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Universal Edition - Nikolai Badinski – 3. Konzert

Nikolai Badinski

Nikolai Badinski
3. Konzert

Entstehungsjahr: 1970-1972
Instrumentierung: für Violine und Orchester
Komponist: Nikolai Badinski
Solo: Violine
Besetzung: 2 2 2 2 - 4 2 2 0 - Pk, Schl, Str
Besetzung Details:
1. Flöte
2. Flöte (+Picc)
1. Oboe
2. Oboe
1. Klarinette in B
2. Klarinette in B
1. Fagott
2. Fagott
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in B
2. Trompete in B
1. Posaune
2. Posaune
Pauken
Schlagzeug
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
Dauer: 23′
 
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  • Badinski Nikolai

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3. Konzert

Uraufführung

Ort: Berlin / Deutschland
Datum: 15.11.1980
Orchester: Berliner Philharmoniker
Dirigent: Cristóbal Halffter
Hauptsolisten: Christiane Edinger, vln

Werkeinführung

Aus Begeisterung für die Französische Revolution (1789 bis 1799) mit ihren Ideen und Folgen schlug mein Herz schon in meiner Schulzeit höher. Die mit ihr verbundene Parole Liberté, Égalité, Fraternité – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – elektrisierte mein Wesen bis in die Tiefe meiner Seele, sicher wie bei vielen Menschen. Eine logische Fortsetzung dieser Ideen war die Pariser Kommune (1871) – Commune de Paris – mit ihren Barrikaden und Kämpfen. Ihre Dramatik und die folgenden Massenexekutionen erschütterten mich. Schon lange spürte ich den drängen­den Wunsch, mich musikalisch damit auseinanderzusetzen. Das sich nähernde 100. Jubiläumsjahr der Pariser Kom­mu­­­ne schien mir 1970 eine gute Gelegenheit dafür zu sein. So beschloss ich, dies in Form eines Violinkonzerts zu tun.

Als ich dann gleich an die Vorarbeiten für dieses Violinkonzert ging, hatte ich bereits reiches Material gesam­melt, dessen Spannweite aber zu umfassend war, um es in einer einzigen Komposition musikalisch, dramaturgisch wie auch ästhetisch zu verbinden. Dieses mannigfaltige Material und die daran geknüpften Gedanken erschienen mir jedoch wertvoll. Im Verlauf der Arbeit formierte sich die Lösung für eine Violinkonzert-Trilogie. *)

Auf diese Weise hat sich das Gewicht meiner Ausgangsidee in Verbindung mit der Pariser Kommune auf den Schluss­­­teil dieser Trilogie konzentriert. Im Jahre 1972 wurde dieser Teil - das dritte Violinkonzert - abgeschlossen. Seine Span­­­nung und seine dramatischen Züge sind zusätzlich auch durch Brechts Äußerung provoziert, „in unserer Zeit pass­ten Trompeten besser als Geigen“. Hier sollen die kraftvolleren Eigenheiten der Violine in den Vordergrund treten.

Mit einem urknallartigen Werkbeginn wollte ich den Dreiklang Liberté, Égalité, Fraternité verkünden; mein erster Gedanke war: durch einen Kanonenschuss (oder drei Schüsse). Es folgte aber die Überlegung, dass dies in einem Konzertsaal kaum zu realisieren ist. Als Alternative wollte ich die Kanonenschüsse durch Pistolen-Schüsse ersetzen. Für die brave gesellschaftliche Atmosphäre der damaligen DDR wäre das wohl auch nicht ausführbar gewesen. Am Ende haben sich diese donnernden Schüsse in eine, von der Solovioline vorgetragene Triole - Liberté, Égalité, Fraternité - sublimiert. Diese Anfangs-Triole hat eine entscheidende Rolle beim Bilden des Materials und bei der kompositorischen Arbeit. Sie wirkt als Impuls für den rhythmischen Fluss im Formungsprozess. Das musikalische Material wird von den beiden gleich­berechtigten Partnern – Solovioline und Orchester – mit unterschiedlichem Duktus in einer Variabilität von weitgeh­ender Eigenständigkeit bis zu einer gegenseitigen „Abhängigkeit“  verarbeitet und umgestaltet. Der daraus resultie­rende Dualismus zwischen dem Soloinstrument mit seiner flexibleren, avancierteren Musiksprache und dem mehr der Tradition verpflichteten Orchester – eine der Polarität nahe kommende Zweiheit – ist ein entscheidendes Merkmal dieses Konzerts. Diese dualistische Denkweise konfrontiert in den Strukturgebilden in den Partien der bei­den Prota­gonisten Solist und Orchester. Sie bestimmt architektonisch den gesamten Komplex sowie das musikali­sche und dra­maturgische Geschehen in der Komposition. Aufgrund des gleichen Ausgangsmaterials kommen  die beiden Aus­drucksarten im Laufe dieser „zweisprachigen“ Konversation jedoch miteinander in Berührung, ja sie tau­schen sogar sprachliche Elemente – Verwandtes bis hin zu Gegensätzlichem – untereinander aus.

