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Universal Edition - Johannes Maria Staud – Polygon

Johannes Maria Staud

Johannes Maria Staud
Polygon

Entstehungsjahr: 2002
Untertitel: Musik
Instrumentierung: für Klavier und Orchester
Komponist: Johannes Maria Staud
Solo: Klavier
Besetzung: 3 2 2 3 - 0 3 2 1 - Schl(4), Hf, Akk, Sax(2), Wgtb(3), Str(12 10 8 6 5)
Besetzung Details:
1. Flöte (+Picc)
2. Flöte (+Picc)
3. Flöte (+Bfl(C))
1. Oboe
2. Oboe
1. Klarinette in B
2. Klarinette in B
Sopransaxophon in B (+Barsax(Es))
Altsaxophon in Es (+Barsax(Es))
1. Fagott
2. Fagott
Kontrafagott
1. Wagnertuba in B
2. Wagnertuba in B
3. Wagnertuba in F
1. kleine Trompete in B
2. kleine Trompete in B (+Trp(C))
3. Trompete in C
1. Posaune
2. Posaune
Kontrabasstuba
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
3. Schlagzeug
4. Schlagzeug
Akkordeon
Harfe
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
Dauer: 12′
Widmung: für Thomas Larcher
 
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Hörbeispiel

Polygon
Polygon

Uraufführung

Ort: Musikverein, Großer Saal Wien / Österreich
Datum: 11.10.2002
Orchester: ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Dirigent: Bertrand de Billy
Hauptsolisten: Thomas Larcher, Klav

Werkeinführung

Der Titel Polygon (dt. das Vieleck) - laut Lexikon ein geometrisches Gebilde aus n Punkten (den Ecken des Polygons) und n Verbindungsstrecken (den Seiten des Polygons) - stand schon ziemlich bald nach Beginn der Arbeit an dieser Komposition fest.

Irgendwie faszinierte mich dieser so absolute und klangschöne Ausdruck aus der Sphäre der Abstraktion schon lange. Die unbestechliche Objektivität des Begriffs, gepaart mit seinem archaisch wirkenden Klang (wahrscheinlich auf die symmetrische Verteilung der Vokale zurückzuführen) ließen meinem an ihm sich entzündenden Gedankenspiel mehr Raum, als ein anderer, in eine eindeutigere, poetisch determiniertere Richtung zielender Titel es vermocht hätte. Das Wort diente mir als Motto und Inspiration, als immer verfügbarer Schlüssel, mit dem ich mich augenblicklich in eine bizarre, für dieses Werk spezifische Grundstimmung versetzen konnte, die ich immer benötige, um musikalisch zu erfinden.

Das Wort Polygon weckte aber sogleich auch meine Begeisterung für den amerikanischen Bildenden Künstler Walter De Maria (*1935) von neuem. Vor allem seine The 2000 Sculpture (1992) hat mich, als ich sie kennen lernte, tief beeindruckt. 2000  5-, 7- und  9-eckige Stäbe liegen (nach allen möglichen mathematischen Kombinationen zusammengestellt) in exakter Ordnung auf dem Boden und ergeben so ein Feld von 50 x 10 Metern. Durch die jeweils andere Neigung und Ausdehnung ihrer Außenflächen wird von den weißen Gipsstäben das Licht in jeweils anderer Weise reflektiert. Die Tatsache, dass mit extrem reduziertem Grundvokabular gearbeitet wurde, tritt beim Abschreiten dieser Skulptur bald in den Hintergrund, da, wenn man sich die Zeit nimmt, plötzlich eine Vielzahl an geometrischen Mustern wahrgenommen werden kann, die durch die sich scheinbar in die Unendlichkeit fortsetzenden Stäbe eine beeindruckende Wirkung hervorruft. Erst durch die individuelle Betrachtungsweise wird nun diese reine, scheinbar bedeutungslose Form der Skulptur (die wiederum vom gerade herrschenden Lichteinfall  u.ä. abhängt), mit Bedeutung belegt. Der Betrachter ist notwendig, um den poetischen Akt zu vervollständigen, ohne seine Beteiligung bleibt die Skulptur 'ohne Bedeutung'.

Eine in Töne gesetzte Analogie wollte ich nun keinesfalls anfertigen, weil musikalisches und bildnerisches Vokabular gänzlich verschieden und nicht in Einklang zu bringen sind. Bei esoterisch-kitschigem Fehldeuten De Marias (Stichwort: Nicht-Aufhören-Können an der Hörschwelle) wollte ich nun wirklich nicht hängen bleiben! Dieser Gefahr wollte ich auch dadurch entgehen, dass mein Werk zeitlich knapp formuliert ist, ganz im Gegensatz zu De Marias raumgreifender Skulptur. Vielmehr war ich bemüht, mir De Marias Skulptur in punkto Vielfältigkeit der Beziehungen zwischen sehr wenigen, einfachen Grundbausteinen (und den daraus entstehenden formalen Mehrdeutigkeiten) zum Vorbild zu nehmen. Klare Zeitproportionen, Klein- sowie Großabschnitte, die formal doppeldeutig angelegt sind (durch Selbst-Rekursion), scheinbar neues Material, das aber nur durch kombinatorisches Verknüpfen schon bekannter Grundvokabeln entsteht, all dies war bei diesem Werk bestimmend. Das Anbieten von Mehrdeutigkeiten benötigt aber auch den Zuhörer, der seine eigene Lesart einbringt, durch den das Stück erst „Bedeutung“, und somit Lebensfähigkeit erhält.

Der oben angedeuteten bizarren Grundstimmung, in die mich das Wort Polygon während der Arbeit versetzte, versuchte ich auch durch die Instrumentation (u. a. 2 Saxophone, Wagnertuben anstatt Hörner, Piccolo-Trompeten, ...) näher zu kommen. Die Orchestration sowie das Verhältnis Solist-Orchester wurde aber auch einzig und allein durch das selbst-rekursive Formmodell bestimmt bzw. ist eigentlich selbst konstitutiver Teil des Formmodells, mit dem ich auch der traditionellen Klavierkonzert-Dramaturgie entgegenwirken wollte. Das Werk ist Thomas Larcher in Freundschaft gewidmet.

Johannes Maria Staud

Studienpartitur - Polygon

Polygon
  • für Klavier und Orchester
  • Ausgabeart: Studienpartitur

Studienpartitur - Polygon

Polygon
  • für Klavier und Orchester
  • Ausgabeart: Studienpartitur

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