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Universal Edition - Gustav Mahler – Zur Musik

 

Gustav Mahler

Zur Musik

UE Mahler Interviews

Dirigenten über Mahler

Der direkte Kontakt zwischen Gustav Mahler und der Universal Edition kam erst 1909, d.h. zwei Jahre vor dem Tod des Komponisten zustande. Grund dafür ist erstens die Tatsache, dass der 1901 gegründete Verlag damals noch ein sehr junges Unternehmen war, und zweitens, dass die UE, bis zur Ernennung von Emil Hertzka als Direktor 1907, hauptsächlich der klassischen Musik verpflichtet war.

Trotzdem übernahm die Universal Edition bereits 1906 die von den Verlagen Weinberger und Doblinger verwalteten Verlagsrechte von den Symphonien I – IV (Taschenpartitur und Bearbeitung für Klavier vierhändig).

1909 kam es zum ersten direkten Vertragsabschluß mit Mahler über dessen VIII. Symphonie. Schon im Februar 1910 schrieb der Komponist an Hertzka:

„Ich muß Ihrer Firma (resp. deren Leitung) mein aufrichtiges Kompliment machen. Wie schade, dass nicht meine anderen Sachen auch bei Ihnen erschienen sind. Mit herzlichstem Dank an Sie und vor allem Herrn v. Woess bin ich in größter Eile Ihr ganz ergebenster Mahler.“

Noch im selben Jahr, 1910, verlegte die UE die IX. Symphonie und Das Lied von der Erde. Ein Brief Mahlers an Hertzka aus Toblach am 3. Juli 1910 lässt darauf schließen, dass die beiden einen recht freundlichen Kontakt pflegten. Der Komponist informiert den Direktor, dass „der Darm ganz in Ordnung“ sei; er bittet um die Zusendung einer Reihe von Partituren von Bach bis Schubert, und fügt hinzu:

„Verzeihen Sie die Belästigung, aber, lieber Hertzka, Sie sind selbst daran schuld, wenn ich Sie einfach lakonisch, wie einen alten Freund, mit meinen Geschäften belade.“

Ein weiterer Brief Mahlers an Hertzka, ebenfalls 1910 in Toblach geschrieben, ist höchst aufschlussreich. Da erklärt der Komponist, der um einen „Führer“ durch die Achte Symphonie gebeten wurde, warum er „so einen Wisch“ aufs äußerste ablehnt:

„Eine moderne Composition besteht nicht aus Themen oder dergleichen – ebenso gut könnten Sie um einen Menschen zu schildern einige seiner typischen Zellen (z.B. Gewebszellen, Muskelzellen, etc.) beschreiben. Aber wie Sie auch darüber denken – und was Sie auch in Zukunft damit tun wollen: für die Uraufführung erlaube ich absolut nichts dergleichen! – Wenn sich die Leute dafür interessieren, so sollen sie den Clavierauszug kaufen. – Bitte, nichts für ungut, und beruhigen Sie mich umgehend darüber. So ein Wisch in der Hand stellt sich direkt zwischen Werk und Zuhörer (der sich sofort in einen Zuschauer verwandelt). Es ist zum Verzweifeln, das immer wieder zu erleben.“

Nicht minder aufschlussreich ist Mahlers Brief an den Direktor der Universal Edition vom 29. Dezember 1910, verfasst in New York. Die Nachricht, dass sich der Verlag während der Abwesenheit des Komponisten für die Uraufführung eines neuen Werkes (wahrscheinlich von Das Lied von der Erde) einsetzte, und die Partitur verschiedenen Personen zur Ansicht verschickte, entsetzte den Komponisten.

„Ihre heutige bestimmtere Mitteilung veranlasst mich jedoch, Ihnen ganz dezidiert zu erklären, dass ich die Erstaufführung eines meiner neuen Werke, die ich mir ja auch contraktlich gesichert habe, ganz allein meiner Entschließung vorbehalte – Vorderhand denke ich überhaupt nicht daran, und bitte mit allen derartigen Plänen zu warten, bis ich wieder an der Bildfläche erscheine. Neue Partituren sind übrigens so lange sie nicht mein Imprimatur erhalten, und mit meiner Genehmigung zur Edition gelangen, als anvertrautes Geheimnis zu betrachten. Unter Umständen könnte es mir auch notwendig erscheinen, durchgreifende Änderungen vorzunehmen. -….. Nochmals: Ich verbitte mir jedes Befassen mit meinen neuen Werken von welcher Seite immer.“

Die Uraufführung von Das Lied von der Erde fand erst nach Mahlers Tod, am 20.11. 1911 in München statt. Es dirigierte Bruno Walter, der dem Komponisten sehr nahe stand und seine Intentionen wohl gut kannte. Trotzdem: wir wissen nicht, welche Änderungen der Komponist vorgenommen hätte, wenn er die Premiere selbst hätte dirigieren können. Bruno Walter verdanken wir allerdings auch die Uraufführung der IX. Symphonie, in Wien, am 26.6.1912.

Ein Musikverlag arbeitet nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft. Mahler war nicht der einzige Komponist, dessen Genie Emil Hertzka zu einer Zeit entdeckte, als es für die Zeitgenossen alles andere als selbstverständlich galt. Mahler hat die UE wohl mehr Geld gekostet als er dem Verlag verdiente: er komponierte riesige Orchesterwerke was Apparat und Dauer betraf, und er nahm immer wieder Revisionen vor. Die Anzahl der Aufführungen war jedoch niedrig – nichts deutete auf den Kult des Komponisten hin, den er erst etwa ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod erfuhr. Wie gesagt, ein Verlag arbeitet nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft.