Feedback
Universal Edition - Julian Yu – Zur Musik

 

Julian Yu

Zur Musik

Julian Yu läßt sich lieber als „Komponist” denn als „chinesischer Komponist” bezeichnen, er stellt die ethnischen Wurzeln seiner Musik nicht gerne zur Schau.

Seit er nach Australien ausgewandert ist, hat er die westliche Musik von Grund auf studiert, während er parallel dazu untersucht hat, wie er „das Erbe der chinesischen Musiktradition in verschiedener Weise weiterführen kann”. Statt die Klänge und Modelle der chinesischen Musik rein äußerlich zu verwenden, hat er ihre inneren Strukturen erforscht. Zwei auffallende Merkmale von Yus Kompositionsweise sind Improvisation, meist basierend auf einer früheren Komposition, und Ornamentik, die Ausarbeitung von bestehendem Material, wie die Musik von Johann Sebastian Bach. Ornamentik ist ein wichtiges Element der chinesischen Volkstradition.

Nachdem er China verlassen hatte, zeigte Yus Musik einige Jahre lang kaum einen erkennbaren asiatischen Einfluß. Erst in den letzten Jahren hat er von der chinesischen Tradition genügend Abstand gewonnen, um die pentatonische Tonleiter wieder mit Freuden anzuwenden (in Philopentatonia und Pentatonicophilia). Yus Musik ist oft zart und kompliziert, kann aber auch kraftvoll und rhythmisch sein (z.B. Hsiang-Chi). Seine Musik stellt eine einmalige Verschmelzung zwischen asiatischer und westlicher Kultur dar und läßt sich, ähnlich wie die Kompositionen von Messiaen und Takemitsu, nicht in nationale oder ethnische Grenzen zwängen. „Wenn ein Komponist tapfer ist und sich nicht in bekannte Klänge und Stile einschränken läßt, ist seine Komposition in der Lage, neue und schöne Klangwelten zu enthüllen.”