Wolfgang Rihm
Brentano-Phantasie | 7 Gedichte | für Sopran oder Tenor und Klavier - Werkeinführung
Clemens Brentano gab seinen Gedichten meist keine Titel, keine ausgestellten, abgrenzenden Namen. Gelöst scheinen sie tieferliegenden Zusammenhängen zu entstammen, auf einer Grundschwankung, nur in Ansätzen ortbar, zu treiben. Die Bild- und Wortfindungen können augenblicklich neue Verbindungen eingehen. Musikalische Chemie. Die Bewegung der Phantasie, von diesem Dichter als Figur verdichtet, ist das Bewegungspotential, das Motiv meiner Komposition Brentano-Phantasie.
Die durchweg melodisch geformte Deklamation der dichterischen Wortkonstellationen geschieht auf einer unablässig changierenden Harmonik-Grundierung. Diese kann, wie die poetischen Felder um Begriffe und Bilder, als Ladung und Klima aufgefasst werden; nur momentan greifbar, im Ganzen: Schwebend schattenhafter Schein.
Das Lied singt (sehr leise, sehr gebunden) vom Lied und ist eben dessen Versuch. "Melodisch deklamiert?" – ja, ein Widerspruch, ein Gratwandern auf der Wasseroberfläche! Aber was wäre Melos sonst?
Wolfgang Rihm










