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Universal Edition - Francis Burt (1926–2012)

2012-10-10 11:18

Francis Burt (1926–2012)


Francis Burt ist am 3. Oktober 2012 im Alter von 86 Jahren verstorben.

Prägend für den gebürtigen Engländer Francis Burt war 1946/47 ein Aufenthalt als Oberleutnant in Nigeria, wo er mit der Musik der afrikanischen Völker konfrontiert wurde, was ihn faszinierte und seine kompositorische Arbeit nachhaltig beeinflusste.

Nach seinem Studium an der Royal Academy of Music (1948–51) setzte Burt sein Studium der Komposition bei Boris Blacher in Berlin fort, wo er Gottfried von Einem kennenlernte. 1956 kam er nach Wien, um „vorübergehend ständig“ zu bleiben. Von 1973 bis 1992 lehrte er Komposition an der Musikhochschule Wien (MHS), organisierte 1987 als Vizepräsident der IGNM (Sektion Österreich) die erste „Lange Nach der neuen Klänge“ im Wiener Konzerthaus und leitete von 1989–1991 das Institut für Elektroakustik an der MHS. 1995 war Francis Burt Hauptkomponist bei Wien Modern.

Der Werkekatalog von Francis Burt umfasst nur etwa 30 Werke, von denen aber viele unter Kennern namentlich bekannt sind, wie etwa die Oper Volpone, das Ballett Der Golem, die Orchesterwerke Fantasmagoria und Morgana, die beiden vokalsymphonischen Werke Unter der blanken Hacke des Monds oder Und GOtt der HErr sprach, Echoes für neun Spieler oder sein 2. Streichquartett.

2011 wurde Mohn und Gedächtnis (für Paul Celan) in Wien uraufgeführt, im März 2012 seine Variationen eines alten Liedes. Die Uraufführung seines Chorstückes Mariens Wiegenlied ist noch ausständig, ebenso wie die seiner 2007 fertiggestellten Oper Mahan. Darin geht es um einen jungen, verwöhnten Mann aus gutem Hause, der dem Tod begegnet.

Zu seiner Musik sagte Burt selbst:

„Ich schreibe jetzt in einem Stil, der in irgendeiner Weise von elektronischer Musik beeinflusst ist: schwebend, mit nur wenig spürbarem Puls, jedoch mit Klangbändern, -flächen und einer zunehmenden Überlagerung von Linien zu einem polylinearen Gefüge. Dennoch bleibt die Geste Ausgangspunkt für all meine Arbeit. In irgendeiner Bedeutung des Wortes war meine Musik immer tonal. Die letzten Reste der klassischen funktionalen Harmonie, die in Volpone oft ironisch angewendet wurden, haben sich über die Jahre aufgelöst, aber im Sinne von Tonalität als Spannungsphänomen – und nicht nur als Synonym für funktionale tonale Harmonik – sind Spannungszentren beinahe immer spürbar.“

Lesen Sie hier die Nachrufe auf ORF und mica.

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