Feedback
Universal Edition - Joseph Marx – Biographie

Joseph Marx
 

Joseph Marx

Biographie

Der österreichische Komponist Joseph Marx, geboren am 11. Mai 1882 in Graz, setzte sich als musikalisch hochbegabter Autodidakt schon früh radikal gegen ein Musizierverbot seiner Eltern durch. Als Mittzwanziger wurde er – inzwischen Doktor der Philosophie und Autor preisgekrönter musiktheoretischer Arbeiten über das Wesen der Tonalität – mit seinen Liedern in ganz Österreich schlagartig berühmt, woraufhin diese Werke bald auch internationale Verbreitung fanden. 1914 übersiedelte er nach Wien, wo er Professor an der Wiener Musikakademie und später Rektor der von ihm gegründeten ersten Hochschule für Musik wurde.

Auf Atatürks Wunsch reiste er 1932–33 als erster westlicher Künstler mehrere Male für längere Zeit in die Türkei und sprach daraufhin detaillierte Empfehlungen für eine Umgestaltung des türkischen Konservatoriums und Konzertwesens nach europäischem Vorbild aus. Viele seiner insgesamt rund 1.300 Schüler aus aller Herren Länder, die er in Wien und Graz unterrichtet hat, erlangten später Ruhm als Komponisten oder Dirigenten. Auch als Kritiker und hochrangiger Musikfunktionär nahm er einen beträchtlichen Einfluss auf das österreichische und europäische Kulturgeschehen. Nach der Machtübernahme durch das nationalsozialistische Regime war Marx aller seiner Ämter enthoben, agierte jedoch während des Zweiten Weltkriegs in Wien nachweislich als erste Anlaufstelle für hilfesuchende jüdische Künstlerfamilien.

Von 1945 bis zu seinem Tode am 3. September 1964 blieb Joseph Marx als international hochgeschätzte, vor allem in den Fünfziger Jahren vielfach geehrte Autorität und Galionsfigur der tonalen E–Musik Österreichs dem europäischen Kultur– und Musikleben weiterhin treu. In den Jahren nach seinem Tod fielen jedoch die meisten seiner beliebten Werke tragischerweise der kulturpolitisch–musikalischen Neuorientierung in Österreich zum Opfer und wurden im Zuge dessen als 'reaktionäre Musik' gebrandmarkt, so dass sein Name bald darauf in Vergessenheit geriet und nur noch seine Lieder in Erinnerung blieben.

Mit Ausnahme der Oper hat Marx in nahezu allen Genres der klassischen Musik komponiert, u.a. Symphonien und symphonische Dichtungen, Chorwerke, Klavierkonzerte, Lieder und Orchesterlieder, Kammermusik sowie Orgel– und Klaviermusik. Marx, der in allen Bereichen seines Lebens ein ausgesprochener Individualist war, hatte bereits vor seinem zwanzigsten Lebensjahr – in seinen ersten Werken, die um das Jahr 1900 entstanden sind – eine ganz eigene Tonsprache gefunden, die von modernen Harmonien und einer stark ausgeprägten Polyphonie gekennzeichnet ist. Dass die Musik von Joseph Marx aus spieltechnischer Sicht weit schwieriger wiederzugeben ist, als die wunderbaren Melodien vortäuschen, ist zweifellos eines der wichtigsten Markenzeichen dieses Komponisten.

Dank des unermüdlichen Einsatzes der von Berkant Haydin im April 2006 gegründeten Joseph–Marx–Gesellschaft hat die Wiederentdeckung der klangvollen Werke des einst weltbekannten Komponisten Joseph Marx bereits begonnen. Die bei der Universal Edition verlegten Werke von Joseph Marx sind:

Orchesterwerke:
– Eine Herbstsymphonie (1921)
– Eine symphonische Nachtmusik (1922)
– Idylle – Concertino über die pastorale Quart (1925)
– Eine Frühlingsmusik (1925)
– Eine festliche Fanfarenmusik für Blechblasorchester, Pauken und kleine Trommel (1928)
– Nordland–Rhapsodie (1929)
– Alt–Wiener Serenaden (1941)
– Feste im Herbst (1946)

Solokonzerte:
– Romantisches Klavierkonzert in E–Dur (1919–20)
– Castelli Romani für Klavier und Orchester in Es–Dur (1929–30)

Chorwerke:
– Ein Neujahrshymnus für gemischten Chor (oder Männerchor) und Orchester (1914)
– Berghymne für gemischten Chor (oder Männerchor) und Orchester (ca. 1910)
– Herbstchor an Pan für gemischten Chor, Knabenstimmen, Orgel und Orchester (1911)
– Morgengesang für Männerchor und Orchester (1910)
– Abendweise für Männerchor, Blasorchester, Pauken und Orgel (1912)
– Gesang des Lebens für Männerchor und Orgel (1914)
(Hinweis: Einige der Chorwerke sind auch in kleineren Besetzungen verfügbar.)

Lieder und Orchesterlieder:
– insgesamt ca. 150 Lieder
– ca. 20 Orchesterlieder
– Verklärtes Jahr für mittlere Stimme und Orchester (1930–32)

Sonstige Werke:
– Drei Klavierquartette
– »Trio–Phantasie« für Klaviertrio
– Zwei Violinsonaten
– Werke für Cello und Klavier
– Sechs Stücke für Klavier
– Zehn weitere (demnächst erscheinende) Klavierstücke
– Rund zehn Orgelstücke (die ebenfalls demnächst herausgegeben werden)
– Eine Reihe von Stücken für Gesang und Kammerensemble