In diesem Werk ist nicht eine Balance formaler klassischer Proportionen entscheidend, sondern eher ein „dynamisches Gleichgewicht als ein Rhythmus von reinen Wechselbeziehungen“, wie Piet Mondrian sagt. Das in diesem Konzert verwendete dualistische Prinzip blieb in meiner weiteren Arbeit, für mein Denken überhaupt in vielfacher Weise bedeutungsvoll. Zum Beispiel weg vom Axiom des Entweder-Oder, hin zum Sowohl-als-auch des beginnen­den modernen Denkens unseres Zeitalters mit Anklängen an alte östliche Weisheitslehren. Dies führt zwanglos auch zu einer pluralistischen Denkweise.

Eine motorische Dynamik – die in vielen meiner Kompositionen in verschiedenen Erscheinungsformen oder auch durch Verfremdung nicht nur Reflexion unseres dynamischen Zeitalters ist, sondern ihre Wurzeln auch in der Balkan-Folklore hat – und eine spannungsvolle Aufschichtung, die sich aus der Anfangs-Sechzehnteltriole, einem „Energie­bündel“, wie aus einem Kern (Nukleus) entwickelt, erforderten eine kompakte Darstellung, also einen Satz. So formte sich ein frei gestaltetes Sonatenallegro. Gleichzeitig nehme ich hier Abschied von dieser Formstruktur (Sonaten­allegro), ein symbolhafter und für meine weitere kompositorische Arbeit folgenreicher Abschied von Relikten ver­gangener Form­typen und Denkweisen überhaupt. Bald nach dem Beginn einer Quasi-Reprise ergreift die Solo-Violine das Wort zu einer „Hauptrede“. Obwohl dem Solisten hier, wie auch im ganzen Konzert, höchstes instrumentaltechnisches wie auch musikalisches Können abverlangt werden, ist dies keine der bloßen Virtuosität verpflichtete übliche Kadenz, sondern ein organischer Teil in der gesamten Werkarchitektonik mit einer weitertragenden dramaturgischen Funktion. Der Schluss des Konzertes ist ein Klangabbau, Abschied und Auflösung, in die Tiefe versinken und alles vergessen, um neu überdenken und andere Wege entdecken zu können…

Nikolai Badinski

 

*) Ihre drei Teile mit ihren­­ unterschiedlichen Gesichtern und Charakteren sind als separate Werke zu betrach­ten. Sie können aber, nacheinander folgend, auch als ein Zyklus gestaltet werden – eine Heraus­forderung für einen aussagekräftigen Solisten. (Aus dem Programm der Berliner Philharmoniker zur Uraufführung)                    

Pressestimmen

Mit großem Erfolg wurde das Dritte Konzert für Violine und Orchester von Nikolai Badinski mit den Berliner Philharmoniker unter der Leitung Cristóbal Halffters und mit Christiane Edinger als Solistin uraufgeführt. (Deutsche Tagespost, 25.11.1980)

Das geflissentlich „dualistische” Werk läßt Geige und Orchester zwei Sprachen reden, jene modernistisch, jenes traditioneller. Der Solopart ist extrem schwierig, aber aus dem Geist der Violine erfunden. (H. H. Stuckenschmidt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.1980)

Man merkt es dem Stück an, daß Badinski Geiger ist. Er breitet das ganze virtuose Arsenal aus, das dem Instrument seit Paganini zugewachsen ist. […] Ungewöhnlich und eindringlich ist der Schluß: die Solovioline vertröpfelt allein in tiefen Trillern. (Gottfried Eberle, Tagesspiegel, 18.11.1980)

Ausgewählte Ausgaben zu diesem Werk sind auch als Sonderanfertigung käuflich erhältlich

3. Konzert

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