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Universal Edition - Paul Patterson – Biographie

Paul Patterson
 

Paul Patterson

Biographie

Paul Patterson wurde 1947 in Chesterfield geboren, wuchs aber in Exeter auf. In seiner Schulzeit erhielt er Posaunenunterricht und wurde Mitglied einiger örtlicher Bands und Orchester. Mit siebzehn Jahren, als er gerade begonnen hatte, selbst zu komponieren, wurde er an der Royal Academy of Music aufgenommen. Frühe und dauerhafte musikalische Einflüsse auf Pattersons Arbeit waren die raffinierten, neoklassischen Linien von Stravinsky und Hindemith und Bartóks motivische Strukturen. Seine ersten beiden veröffentlichen Kompositionen waren prophetisch. Sein Humor drang erstmals durch, als er in seinem Opus 1 Hilaire Bellocs berühmtes Gedicht Rebecca (1966) in der Umgebung der Dartington Summer School interpretierte, was als Satire über die avantgardistischen aleatorischen Techniken der heutigen Zeit angesehen werden kann. In seinem Opus 2, einem Bläserquintett, das ein Jahr später für das Nash Ensemble entstand, verdichten sich die prägenden Einflüsse zu einem persönlichen Kompositionsstil: unregelmäßige rhythmische Muster von tanzender Vitalität, ein nachdenklicher langsamer Satz und organisches Wachstums innerhalb einer atonalen, kontrapunktischen Struktur.

Auch in späteren Werken zeigt sich oft sein Humor, so wie in Comedy for Five Winds op. 14 (1972) für das Vega Wind Quintet und in der experimentelleren Klangwelt von Time Piece op. 16, geschrieben 1973 für die King’s Singers. Obwohl für viele der Humor der Schlüssel zu Pattersons Musik ist, sollten auch andere Aspekte gewürdigt werden. So segelt er seit seinen frühen Teenagerjahren, und das Segeln ist heute ein wichtiger Teil seines Lebens. Pattersons Fähigkeit, ausgedehnte melodische Linien zu komponieren, wird etwa durch den langsamen Mittelsatz von Duologue op. 49 (1984) für Oboe und Klavier unterstrichen. Der Autor weist jedoch darauf hin, dass die markante Charakteristik seiner Musik, ein vielschichtiger Kontrapunkt, die Strömungen, Gezeiten, großen und kleinen Wellen und die schimmernde Meeresgischt reflektiert. Tatsächlich verdeutlichen die Form und die schillernde Orchestration von White Shadows on the Dark Horizon op. 67 (1988), geschrieben für das Kent County Youth Orchestra, diesen Zusammenhang offenkundig.

Patterson beendete seine Ausbildung mit einem vertiefenden Studium bei Richard Rodney Bennett und blieb als Manson Fellow und Kompositionslehrer an der Royal Academy. Zu dieser Zeit entdeckte er die polnischen Komponisten Lutoslawski und Penderecki. Indem er ihre neuen Notationssymbole übernahm und die erste seiner vielen Reisen nach Polen antrat, kam in seiner Musik eine erweiterte Expressivität zum Vorschein, die in Voices of Sleep op. 40, aufgeführt bei den Proms 1981, einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Viele Musiker hatten damals jedoch Schwierigkeiten mit der neuen Notation, und so griff Patterson fast zur Gänze auf das konventionelle System zurück, besonders für seine wichtigen Chorwerke Mass of the Sea op. 47 (1983), Stabat Mater op. 57 (1986), Te Deum op. 65 (1988), Magnificat op. 75 (1994) und die Millennium Mass op. 85 (1999) – nicht zu vergessen sei sein ausgezeichnetes a-capella-Werk Missa Brevis op. 54 von 1985.

1985 wurde Patterson zum Leiter der Kompositionsabteilung der Royal Academy of Music ernannt. Im Jahr davor hatte er die wegweisenden, jährlichen Kompositionsfestivals ins Leben gerufen und internationale Komponisten wie Lutoslawski, Tippett, Penderecki, Berio und viele andere für eine Woche eingeladen, Konzerte zu geben und mit den Studierenden zu arbeiten. Seine praktische und emotionale Verbindung zu Polen und polnischer Musik war aber nicht zu verleugnen und wurde in den konventionell notierten Luslawice Variations op. 50 für Solovioline mit einer neuen Intensität zum Ausdruck gebracht. Es gibt – vor allem in den langsamen Sätzen seiner Werke – immer unterschwellige Spannungen und Schärfen, zum Beispiel im Concerto for Orchestra Op45, 1981 für das CBSO geschrieben, und in der breiten melodischen Linie des langsamen Satzes des Violinkonzerts op. 72 (1992), während sie sich durch das gesamte Klarinettenkonzert op. 34 (1976) hindurchziehen.

