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Universal Edition - Wolfgang Rihm – Abschiedsstücke

Wolfgang Rihm

Wolfgang Rihm
Abschiedsstücke

Entstehungsjahr: 1993
Instrumentierung: für Frauenstimme und kleines Orchester
Komponist: Wolfgang Rihm
Textdichter: Wolf Wondratschek
Solo: Frauenstimme
Besetzung: 1 1 1 1 - 1 1 1 0 - Schl(2), Hf, Akk, Klav, Va(1), Vc(1), Kb(1)
Besetzung Details:
Flöte (+Picc)
Oboe
Klarinette in B (+Bkl(B))
Kontrafagott
Horn in F
Trompete in C
Posaune
1. Schlagzeug: 3 Woodblocks, Hyoshigi, 2 Bongos, tiefes Tom-Tom, 2 hängende Becken, großes Tamtam, 2 Röhrenglocken
2. Schlagzeug: 2 Woodblocks, Hyoshigi, 3 Bongos, große Trommel, 2 hängende Becken, 2 Röhrenglocken
Harfe
Akkordeon
Klavier
Viola(1)
Violoncello(1)
Kontrabass(1)
Dauer: 20′
Widmung: für Wolf zum Fünfzigsten
 
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  • Rihm Wolfgang

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Hörbeispiel

Abschiedsstücke

Uraufführung

Ort: Badenweiler / Deutschland
Datum: 14.11.1993
Orchester: Ensemble Modern
Dirigent: George Benjamin
Hauptsolisten: Rosemary Hardy, S

Werkeinführung

"Die Abschiedsstücke besingen sich doch schon von selber, also muß ich mich in dieses Besingen erst einmal einschalten, ich muß mich melden: 'Hallo, hier bin ich, laßt mich auch noch was sagen.' Und deswegen macht die Musik manchmal Wege, die der Text nicht macht oder sie erlaubt dem Text Bewegungen, die sie selber verweigert."

Wolfgang Rihm


"Sie hob den Rock, kniete über ihm nieder und pisste sich über ihm leer."

"Einen solchen Satz müsse man erst einmal vertonen", sagt Wolfgang Rihm und fährt sich dabei durch das Gesicht, als wollte er das drastische Bild gleich wieder wegwischen. Der Satz stammt aus dem ersten der drei Abschiedsstücke von Wolf Wondratschek und zielt auf Leichenschändung: die Frau befindet sich am Grab ihres Liebhabers. Rihm verhehlt nicht, daß ihm Wondratscheks Verse zuwiderlaufen, auch wenn er sich schon zum dritten Mal damit konfrontiert. Die Kompostion von 1993, jetzt bei den Römerbad-Musiktagen erstmals zu hören, gleicht einem Kampf. Etwas zu bändigen, was ihm widerstrebt, setzt bei Rihm allerdings Kräfte frei, die den Dichter in Schach halten, wissend, wo die Gefahren und Schwächen liegen. Rihm verdoppelt zum Beispiel Gewalt nicht. Das Wort "Gewalt", in Phoneme aufgesplittert, wird von der Sängerin nur geflüstert, erst später reißt das Instrumentalensemble schnittartige Wunden auf.

Obwohl Rihm ironisch und parodistisch arbeitet, wenn er den Herzschlag wie im Ultraschall vergrößert, einige Textzeilen mit falscher Wortbetonung auf einen Walzer spannt und streckt oder beim Wort "Kopf" durch eine sinnliche Koloratur die Salome von Strauss ins Bild holt - jenen blasphemischen Satz am Grab bezwingt er mit schierer Diskretion. Sobald die Frau kniet, umgibt sie fast heilige Choralfülle, den Rest deckt keuscher Wohlklang.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Lotte Thaler, 26.11.1993

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