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Universal Edition - Johannes Maria Staud – Zur Musik

Johannes Maria Staud
 

Johannes Maria Staud

Zur Musik

Johannes Maria Staud wurde am 17. August 1974 in Innsbruck/Tirol geboren. Ein Tiroler Komponist? Keineswegs. Schon seine Studien sorgten für einen internationalen Ausblick: nach Wien (wo u.a. Michael Jarrell sein Professor war) wechselte Staud nach Berlin, wo er seine Studien bei Hans-Peter Kyburz an der 'Hanns-Eisler-Hochschule für Musik' fortsetzte. Es folgten Meisterkurse bei Brian Ferneyhough und Alois Pinos.

Seit er mit 26 seine Kompositionen der Universal Edition anvertraute, hat Staud wichtige Aufträge und Preise erhalten, die allesamt zeigen, wie er sich in der Musikwelt einen Namen gemacht hat, sodass heute Werke von Johannes Maria Staud international als geschätzte Vertreter der jungen österreichischen Komponistengeneration gelten.

Im Auftrag Sir Simon Rattles hat er Apeiron | Musik für großes Orchester (2004/2005) komponiert (es spielen 110 Musiker - Staud hat des Dirigenten Aussage: „you have the licence to kill” ernst genommen…); bei der Uraufführung wirkten die Berliner Philharmoniker mit. Die Wiener Philharmoniker unter Daniel Barenboim (mit Heinrich Schiff als Solisten) hoben Segue. Musik für Violoncello und Orchester (2006) aus der Taufe. Der prestigehafte Auftrag kam von den Salzburger Festspielen im Mozart-Jahr 2006. Für das Cleveland Orchestra und seinen Chef Franz Welser-Möst entstand On Comparative Meteorology (2008/2009) und das Gewandhausorchester Leipzig hat schon die Partitur der Komposition für Streichquartett und Orchester, Über trügerische Stadtpläne und die  Versuchungen der Winternächte (Dichotomie II), erhalten. Riccardo Chailly leitete die Uraufführung unter Mitwirkung des Gewandhausquartetts.

Die Liste ist beeindruckend, doch könnte sie sich als kontraproduktiv erweisen, sollten noch viele ähnliche Angaben folgen. Also nur noch eine: für die Saison 2010/2011 hat die Staatskapelle Dresden Staud zu ihrem Capell Compositeur ernannt. Ausgedehnte Aufenthalte beim Orchester und drei neue Kompositionen gehen mit dem ehrenvollen Titel einher.

Was die Preise anbelangt, seien nur drei genannt: Erster Preis in der Kategorie von Komponisten unter 30 Jahren für Polygon. Musik für Klavier und Orchester beim Tribune International des Compositeurs 2003,  Förderpreis der Ernst-von-Siemens Musikstiftung, München, 2004 und Paul Hindemith Preis 2009 des Schleswig-Holstein Musikfestivals.

Schauen wir uns die Titel der oben genannten Werke noch einmal an. Apeiron wurde durch Ideen Leonardo da Vincis sowie des griechischen Philosophen Anaximander inspiriert. In Segue hat Staud ein Mozart-Fragment für Violoncello und Klavier instrumentiert. Es ist ihm gelungen, die überlieferten Takte in einer Art und Weise zu rekonstruieren und zu orchestrieren, dass das Ergebnis authentisch nach Mozart klingt. Er hat es auch geschafft, den Übergang zu seiner eigenen Musik so zu gestalten, dass der Hörer Gänsehaut bekommt. On Comparative Meteorology und Über trügerische Stadtpläne und die Versuchungen der Winternächte. Dichotomie II schwören die einzigartige Welt des polnisch-jüdischen Schriftstellers und Zeichners Bruno Schulz herauf. Der Kompositionsarbeit ging eine eingehende Beschäftigung mit allen erhältlichen Schriften von Schulz voran. Dichotomie II weist auf Stauds frühes Streichquartett mit diesem Titel (1997/1998) hin. Es kommt selten vor, dass sich der Komponist ein altes Stück vornimmt, um es sozusagen neu zu verwerten. Viel eher schafft er Zyklen, wo ein ähnlicher Untertitel - und in diesem Fall auch der Titel selbst - auf die Zusammenhörigkeit der Stücke hinweist, etwa bei Incipit III. Esquisse retouchée II für Posaune solo, 2 Hörner, 3 Schlagzeuger und Streichorchester.

Staud ist ein leidenschaftlicher Leser und lässt sich immer wieder von der Weltliteratur inspirieren. Er hat auch einen sensiblen und verständnisvollen Zugang zur bildenden Kunst, bezeugt durch zahlreiche Werke, wie zum Beispiel Violent Incidents. Hommage à Bruce Naumann (2005/2006) für Saxophon solo, Bläserensemble und Schlagzeug. Die Filmkunst ist auch von Bedeutung: Black Moon (1998) für Bassklarinette etwa wurde durch Louis Malles gleichnamige Arbeit inspiriert.

Johannes Maria Staud hat nicht lange gebraucht, sich von den vermeintlichen Zwängen, als junger Komponist so genannte 'neue Musik' zu schreiben, loszusagen. Es ist ihm auch gelungen, der Gefahr der 'Postmodernität' auszuweichen. Er hat seine eigene Sprache gefunden, die ohne falsche Kompromisse den Hörer direkt anspricht, ihn emotional packt und dank den wunderbar ausgehörten Feinheiten der Instrumentation fasziniert. Er arbeitet äußerst selbstkritisch und langsam an seinen Partituren und es ist nicht von ungefähr, dass sie die große Hürde der zweiten Aufführung alle überlebt haben. Johannes Maria Stauds Name steht heute international für die junge österreichische Komponistengeneration schlechthin. Seine Kompositionen werden überall in der Welt (auch im Fernen Osten) gespielt und es gibt Grund für die Zuversicht, dass seine Musik das Verstreichen der Zeit überleben wird.