Mittlerweile war offenkundig, dass Paul Patterson die beneidenswerte Fähigkeit besitzt, in jedem Stil oder Genre zu komponieren. Unter jenen Werken, die bis jetzt noch nicht erwähnt wurden, finden sich einige für elektronisches Tonband und verschiedene Kombinationen von Instrumental-, Film- und Fernsehmusik, Werke für Soloharfe sowie The Sorriest Cow of Capricorn op. 63 (1987), ein Liederzyklus für Sopran und Klavier – scharf-geistreich und in dunklen Farben gehalten, um dem düsteren Unterton der Fantasiewelt von Mervyn Peake gerecht zu werden. Er erhielt mehrere prestigeträchtige Aufträge, darunter für das enorm erfolgreiche Little Red Riding Hood op. 73, welches 1992 von der Roald Dahl Foundation in Auftrag gegeben wurde. Dieses Werk ging um die Welt und wurde von Patterson seither für viele verschiedene Instrumentalkombinationen arrangiert. The Royal Eurostar op. 76 für großes Blechensemble und Schlagwerk wurde 1994 für die staatliche Eröffnung des Ärmelkanaltunnels in Auftrag gegeben. Hell’s Angels op. 81 (1998), ein Auftragswerk für den Crouch End Festival Chorus, wurde von Patterson für Solosopran, Chor, erweitertes Streichquartett und Schlagwerk gesetzt und inspirierte ihn, wieder in die musikalische Unterwelt von Voices of Sleep einzutauchen und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Patterson schrieb acht abwechslungsreiche und bedeutende Werke für Orgel, die Wegweiser seiner kompositorischen Entwicklung sind und zwischen 1969 (Jubilate op. 5) und 2007 (Brumba op. 100) in regelmäßigen Abständen in Auftrag gegeben wurden. Eines dieser acht Werke, Games op. 37, für die Schlussrunden des Improvisationswettbewerbes des St. Albans International Festivals 1977 in Auftrag gegeben, steht für sich selbst. Das beeindruckende, 18-seitige graphische Notenbild ermutigt zu einer modernen Form gelenkter Improvisation, basierend auf Messianischen Harmonien und kontrollierter Aleatorik im polnischen Stil.

2005 schrieb Patterson The Fifth Continent: a Gift from the Sea op. 96 nach einem Gedicht von Ben Kaye über die Romney Marsh für Solo-Countertenor (oder Mezzosopran), Chor, Blechensemble und Orgel. 2010 wurde er nach China eingeladen, um Vorträge zu halten und bei Aufführungen seines Phoenix Concerto op. 102 für Oboe und Streichorchester (2009) anwesend zu sein. 2012 reiste er zur Weltpremiere seines jüngsten Werkes für Harfe, Lizards op. 111, nach Thailand, das für das zweite internationale Harfenfestival mit Jugendwettbewerb in Auftrag gegeben worden war. Viele von Pattersons Werken, so etwa Spiders op. 48 (1983) für Soloharfe und Tides of Mananan op. 64 (1987) für Viola Solo, wurden als Pflichtstücke für Wettbewerbe komponiert oder als solche ausgewählt. Alle Concerti von Patterson sind ausschließlich für Streicher orchestriert, und heute gibt es das Cello Concerto op. 90 (2002), Allusions op. 99 (2006) für zwei Violinen und ein Viola Concerto op. 101 (2009). Außerdem feierte in diesem Jahr Avian Arabesques op. 106 für Harfenensemble Premiere.

Patterson ist Manson-Professor und Fellow der Royal Academy of Music, Fellow des Royal College of Music, Hon. Fellow des London College of Music, Fellow der Royal Society of Arts, Gastprofessor am Royal Northern College of Music, an der Canterbury Christ Church University und der Royal Marines school of Music in Portsmouth. 1987 erhielt er eine Ehrenmedaille vom polnischen Kulturministerium, 1996 verliehen ihm die Performing Rights Society und die Royal Philharmonic Society den Leslie Boosey Award für außergewöhnliche Dienste an moderner Musik, 2009 erhielt er die Polnische Goldmedaille für die Förderung polnischer Musik.

Petersons Ansehen als einer der vielseitigsten, erfolgreichsten und international respektiertesten Britischen Komponisten seiner Generation ist gesichert. Zu seinen Auftraggebern zählen die BBC, RPO, LPO, CBSO, das Residenzorchester Den Haag, das Züricher Kammerorchester, das Baseler Symphonieorchester, die London Sinfonietta, die Academy of St.Martins in the Fields, das Nash-Ensemble, die London Mozart Players, das Orchestra of St.John’s Smith Square, das English Chamber Orchestra, der Bach Choir und die King’s Singers; Aufführungen seiner Werke fanden an vielen prestigeträchtigen Orten wie dem Lincoln Centre, der Carnegie Hall, dem Amsterdam Concertgebouw und der Christ Church Cathedral, Neuseeland, statt. Seine Werke erschienen unter anderem bei EMI, Hyperion, Champs Hill, Dutton, ASV, Polyphonic, Priory, Pearl, Phillips und SFZ Music.

Als einer der meistaufgeführten modernen Komponisten schließt Patterson in seinen Werken sicherlich innovative Avantgarde-Elemente ein, doch seine Musik befremdet nie. Stattdessen leitet sie sowohl das Publikum als auch die Künstler dazu an, über unseren komplexen Zeitgeist nachzudenken und sich an ihm zu erfreuen.

Dr. Rosemary Dunn, November 2012