Bill Hopkins

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Bill Hopkins Biographie

Bill Hopkins wurde am 5. Juni 1943 in Prestbury, England, geboren. Er komponierte lediglich neun reife Werke, von denen während seiner Lebenszeit nur wenige aufgeführt wurden. Als er 1981 im Alter von nur 37 Jahren starb, war der Musikwelt daher kaum bewusst, welchen Künstler sie verloren hatte. Doch als seine Musik in den 1990er-Jahren vermehrt aufgeführt und von der Kritik gut angenommen wurde, stieg auch Hopkins Bekanntheitsgrad. Heute gilt er als einer der besten Komponisten, die Großbritannien in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

Seine Musik ist fest in der Post-Darmstadt-Tradition verankert: Sein Magnum Opus, Etudes en série (1965-72), folgt offensichtlich den wichtigsten seriellen Klavierwerken von Boulez, Stockhausen und Barraqué, was Umfang und Ausführung betrifft. Gleichzeitig weist seine Musik viele Charakteristika auf, die ihr einen einzigartigen Klang verleihen und sie von diesen drei Komponisten abgrenzt: Sie zeigt eine seltene formale und poetische Feinheit, verbunden mit einer Flüchtigkeit und Ambivalenz, die sowohl beabsichtigt als auch verstörend ist.

Hopkins begann in seinen Teenager-Jahren zu komponieren und interessierte sich außerdem für Sprachen und Literatur. Als er im Jahr 1961 die Schule abschloss, hatte er bereits mehrere serielle Werke komponiert. Er begann seine formelle Ausbildung als Komponist im Sommer des Jahres 1961 bei Nono in Dartington und ab Oktober 1961 bei Wellesz und Rubbra an der Oxford University (im Sommer 1962 nahm er erneut Unterricht bei Nono in Dartington). Die Musik, die er in Oxford schrieb, ist eindeutig als Post-Webern einzuordnen, da sie ein Interesse an fein gesponnenen Kontrapunkten anstelle von strukturellen Effekten zeigt. Nach seinem Abschluss begann Hopkins mit der Arbeit an Sous-structures (für Soloklavier), sein frühestes anerkanntes Werk. Im Vergleich zu seinen studentischen Werken zeigt es einen beachtlichen Entwicklungssprung – erheblich dichter in der Struktur und auch formal komplexer, erreicht es ein neues Level an Originalität.

Während seiner Studienzeit wurde Hopkins auch auf Jean Barraqués Musik aufmerksam. Als er im September 1964 nach Paris reiste, um (mit einem Stipendium der französischen Regierung) bei Messiaen zu studieren, hatte er sich vorgenommen, sowohl Barraqué als auch Samuel Beckett zu treffen, sein zweites großes Vorbild. Während dieses Studienjahrs war er erst wie geplant Teil von Messiaens Klasse, zog sich aber nach und nach aus ihr zurück und nahm von Januar bis Mai 1965 Privatunterricht bei Barraqué. In seiner Pariser Zeit beendete er Sous-structure  und komponierte dann Musique de l’indifférence (für Orchester) sowie Two Pomes und Sensation (beide für Sopran und gemischtes Quartett). Das Orchesterwerk, sein einziges Originalwerk für diese Besetzung, ist ein umfangreiches, fünfsätziges Ballett zu Becketts gleichnamigem Gedicht. Während darin Nonos Orchestermusik aus dem 1950ern durchklingt, zeigt sich hier zweifellos Hopkins eigene kraftvolle Fantasie, und das sowohl im kontrapunktischen Flair als auch in der orchestralen Kühnheit. Sensation verwendet Gedichte von Rimbaud und Beckett im Bestreben, einen „fusionierten Dichter“ zu schaffen. Sein umfangreicher Kontrapunkt ist ein ausgezeichnetes Beispiel für Hopkins Vielseitigkeit und Flexibilität in Bezug auf Gesten, Rhythmen und musikalische Linien. Mit einem Gesangspart von beachtlicher Virtuosität (und einem instinktiven Verständnis des französisch-idiomatischen Kontexts) kann Sensation beinahe als Mini-Oper angesehen werden: René Leibowitz würdigte dieses Werk als die feinsinnigste Einbettung der französischen Sprache durch einen jungen Komponisten, die er je gehört hatte. Die Two Pomes (Joyce), die in einer einzigen Nacht komponiert wurden und in gewisser Weise eine Studie für Sensation darstellen, verfügen über ihre eigene aufrüttelnde Zartheit – kein Wunder, dass dieses Werk lange Zeit die einzige Komposition Hopkins war, die (durch die Universal Edition) zur Gänze publiziert und auch am öftesten aufgeführt wurde.

