Luciano Berio
24.10.1925—27.05.2003

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Luciano Berio
Folk Songs | für Mezzosopran und 7 Instrumente - Werkeinführung

Ich habe immer ein tiefes Unbehagen verspürt, wenn ich Volksweisen (also spontan aus dem Volk entstandene Lieder) mit Klavierbegleitung hörte. Daher habe ich, vor allem als Hommage an Cathy Berberians intelligente Interpretationen, 1964 Folk Songs geschrieben, für Stimme und sieben Instrumente (Flöte/Piccoloflöte, Klarinette, zwei Schlaginstrumente, Harfe, Viola, Violoncello) und 1973 dann für Stimme und Orchester.

Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Anthologie von 11 Volksliedern (oder als solche verstandenen) verschiedenen Ursprungs (aus den Vereinigten Staaten, Armenien, der Provence, Sizilien, Sardinien u. a.), die ich auf alten Schallplatten und in gedruckten Anthologien entdeckt habe oder die mir Freunde vorgesungen haben. Ich habe die Lieder allerdings rhythmisch und harmonisch bearbeitet, in gewissem Sinne also neu komponiert. Der Einsatz der Instrumente hat eine ganz bestimmte Funktion. Er soll, ohne den Sinn des Liedes zu zerstören oder zu manipulieren, andeuten und kommentieren, was meinem Empfinden nach jedes einzelne Lied entsprechend seinem kulturellen Hintergrund ursprünglich ausdrücken wollte, etwa den Anlass, zu welchem es gesungen wurde.

Zwei dieser Lieder („La donna ideale“ und „Ballo“) sind zwar nicht in ihrem Wesen, wohl aber vom Inhalt her Volkslieder; ich habe sie 1947 selbst komponiert. Ersteres auf scherzhafte Worte eines unbekannten Genueser Autors und das zweite nach einem Text eines anonymen Sizilianers.

Luciano Berio