Friedrich Cerha: Sinfonie

Friedrich Cerha Sinfonie
Sinfonie

Friedrich Cerha: Sinfonie

Kompositionsjahr:
1975
Instrumentierung:
für Orchester
Komponist:
Friedrich Cerha
Instrumentierung:
2 2 2 2 - 2 1 1 1, Str
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte
2. Flöte
1. Oboe
2. Oboe
1. Klarinette in A
2. Klarinette in A
1. Fagott
2. Fagott
1. Horn in F
2. Horn in F
Trompete in C
Posaune
Tuba
Violine I (8-10)
Violine II (8-10)
Viola (6-8)
Violoncello (4-6)
Kontrabass (3-4)
Dauer:
12–13'
Widmung:
Meiner Tochter Irina
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Hörbeispiele

Sinfonie
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Werkeinführung

Nach der Arbeit mit einer von allen traditionellen Formulierungen freien, oft clusterartigen Klangsprache ist nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Komponisten ein Bedürfnis nach Differenzierung im Feld der Harmonik, des Melos und - zuletzt - auch der Rhythmik spürbar geworden. Mir war bald bewusst, dass jede weitere Bewegung in dieser Richtung unweigerlich zu einer intensiveren Berührung mit der Tradition führen musste. Werke seit der Mitte der sechziger Jahre schleusen oft mit ihr Verwandtes in die grundlegenden Denkmodelle der späten fünfziger Jahre ein. Mein Bedürfnis war es, diese Denkmodelle zunächst ganz zu verlassen und Bezüge zu traditionsgebundenem Material, die angesichts bestimmter Gestaltungsintentionen zu verschleiern, aber nicht grundsätzlich zu umgehen sind, betont aufzusuchen. In den Regressen der „Exercises" (1962 - 67) habe ich zum ersten Mal gleichsam „den Stier bei den Hörnern gepackt" und traditionsgebundene Formulierungen direkt angesprochen. In einigen folgenden Werken habe ich dann dieses Verfahren fortgesetzt, dabei aber bewusst stark wechselnde, stilistisch deutlich ortbare Positionen bezogen, wobei es mich auch gereizt hat, verwandte Aufgaben von stilistisch weit voneinander entfernten Punkten her anzugehen. Ist in „Curriculum" (1971/72) etliches an Grundvorstellungen aus dem Neoklassizismus herzuleiten, so weist die Sinfonie (1975) in drei Sätzen auf die Wiener Schule und dort am ehesten auf die klassizistische Attitüde im Spätwerk Weberns hin. In beiden Fällen hat es mich aber interessiert, mich neuerlich auf motivisch-thematische Beziehungen zu konzentrieren, die im melodischen Bereich ein Maximum an komplexen Differenzierungsvorgängen erlauben.

War in „Fasce" (1959) und den „Spiegeln" (1960/61) das melodische Element so gut wie ausgeklammert, so wird melodisches Gestalten in der Sinfonie zur obersten Maxime kompositorischen Strukturierens. Es gibt nicht Haupt- und Nebenstimmen, nichts ist nur Begleitung; jeder Ton ist thematisch. Ein Hauptaugenmerk war darauf gerichtet, die thematischen Gestalten so zu verzahnen, dass - unter Ausklammerung dodekaphonischer Konstruktion - in sich logische harmonische Verläufe entstehen. Selbstverständlich hat eine solche Konzeption nur dadurch Sinn, dass zwischen den melodischen Gestalten enge Verwandtschaften bestehen und im Hören der Variantenreichtum klar erkennbar wird. Dazu tragen einfache, starke, wenig vermischte Instrumentalfarben bei. Das Orchester ist im Gegensatz zu den „Spiegeln" abgesehen von Posaunen und Tuba ein Haydn-Orchester mit zweifachem Holz, zwei Hörnern, Trompete und Streichern. Pauken und Schlagzeug fehlen völlig. Die Sinfonie ist ein Werk von absolut klassischer Formgebung. Sie stellt in meinem Gesamtwerk die extreme Gegenposition zu den „Spiegeln" dar. Insgesamt hat mein Weg in den späten sechziger- und frühen siebziger Jahren, der durch keinen intellektuellen Exkurs?zu ersetzen gewesen wäre, keinen neuen Stil gebracht; er hat mich aber gelehrt, was bestimmte Materialkonstellationen prinzipiell herzugeben imstande sind. In meiner Oper Baal hoffe ich dann eine alle meine Bestrebungen und Erfahrungen einbegreifende, so vielfältige wie organische Sprachwelt erreicht zu haben.

Friedrich Cerha

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Uraufführung

Ort:
Royan (FR)
Datum:
25.03.1976
Orchester:
Orchestre Philharmonique des Pays de la Loire
Dirigent:
Friedrich Cerha

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