Composers
14.08.2003 – Uraufführung von Die schöne Wunde (Kammeroper), Auftragswerk der Bregenzer Festspiele, c. Sylvain Cambreling, Klangforum Wien
19.10.2003 – Uraufführung von Natures mortes (für großes Orchester), Auftragswerk der Donaueschinger Musiktage, c. Sylvain Cambreling, SWR SO Baden-Baden und Freiburg
März 2004 – Festivalkomponist von „ars musica“ in Brüssel
16.06.2004 – Preis der Stadt Wien für Musik
09.07.2004 – Uraufführung des Konzerts für Violoncello und großes Orchester, Auftrag der Musica Viva München, Clemens Hagen, vlc, c. Vykintas Baltakas, SO des Bayerischen Rundfunks in München
August 2004 – Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen
2005 – Preis der deutschen Schallplattenkritik für die CD-Aufnahme des 1. und 2. Streichquartetts mit dem Kairos-Quartett
25.04.2005 – Verleihung des Andrzej-Dobrowolski-Kompositionspreises 2004 der Steirischen Landesregierung in Graz
03.07.2005 – Uraufführung von Ritual für 12 große Trommeln und 3 Blaskapellen, Auftrag der Klangspuren Schwaz, in Zusammenarbeit mit der Tiroler Landesausstellung und dem Alpinarium Galtür; Militärmusikmusik Vorarlberg, Swarovski Musik Wattens, Stadtmusikkapelle Perjen, c. Major Karl Gamper, Franz Schieferer, Hermann Delago
seit 2005 – Leitung einer Kompositionsklasse an der Hochschule für Musik der Musik-Akademie der Stadt Basel
Herbst 2005 – Schwerpunkt Georg Friedrich Haas bei den Klangspuren Schwaz
04.12.2005 – Uraufführung der 7 Klangräume für Chor und Orchester, Auftrag der Stiftung Mozarteum, Salzburg/A, Mozarteum Orchester Salzburg, c. Ivor Bolton, Salzburger Bachchor
März 2006 – Festivalkomponist des Borealis-Festivals in Bergen (Norwegen)
23.03.2006 – Uraufführung von Poème
für großes Orchester, Auftrag des Cleveland Orchestra /
Franz Welser-Möst, Cleveland Orchestra, c. Franz Welser-Möst
22.10.2006 – Uraufführung von Hyperion für Licht und Orchester, Donaueschinger Musiktage, SWR SO Baden-Baden und Freiburg, Lichtstimme: rosalie
13.05.2007 – Uraufführung von Bruchstück für großes Orchester, Auftrag der Münchner Philharmoniker, in München, Münchner Philharmoniker, c. Markus Stenz.
07.11.2007 – Uraufführung von Konzert für Klavier und Orchester, Wien Modern, in Wien, RSO Wien, c. Martyn Brabbins, Thomas Parcher, pn
28.11.2007 – Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises der Republik Österreich
2008 – Ernennung zum Professor für Komposition an der Hochschule für Musik in Basel
03.05.2008 – Uraufführung von Konzert für Baritonsaxophon und Orchester, WDR SO Köln, c. Emilio Pomàrico, Marcus Weiss, Sax
09.06.2008 – Uraufführung von Melancholia (Oper), Opéra National de Paris, Klangforum Wien, c. Emilio Pomàrico
28.08.2009 – Urauffühung von Traum in des Sommers Nacht, Leipzig, Gewandhausorchester, c. Riccardo Chailly
15.01.2010 – Uraufführung von ATTHIS, Berlin, Scharoun Ensemble, Annette Dasch, c. Michael Hasel
04.02.2010 – Uraufführung von La profondeur, Amsterdam, Klangforum Wien, c. Sylvain Cambreling
17.10.2010 – Uraufführung von limited approximations, Konzert für 6 Klaviere im Zwölfteltonabstand
und Orchester, Donaueschinger Musiktage, SWR-SO Baden-Baden und Freiburg,
c. Sylvain Cambreling
Kompositionspreis des SWR-SO Baden-Baden und
Freiburg für limited approximations in Donaueschingen
22.10.2010 – Uraufführung von Arthur F. Becker (od. Buhr?), Heidelberg, Schola Heidelberg, c. Walter Nussbaum
26.11.2010 – Uraufführung von „... damit ... die Geister der Menschen erhellt und ihr Verstand erleuchtet werden ...“ für Ensemble. Basel, Ensemble Phoenix Basel, c. Jürg Henneberger
04.02.2011 – Uraufführung des 6. Streichquartetts, Mozartwoche, Salzburg, Hagen Quartett
04.06.2011 – Uraufführung von chants oubliés für Kammerorchester. München, Münchener Kammerorchester, c. Alexander Liebreich
10.09.2011 – Uraufführung des 7. Streichquartetts, Luzern, Arditti String Quartet, Experimentalstudio des SWR, Freiburg
18.12.2011 – Uraufführung von Mlake / Laaken, München, Neue Vocalsolisten
Sommer 2011 – Composer-in-residence des Lucerne Festival
Publikationen: Wissenschaftliche Aufsätze über die Arbeiten von Luigi Nono, Ivan Wyschnegradsky, Alois Hába und Pierre Boulez
Der Komponist lebt in Deutschland und arbeitet in Basel und Graz




