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Universal Edition - Johannes Maria Staud – der kleinste abstand zwischen zwei gegenständen

Johannes Maria Staud

Johannes Maria Staud
der kleinste abstand zwischen zwei gegenständen

Entstehungsjahr: 1999
Untertitel: nach visuellen Texten von Heinz Gappmayr
Instrumentierung: für 16-stimmigen Chor a cappella
Komponist: Johannes Maria Staud
Textdichter: Heinz Gappmayr
Originalsprache: Deutsch
Chor: 4S, 4A, 4T, 4B
Auftraggeber: Tiroler Sängerbund
Dauer: 6′
 
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  • Staud Johannes Maria

  • der kleinste abstand zwischen zwei gegenständen





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Hörbeispiel

der kleinste abstand zwischen zwei gegen ...

Uraufführung

Ort: Saalbau Witten / Deutschland
Datum: 04.05.2001
Chor: WDR Rundfunkchor Köln
Dirigent: Roland Peelman

Werkeinführung

Auf der Suche nach einem geeigneten Text für mein Chorstück stieß ich auf das Werk von Heinz Gappmayr (geb. 1925), für dessen visuelle Texte, die so faszinierend zwischen Poesie und Bildender Kunst oszillieren, ich sofort Feuer fing. Alle 32 Bildtafeln stammen aus dem Jahr 1992 und beschäftigen sich, wie so oft in Gappmayrs Oeuvre, mit den beiden Begriffen Raum und Zeit, die uns vom Verstand a priori (d. h. ohne empirische Grundlagen) gegeben werden. Diese sind zwar selbst nicht anschaulich, liegen aber allen äußeren Anschauungen zugrunde. (Vgl. Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft). Ein leerer Raum ohne Gegenstände ist vorstellbar, aber nicht, dass es keinen Raum gibt – ebenso kann man sich eine Zeit, in der nichts passiert, denken, nicht aber ihre Nichtexistenz. Raum und Zeit werden deshalb als die allgemeinen Bedingungen der Möglichkeit der Erscheinungen angesehen, auf welchen wiederum alle empirische Erkenntnis beruht. Alle unsere Anschauung ist also nicht anderes als die Vorstellung von Erscheinung. Doch Vorstellungen, selbst wenn sie über die Anschauung vermittelt werden, sind immer begrifflich.

Genau an diesem Punkt setzt Heinz Gappmayr an. Durch das Zuordnen von bildlichen Phänomenen relativiert er den jeweiligen Begriff, erweitert ihn oder stellt ihn in Frage. So nähert er sich auch den beiden Begriffen Raum und Zeit, die ja nicht anschaulich sind, über die visuelle Ebene. Ein bestimmtes Wort (z. B. endlich) kann allein durch seine Darstellung sehr unterschiedliche Assoziationen und Vorstellungen beim/bei der Betrachter/in hervorrufen, dennoch bleibt es das, was es ist: eine bestimmte Anordnung von Zeichen, die von uns mit Sinn belegt wird.

Während der Komposition versuchte ich nun, diesen Prozess spielerisch nachzuvollziehen und richtete deshalb mein Hauptaugenmerk auf den Übergang zwischen Geräuschklang und wiedererkennbarem Wort, zwischen 'sinnloser' Wortballung und plötzlich entstehendem Assoziationszusammenhang. Auch wenn es sich bei den Worttafeln 'nur' um Orts- und Zeitangaben handelt, entstehen durch bewusste Anordnung und Wiederholung gewisser Worte doch Bedeutungsfelder, die durch die musikalische Umsetzung in eine Tonhöhen- Tondauern-, Artikulations-, Dynamik- und Klangfarbenstruktur eine zusätzliche Sinnebene erhalten. Dazu kommen noch einige wenige, strukturell integrierte 'visuelle' Deutungen meinerseits.

Der wesentliche Unterschied zur Vertonung eines 'herkömmlichen Textes' war nun vor allem der, dass ich auch persönlich gefordert war, in die Anordnung und Umsetzung der visuellen Texte einzugreifen, sie nach meinen kompositorischen Interessen zu gruppieren und sie mit den Eigenbestrebungen des musikalischen Materials in Einklang zu bringen. Heinz Gappmayr selbst schreibt in seiner theoretischen Schrift Zur Ästhetik der visuellen Poesie (1968): "... Die visuelle Poesie wird charakterisiert durch ihre Einfachheit  und Transparenz bei der zuglich größten Differenziertheit der Beziehungen zwischen Zeichen und Begriff."

Es wäre schön, wenn Ähnliches mit Musik gelänge.

Johannes Maria Staud

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