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Universal Edition - Roman Haubenstock-Ramati – 2. Streichquartett

Roman Haubenstock-Ramati

Roman Haubenstock-Ramati
2. Streichquartett

Entstehungsjahr: 1977
Instrumentierung: für Streichquartett
Komponist: Roman Haubenstock-Ramati
Widmung: in memoriam Christl Zimmerl
 
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Hörbeispiel

2. Streichquartett

Uraufführung

Ort: Konzerthaus Wien / Österreich
Datum: 09.05.1978
Orchester: Alban Berg Quartett

Werkeinführung

Roman Haubenstock-Ramatis 2. Streichquartett, 1977 für das Alban Berg Quartett geschrieben, besteht aus sechs kurzen Sätzen. Es beginnt „Bittersüß, ‚wienerisch‘ und endet mit einem „Valse triste”. Dazwischen stehen zwei Kanons und in der Mitte ein „Violente” Satz. Das Adjektiv „bittersüß” könnte auch auf den Valse zutreffen: der in Krakau geborene Komponist (ein langjähriger Mitarbeiter der Universal Edition), verbrachte den Großteil seines Lebens in Wien und hat die Atmosphäre der Stadt in sich aufgesagt. So ist, insbesondere der letzte Satz, ein trauriger Abschied, mit einer sehnsuchtsvollen, fragilen Melodie auf der Violine. Haubenstock-Ramati bediente sich jedoch durchaus der Mitteln der neuen Musik: der Aleatorik wird eine wichtige Rolle eingeräumt. Philip Clark dazu: „Das Quartett entwickelt sich in Form beweglicher Module; äußerst exakte, post-webernsche Kanons stehen im energischen Kontrast zu den aleatorischen Ausbrüchen.”

Bálint Varga


 

Das Quartett hat sechs Sätze:

I Bittersüß, „wienerisch“
II Ziemlich rasch
III Kanon 1
IV Violente
V Kanon 2
VI Valse triste

Die rondoartige, bogenförmige Kontinuität des Werkes verlangt ein pausenloses Spiel.

Satz I zerfällt in vier kurze, stark kontrastierende Teile:

A: Eine Art Reminiszenz a l'envers: Der Refrain des letztes Satzes (Valse triste) wird hier, am Anfang, durch die zweite Geige und Viola angedeutet.

B: Eine Reihe einzeln gespielter Akkorde („flüsternd“), die auf die harmonischen zusammenhänge des Teils D verweisen.

C: Diese Floskel – die eine (fast übliche) Tremolo-Introduktion eines Wiener Walzers nachempfindet und eine Variante des 2. Teils des Wienerlieds darstellt – wird, wie früher schon die Floskel des Refrains, vorgeschoben und in eine Relation gebracht.

D: der Hauptteil des 1. Satzes; ein vierstimmiges, lineares Mobile.

Satz II: Der Dualismus der traditionellen Sonatenform ist hier in dem kontrastierenden thematisch-melodischen Material zu erkennen und wird auf eine Ebene zweier stark miteinander verwobener Kontraste der Klangfarbe und der Dynamik verlagert. Der Satz endet mit der wiederholten Andeutung an den letzten Satz (Teil F).

Satz III: Kanon I ist gleichzeitig ein Beispiel eines isorhythmischen Kanons, eines fixierten, „stabilisierten“ Mobiles, und ein Modell der gekürzten Notationsform. Eine für alle gleich geltende rhythmische Kontinuität (isorhythmisch heißt: im gleichen Rhythmus) ist in 20 Abschnitte (Systeme) unterteilt und wird von den vier Stimmen des Quartetts kanonartig, mit verschieden wechselnden, jedoch genau angegebenen Tonhöhen, ausgeführt.

Satz IV:

A: Violente: sehr eng geführte und aufwärts steigende „clusterartige“ Glissandi in fortissimo.

B: Zwei streng rhythmisierte Klangschichten reiben einander in einer stretta-ähnlichen Zeitverschiebung von einem Bruchteil einer Sekunde.

C: Fortsetzung von A.

D: Fortsetzung und Entwicklung des B-Teiles. In den Vordergrund treten vier kurze rhythmische Zyklen, sich stets wiederholende Strukturen.

In E, F, G und H werden die Teile A bzw. B abwechselnd fortgesetzt.

I: Stellt eine Art „Coda“ dar, die eine plötzliche Veränderung sowohl des klanglichen als auch des rhythmischen Materials herbeiführt. Vier – mezzopiano vorgetragene – sich stets wiederholende Arpeggio-Akkorde werden zu einer Choreographie der Bewegungen der rechten bogenführenden Hände der Spieler.

Satz V: Kanon 2: Ein anderes isorhythmisches Kontinuum, das ähnlich notiert ist wie Kanon I. Hier werden jedoch nur die (vier) Stimmen genannt, und nicht – wie in Kanon I – die ihnen zugeordneten Instrumente: Dies bedeutet, dass jedem Instrumentalisten jede der vier Stimmen zugeordneten werden kann. Daraus ergibt sich die l6-fache Realisation dieses Kanons.

Satz VI: Valse triste: Stellt einen Versuch dar, ein Wienerlied zu reflektieren.

A: Bildet den Refrain des zweiteiligen Liedes. Er ist formal ein vierstimmiges lineares Mobile.

B: Leise flüsternd – bildet eine als „Stabile“ komponierte Brücke zu dem wiederkehrenden Refrain.

Roman Haubenstock-Ramati

Spielpartitur - 2. Streichquartett

2. Streichquartett
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