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Universal Edition - Pierre Boulez – Biographie

Pierre Boulez
 

Pierre Boulez

Biographie

Geboren in Montbrison (Loire) am 26. März 1925; Pierre Boulez war Komponist, Dirigent, Musikschriftsteller, eine Schlüsselfigur des internationalen Musiklebens.

Er war ein lebender Klassiker, dessen Werke seit über fünfzig Jahren Orientierungspunkt für Komponisten in aller Welt sind. Die einen studieren seine Partituren, um zu schauen, was sie aus ihnen lernen und in ihrem eigenen Werk verwenden können, die anderen lehnen die Boulez’sche Welt ab und arbeiten weiterhin an ihrer Sprache, die eine andere Richtung, eine andere Denkweise über neue Musik vertritt. Aber in beiden Fällen ist Boulez’ Oeuvre eine wichtige Säule, sichtbar für jeden, der sich in irgendeiner Form mit der zeitgenössischen Musik auseinandersetzt.

Am Anfang seiner Karriere, beginnend mit den späten Vierzigern, war Boulez ein Rebell, der keinen Hehl daraus machte, mit der Musiktradition der ersten Jahrhunderthälfte nichts mehr zu tun haben zu wollen. Er lehnte Erneuerer wie Arnold Schönberg ab (siehe seinen Nachruf Schönberg est mort), weil er auch bei dem Erfinder der Zwölftonmusik eine Nähe zu den Vorfahren wie Brahms ortete. Einzig an Webern konnte er anknüpfen (wie viele seiner Kollegen unter den Dozenten bei den Ferienkursen in Darmstadt).

Bald fing Boulez an, sich auch als Dirigent zu betätigen. Er programmierte neue Ensemblewerke mit dem von ihm ins Leben gerufenen Ensemble Domaine musical, und später in Baden-Baden. Zunächst beschränkte er sein Repertoire auf die neue Musik, um sicher zu stellen, dass seine eigenen Kompositionen sowie die der anderen zeitgenössischen Komponisten authentisch erklangen, später, mit der zunehmenden internationalen Akzeptanz seines Kampfes für die neue Musik (dessen wichtige Stationen waren seine Rückkehr nach Frankreich, wo er mit der Unterstützung des Präsidenten Pompidou IRCAM und das Ensemble Intercontemporain gründete) war die rebellische Haltung nicht mehr notwendig. Er hat sein Repertoire in einem früher unvorstellbaren Maße erweitert und dirigiert etwa Mahler und Bruckner mit den ihn begeistert willkommen heißenden Spitzenorchestern der Welt, darunter die Wiener und die Berliner Philharmoniker. Auch hat Boulez mit der durch Patrice Chéreau inszenierten Oper Leoš Janáceks Aus einem Totenhaus Interpretationsgeschichte geschrieben.

Boulez war ein bedeutender Lehrer. Als Leiter der Orchesterakademie bei dem Lucerne Festival teilte er sein einmaliges Wissen mit jungen, aufstrebenden Dirigenten.

Pierre Boulez starb am 5. Jänner 2016 in Baden-Baden.


1925 – Geboren am 26. März in Montbrison (Loire)
Erster Klavierunterricht, Gymnasium in Montbrison, später Saint Étienne

1941 – Besuch der Klasse für Mathématiques spéciales in Lyon zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung für die École Poly- technique

1942 – endgültige Entscheidung für den Musikerberuf, Übersiedlung nach Paris

1944 – Harmonielehre bei Olivier Messiaen am Pariser Conservatoire

1945 – Kontrapunkt bei Andrée Vaurabourg-Honegger, Komposition bei Messiaen, Zwölftontechnik bei René Leibowitz

1946–1955 – Leiter der Bühnenmusik bei der Compagnie Renaud/Barrault

Ab 1950 – Aufführungen seiner Werke in Paris und Donaueschingen

1954 – Gründung der Concerts du Petit-Marigny unter der Patronanz der Compagnie Renaud/Barrault, 1955 umbenannt in Domaine Musical

1955–1960 – Analysekurse bei den Internationalen Ferienkursen in Darmstadt

1955 – Uraufführung von Le Marteau sans Maître unter Hans Rosbaud in Baden-Baden

1957 – spielt Boulez seine Troisième Sonate für Klavier in Darmstadt

1958 – Uraufführung der zwei Improvisations sur Mallarmé in Hamburg, die zusammen mit Improvisation III, Tombeau und Don das 1962 fertiggestellte Orchesterwerk Pli selon pli – Portrait de Mallarmé bilden

Ab 1960 – Analyse- und Kompositionskurse in Basel

1963 – Gastprofessur an der Harvard University, rege Dirigiertätigkeit

1966 – erstmals als Dirigent in Bayreuth mit Parsifal, danach Tristan und Isolde in Japan

1967–1972 – regelmäßige Konzerte mit dem Cleveland Orchestra; Boulez übergibt die Domaine Musical an Gilbert Amy

1969–1975 – Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra

1970–1977 – Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker
Planung und Aufbau des IRCAM in Paris

1976 – Gründung des Ensemble InterContemporain
"Jahrhundert-Ring" in Bayreuth mit Patrice Chéreau (bis 1980)

1977 – Eröffnung des IRCAM, dessen Leitung er bis 1991 innehatte

1979 – Uraufführung der von Friedrich Cerha ergänzten Lulu von Alban Berg an der Pariser Oper; Ernst von Siemens-Musikpreis

1980 – Großer französischer Staatspreis

1989 – Goldene Ehrennadel der Stadt Wien

1991 – Ehrendoktorat der Universität Frankfurt

1992 – Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt

1996 – Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien

1997 – Uraufführung von Anthèmes 2 in Donaueschingen

1998 – Ehrendoktorat des Connecticut College
Uraufführung von sur Incises in Edinburgh

1999 – Uraufführung von Notations VII in Chicago

2000 – zahlreiche Konzerte weltweit zu Ehren seines 75. Geburtstages (London New York, Paris, Wien);
Grammy Award für Répons (Kategorie "Classical Contemporary Composition");
Israelischer Wolf-Preis für Kunst

2001 – Wilhelm-Pitz-Preis der Stadt Bayreuth

2002 – Composer-in-residence beim Lucerne Festival
Uraufführung von Dérive 2 mit dem Ensemble Intercontemporain am 14. September in Luzern

2004 – Künstlerischer Leiter der Lucerne Festival Academy (bis 2007)

2009 – Kyoto Prize für sein künstlerisches Lebenswerk

2011 – Giga-Hertz-Preis für elektronische Musik

2012 - Goldener Löwe für das Lebenswerk der Biennale di Venezia

2013 – Frontiers of Knowledge Award von der BBVA in der Kategorie "Zeitgenössische Musik"
erhält den Cleveland Orchestra Distinguished Service Award

2015 – erhählt die Ehrenbürgerwürde von Baden-Baden
erhält einen Grammy Lifetime Achievement Award
erhält den Hamburger Bach-Preis 2015

2016 – Pierre Boulez stirbt am 5. Jänner in Baden-Baden