David Sawer: Byrnan Wood

  • für Orchester
  • 4 4 4 4 - 6 4 4 1 - Schl(5), Hf(2), Str
  • Dauer: 18’
  • Instrumentierungsdetails:
    1. Flöte (+Picc)
    2. Flöte (+Picc)
    3. Flöte (+Afl(G))
    4. Flöte (+Afl(G))
    1. Oboe
    2. Oboe
    3. Oboe (+Eh)
    4. Oboe (+Eh)
    1. Klarinette in B (+Kl(Es))
    2. Klarinette in B (+Kl(Es))
    3. Klarinette in B (+Bkl(B))
    4. Klarinette in B (+Bkl(B))
    1. Fagott
    2. Fagott
    3. Fagott (+Kfg)
    Kontrafagott
    1. Horn in F
    2. Horn in F
    3. Horn in F
    4. Horn in F
    5. Horn in F
    6. Horn in F
    1. Trompete in B
    2. Trompete in B
    3. Trompete in B
    4. Trompete in B
    1. Posaune
    2. Posaune
    3. Posaune
    4. Posaune
    Kontrabasstuba
    1. Schlagzeug
    2. Schlagzeug
    3. Schlagzeug
    4. Schlagzeug
    5. Schlagzeug
    1. Harfe
    2. Harfe
    Violine I
    Violine II
    Viola
    Violoncello
    Kontrabass
  • Komponist: David Sawer
  • Widmung: for Carolyn Steel
  • Commission: Commissioned by the BBC Promenade Concerts

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Werkeinführung

„Die Möglichkeit der Veränderung“, schreibt Sawer, „stellt für mich einen der faszinierendsten Aspekte des Komponierens dar: der Wechsel von etwas Unbeweglichem in etwas Bewegtes, von etwas Klarem in etwas Dichtes, von etwas Hartem in etwas Weiches.“ Genau darum geht es in Byrnan Wood – um Veränderung, um die Erforschung der Klangperspektiven eines Orchesters  und der Bewegung des Klangs durch den Raum, wobei die Quelle dieses Klangs, das Orchester, statisch bleibt – daher der shakespearesche Titel. Die ursprüngliche Idee stammt aus dem Theaterstück Macbeth, in dem sich Malcolms Armee – getarnt als Wald aus belaubten Ästen – aus dem großen Wald von Birnam auf das Schloss Dunsinane zu bewegt. Sawer: „Ich beschreibe nicht den wirklichen Wald, sondern Macbeths Halluzination. Deshalb habe ich für den Titel eine von Shakespeares ursprünglichen Schreibweisen gewählt.“

Gleich zu Beginn zeigt Sawer, wie er seine orchestrale Täuschung anlegt: Die Spiccato-Triole der Violinen breitet sich immer weiter über die hohen Streicher aus. Diese „Stille-Post-Technik“ zieht sich durch das gesamte Werk und wird durch klangliche Imitationen ergänzt, wobei beispielsweise der Klang der Geige von einem Xylophon oder ein Kontrabass-Pizzicato von der Basstrommel imitiert werden kann. So lässt Sawer den Klang durch das Orchester wandern, indem er den klanglichen Schwerpunkt entweder langsam oder in schnellen Sprüngen verändert und ein veritables Netz von Motiven – er nennt sie „musikalische Signale“ – aufbaut, die sowohl durch ihre thematischen Zusammenhänge als auch durch ihre geometrische Positionierung im musikalischen Raum verbunden sind. Über diesen Beziehungen liegt ein rhythmisches Netz, dessen Wirkung Sawer mit einem blinkenden Stroboskop vergleicht, das die musikalische Oberfläche aufraut und seine nervöse Intensität in die Höhe schraubt.

Doch beim Komponieren bemerkte Sawer, dass sich das Ausgangsbild des Werkes, das Vorrücken des Waldes von Birnan auf das Schloss Dunsinane, wie es von den Hexen prophezeit worden war, immer stärker in den Vordergrund drängte. Während sich der militärische Aspekt des Werkes immer mehr Gehör verschaffte, erhielt Byrnan Wood eine weitere Schicht – jene des Orchesters in Gestalt einer vorrückenden Armee.

Die fragmentarischen Märsche, die insbesondere in den späteren Stadien der Reise immer wieder durch die Oberfläche der Partitur brechen, scheinen ebenfalls eine andere Sinnebene in sich zu tragen. Anfang der 1980er Jahre studierte Sawer in Köln bei Mauricio Kagel. Der Marsch mit all seinen militaristischen Assoziationen ist ein Genre, dessen Faszination in Kagels eigenen Orchesterwerken immer wieder spürbar ist. An dieser Stelle beginnt Sawer die Obsession seines Lehrers möglicherweise selbst zu erforschen. Das Zustreben des Werkes auf seinen nervösen, zerklüfteten Höhepunkt und sein stotterndes Verebben im Schweigen bedeutet gleichzeitig die Vertreibung des Geistes der Militärmaschine.

Byrnan Wood ist Carolyn Steel gewidmet.

Andrew Clements


„Die Möglichkeit der Veränderung stellt für mich einen der faszinierendsten Aspekte des Komponierens dar: der Wechsel von etwas Unbewegtem in etwas Bewegtes; von etwas Klarem in etwas Dichtes; von etwas Hartem in etwas Weiches … Ich beschreibe hier nicht den tatsächlichen Wald, sondern Macbeths Wahnvorstellung; deshalb verwende ich für den Titel die ursprüngliche Schreibweise Shakespeares.“ (David Sawer)

Hörbeispiele

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Uraufführung

Ort:
Royal Albert Hall, London (GB)
Datum:
18.08.1992
Orchester:
BBC Symphony Orchestra
Dirigent:
Mark Wigglesworth

Pressestimmen

„Sawers Partitur funkelte in schillernden Details und pulsierte mit rhythmischer Energie. … Seine beeindruckende Beherrschung dieses unbeständigen und kaleidoskopischen Klanggemäldes mit den passend gewählten Farbschemen (inklusive ausgefallener Effekte und Texturen, im Besonderen die Fragmentierung der für gewöhnlich einstimmigen Streicher) produzierte fesselnde Ergebnisse.“ (Meirion Bowen, The Guardian)

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