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Universal Edition - Georg Friedrich Haas – Adolf Wölfli

Georg Friedrich Haas

Georg Friedrich Haas
Adolf Wölfli

Entstehungsjahr: 1980-1981
Untertitel: Kurzoper
Komponist: Georg Friedrich Haas
Textquelle: Nach Adolf Wölfli
Originalsprache: Deutsch
Rollen: Bariton
Besetzung: Ob, Eh, Bkl, Fag, präpKlav, StrQuint, Tonbd
Besetzung Details:
Oboe
Englischhorn
Bassklarinette in B
Fagott
präpariertes Klavier
1. Violine
2. Violine
Viola
Violoncello
Kontrabass
Auftraggeber: steirischer herbst
Dauer: 25′
 
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  • Haas Georg Friedrich

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Uraufführung

Ort: Grazer Oper Graz / Österreich
Datum: 01.11.1981
Dirigent: Wolfgang Bozic
Hauptsolisten: Wolfgang Müller-Lorenz, Bar
Bemerkungen: Auftrag: steirischer herbst

Werkeinführung

Grundgedanke war, die Isolation und das In-Sich-Eingesperrt-Sein der historischen Person Adolf Wölfli auf der Bühne darzustellen. Alles, was auf der Bühne zu sehen bzw. zu hören ist, soll sich auf Texte bzw. Bilder von Wölfli beziehen.

Wölfli monologisiert (die Textmenge, die der Solist hiebei in knapp 25 Minuten bewältigt, würde bei einer traditioneller Operntextvertonung für etwa 90 Minuten ausreichen...), er ist hierbei den Produkten seiner Phantasie ausgeliefert: einer 'Hinrichtungsmaschinerie', deren 'Glockenschläge' und 'Kanonenschüsse' formbildend wirksam werden.

"...Grauenhaft und großartig zugleich ist dann eine automatische Figur (die Anregung für Spielwerk. Figuren hat Wölfli wohl vom Zeitglockenturm in Bern), die er die <<obligatorische Hinrichtung>> nennt und als ein <<ergötzliches Experiment>> (!) und eine <<sinnreiche Erfindung>> bezeichnet: immer mit dem zwölften Stundenschlag wird der Delinquent durch eine Kanone auf den Kopf getroffen und getötet, worauf im Nu die Kanone neu geladen ist und der Delinquent wieder durchs Gitter grinst, als ob nichts geschehen wäre"
(zitiert nach Elsbeth Pulver: Gezeichnet Adolf Wölfli, Unglücksfall zur Struktur von Adolf Wölflis Sprachwerk; Ausstellungskatalog Adolf Wölfli, Bern 1976)

Kopien von Abbildungen seiner selbst (sowohl der Sänger, als auch die Instrumentalisten und eventuell auch der Dirigent sollen als 'Wölflis' auf der Bühne aktiv werden, sie alle sind in derselben Weise maskiert, wie Wölfli sich selbst in seinen Zeichnungen dargestellt hat) sowie seinen sexuellen Fantasiegebilden in Gestalt unbekleideter junger Frauen.

Kompositionstechnisch versuchte ich, Wölflis Technik des Deformierens traditioneller Elemente (wie z. B. des Reimgedichts oder des Reiseromans oder religiöser Texte) in die Musik zu übertragen: Verschmutzte, deformierte Tonalität, historische Klangmuster, die sich als Atrappen von Stützen erweisen, die dann quasi in sich selbst zusammenbrechen.

Wichtig war mir, daß die musizierenden Instrumentalisten direkt in das dramatische Geschehen miteinbezogen sein sollten (gewissermaßen als integrierter Bestandteil jener Bühnenmaschinerie, der Wölfli ausgeliefert ist): Einige Partien sollten in völliger Finsternis realisiert werden (diese Stellen sind so komponiert, daß sie leicht auswendig gelernt werden können), im Schlußteil fungieren Lichtblitze ('zerhacktes' Licht) als Steuerung der Rhythmik des jeweiligen Klangwechsels. Die aleatorisch komponierte 'Tanzszene' ermöglicht, daß die Interpreten sich von den Notenpulten entfernen und wie die Figuren des Spielwerks einer Uhr mit Wölfli 'tanzen' können.

Eine Handlung im traditionellen Sinne gibt es nicht. Was sich im Verlauf des Stückes herausstellt, ist die Unfähigkeit der religiösen Elemente, Wölflis Schuldgefühle zu kompensieren. Die Frohbotschaft "Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute großes Heil widerfahren" wird angesichts der äußeren und inneren Lebenssituation Adolf Wölfli zur bitteren Ironie, zur leeren Floskel, zur Lüge.

Es gibt keine zweite Person in dieser Oper. Religiöse Motive, Reiseberichte aus irrealen Fantasielandschaften und manisches Aufzählen von Metaphern männlicher Sexualität (Schlangen, Fontänen) werden aneinandergereiht und miteinander verbunden. Als Konstante bleibt die 'Hinrichtungsmaschinerie' - Symbol einer Gewalt der gesellschaftlichen Ordnungssysteme, der der Einzelne hoffnungs- und verständnislos ausgeliefert ist.

Eine zentrale Rolle in der Oper spielt das Licht. Zu Beginn (quasi als 'Ouverture') werden im Halbdunkel rhythmisch unabhängig die einzelnen Instrumentalgruppen (Streicher, Holzbläser, Klavier) sowie der Sänger (der einen kaum verständlichen Gebetstext vor sich hinmurmelt) vorgestellt: Sobald das Licht sich erhellt und die MusikerInnen deutlich beleuchtet, verstummen sie.

Dort, wo die Musik komplex ausnotiert ist, versucht sie, Wölflis Technik des Montierens vertrauter Elemente zu irrealen Fantasiegebilden zu übernehmen.

Das Erlöschen des Lichts, die völlige Finsternis (auch die Pultbeleuchtung muß erlöschen) ist nicht nur ein dramatisches Element, sie hat auch Auswirkung auf die musikalische Faktur: Die Abwesenheit von Licht führt zu verhältnismäßig einfachen, statischen, improvisierten musikalischen Gebilden; zuletzt wechseln nur mehr zwei Obertonakkorde (im Abstand einer vierteltönig vergrößerten großen Sekunde) ab, der Wechsel wird durch grelle Lichtblitze angegeben, auf die völlige Dunkelheit folgt - für den Zuschauer wird dadurch die Bewegung zum Stehbild, visueller und akustischer Eindruck nähern sich gegenseitig an.

G. F. Haas

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Partitur - Adolf Wölfli

Adolf Wölfli
  • Ausgabeart: Partitur
  • Ausgabeinfo: =Klavierstimme

Partitur - Adolf Wölfli

Adolf Wölfli
  • Ausgabeart: Partitur

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