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Universal Edition - Ian Wilson – Zur Musik

 

Ian Wilson

Zur Musik

Eine starke spirituelle Dimension

Ian Wilson ist keinesfalls ein 'heiliger Minimalist'; seine Musik hat aber eine sehr starke spirituelle Dimension. Fast könnte man meinen, seine Musik kommt aus der Stille selbst, aus der Reinigung des Geistes in Vorbereitung auf Meditation.

Seine bewegendsten Werke sind jene, die sich mit Tod und irreversibler Zeit auseinandersetzen, die inspiriert sind von der Atmosphäre eines alten Friedhofes, den letzten Worten Christi am Kreuz oder St. Pauls steigendem Bewußtsein seiner Sterblichkeit (cf. Timelessly This, The Seven Last Words, Winter’s Edge).

Wilsons harmonische Sprache deckt ein breites Spektrum ab, das vom freien Einsatz der Chromatik bis zur Diatonik reicht. Seine frühere Tendenz zur Homophonie ist zugunsten einer verstärkt linearen Schreibweise in den Hintergrund getreten. "Technische Kompositionsvorgänge dienen nur dem Ausdruck und werden eingesetzt, um eine bestimmte Stimmung, ein Gefühl oder eine Vorstellung wiederzugeben, die mich in diesem Augenblick beschäftigt." Er hat ein sehr persönliches Vokabular musikalischer Motive entwickelt, die leicht verändert immer wiederkehren, und er verwendet eine breite Palette an instrumentalen Effekten und Klangfarben.

Die Quellen seiner Inspiration sind bildhaft und dramatisch und reichen von den Gemälden Paul Klees über Skulptur bis zu biblischen Texten. Wilson nimmt den Kern einer Idee, die ihn inspiriert hat und verwandelt sie mit alchemistischem Geschick in eine musikalische Einheit. Das Ergebnis ist eine Musik, die durch ihre Reinheit und emotionale Direktheit besticht.

Miranda Jackson (1997)
Übersetzung von Claudia Patsch