Gegen Ende seines Aufenthalts in Paris begann er mit der Arbeit an einem Zyklus von neun Etudes en série, die sein umfangreichstes und wichtigstes Werk werden sollten. Er hatte sich bereits im Dezember 1964 dazu entschieden, einen solchen Zyklus zu schreiben, wartete aber sechs Monate, bevor er im Mai 1965 ernsthaft begann, daran zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seinen Unterricht bei Barraqué bereits beendet. Den Philosophen und Musikwissenschaftler Heinz-Klaus Metzger hatte er damals gerade erst kennen gelernt, aber bereits viel Zuspruch von ihm erhalten. Nachdem er im gleichen Sommer nach England zurückgekehrt war, arbeitete Hopkins in London als Musikkritiker, bevor er erst nach Tintagel in Cornwall und dann auf die Isle of Man zog. Dort konzentrierte er sich auf das Komponieren (hauptsächlich für die Etudes en série), während er sich mit dem Schreiben von Artikeln und mit Übersetzungen aus dem Französischen und Deutschen seinen Lebensunterhalt verdiente. Obwohl das erste Buch der Etudes en série (Nr. I-IV) im Jahr 1968 aufgeführt und im darauf folgenden Jahr publiziert wurde, stellte Hopkins den Zyklus erst 1972 fertig. In der Zwischenzeit hatte er in den Jahren 1968-69 auch ein dazugehöriges Stück für Solovioline komponiert, Pendant); die Etudes en série wurden erst 1997 von Nicolas Hodges uraufgeführt und 2001 in der vollständigen Fassung publiziert. Nachdem er die Etüden in den frühen 1970er-Jahren vollendet hatte, komponierte Hopkins nur noch zwei weitere Originalwerke. Die Nouvelle étude hors série (1974) für Orgel besteht aus neu arrangierten Fragmenten, die aus verworfenen Stücken für das Etudes en série-Projekt stammen. Der Kontrapunkt hängt nur in einer fragilen Reihung zusammen und will dabei kaum eine Geschlossenheit in sich selbst erwirken. Sein letztes Werk, En attendant (1976-77) für Flöte, Oboe, Cello und Cembalo weist ebenfalls eine fragile Form auf: Der ausdrückliche Fokus liegt auf dem Versuch und dem darauf folgenden Versagen der instrumentalen „Charaktere“, eine kohärente Kontinuität zu bilden. Das Stück erreicht aber dennoch Kohärenz und bringt eine große Breite von Materialien auf eine beachtenswerte und launige Art und Weise zusammen. Diese beiden Werke stellen vielleicht Hopkins ungewöhnlichste Leistung dar.

Im gleichen Zeitraum arbeitete er an mehreren großen Projekten, die in den späten 1960ern und frühen 1970ern konzipiert wurden, aber bis zu seinem Tod unvollendet blieben. Zu den erhaltenen Entwürfen dieser Werke zählen eine erhebliche Anzahl von Schriften über die Philosophie und Ästhetik von Musik, die mit einiger Deutlichkeit die Richtung aufzeigen, in die seine Werke führten und die auch in seinen beiden letzten vollendeten Kompositionen angedeutet wird.  Ab 1977 arbeitete Hopkins als Dozent an der Birmingham University und wechselte 1979 an die Newcastle University. Er starb am 10. März 1981 in Chopwell nahe Newcastle an einem Herzinfarkt.

Nicolas Hodges

 

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