Alban Berg: Wozzeck (Bearbeiter: Eberhard Kloke)

Alban Berg Wozzeck
Wozzeck

Alban Berg: Wozzeck (Bearbeiter: Eberhard Kloke)

Opus:
op. 7
Kompositionsjahr:
1917-1922
Untertitel:
Oper in 3 Akten (15 Szenen)
Version:
Fassung für kleines Orchester (Kloke)
Komponist:
Alban Berg
Bearbeiter:
Eberhard Kloke (2004)
Instrumentierung:
2 2 3 2 - 2 2 2 1 - Schl, Hf, Cel, Str(5 4 3 3 2), Bühnenmusik: 2 Fiedeln, Kl, Akk, Git, Bombardon, Kammermusik: 1 2 3 2 - 2 0 0 0, Str(1 1 1 1 1)
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte (+Picc)
2. Flöte (+Picc)
1. Oboe
2. Oboe (+Eh)
1. Klarinette in B, A, C, Es
2. Klarinette in B, A, C, Es
3. Klarinette in B, C (+Bkl(B))
1. Fagott
2. Fagott (+Kfg)
1. Horn in F
2. Horn in F
1. Trompete in F
2. Trompete in F
1. Posaune
2. Posaune
Tuba
Schlagzeug
Harfe
Celesta (+Klav)
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
Bühnenmusik: 2 Fiedeln
Klarinette in C od. in B
Gitarre
Akkordeon
Bombardon in F
Kammermusik: Flöte
Oboe
Englischhorn
kleine Klarinette in Es
Klarinette in A
Bassklarinette in B
Fagott
Kontrafagott
1. Horn in F
2. Horn in F
1. Violine
2. Violine
Viola
Violoncello
Kontrabass
Dauer:
90’
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Hörbeispiele

Wozzeck
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Alban Berg, populärster Vertreter der Schule um Arnold Schönberg, schuf mit seiner Vertonung des Büchnerschen Dramenfragments über den „Abgrund Mensch“ das Opern-Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts. Die Anregung zur Vertonung des Woyzeck erhielt Berg durch den Besuch einer Aufführung des Schauspiels im Jahre 1914. Während seiner Militärzeit 1915–1918 arbeitete Berg bereits an dem Werk, vollendet wurde es in den Jahren 1918–1921. Die szenische Uraufführung erfolgte 1925 an der Berliner Staatsoper unter der musikalischen Leitung von Erich Kleiber.

Als Inbegriff der musikalischen Moderne wurde das erste abendfüllende Musiktheaterwerk aus der Stilepoche der sogenannten „freien Atonalität“ international repertoirefähig. So vieles an musikalischer Tradition, was auf Bergs ton sprachliche Ausarbeitung Einfluss genommen hat, ist uns heute durch die zeitliche Distanz evident geworden – vor allem Schönbergs Frühwerk, seine Erwartung und das gebundene Melodram des Pierrot lunaire. Zentral scheint auch die Verbindung von so genanntem hohem und niedrigem Stil sowie der kompositorische Bereich zwischen erweiterter und freier Tonalität und deren Verschmelzung zu sein, einer Musiksprache des Wozzeck, welche die Anlehnung an Mahler zu keiner Zeit verleugnet. Im Mittelpunkt des Büchnerschen Dramas steht immer der Mensch, im Woyzeck die spezifische „Versuchsanordnung Mensch“ – und dies nicht nur im Sinne eines durch soziale Abhängigkeiten festgelegten Verhältnisses zwischen dem menschlichen Experimentieropfer und seinen Peinigern Hauptmann und Doktor. Vielmehr wird die Bilderfolge als eine Darstellung archetypischer Menschenexemplare verstanden, in denen Wozzeck – ausgestattet mit Symptomen von Krankheit und Kommunikationsstörung – als der einzig „Gesunde“ erscheint. Das „hohle Gewäsch“ rhetorisch trainierter Mächtiger steht hier gegen den hilflosen, aber in der Vertonung emotional hoch-differenzierten Ausdruck menschlichen Denkens und Empfindens.

Eberhard Kloke


Eberhard Kloke im Gespräch mit Katja Blessin (aus dem Programmheft zur Uraufführung)

Welche aufführungspraktische Relevanz soll die von Ihnen vorgenommene Bearbeitung erreichen?

Das aufführungspraktische Ziel ist es, den Wozzeck wieder ganz nah an Büchners „Woyzeck“ zu rücken und weitgehende Identifikation für den Zuschauer sowie größtmögliche sinnliche Reflexion zu ermöglichen. Der Stoff über den Menschen, der durch Arbeit und verschiedene Deformationen ins soziale Elend gestoßen wird, soll eine Aktualität erfahren, die durch die Kunstform Oper nicht etwa geglättet wird. Durch die Nähe zu Interpreten und Aufführungssituation soll sich jeder wie Wozzeck fühlen können.

Die Neubearbeitung liefert also die Voraussetzung für die Emanzipation vom konservativen Opernrahmen?

Ja, die Bearbeitung erlaubt aber, neben variableren Raumsituationen und der Befreiung vom Orchestergraben, gleichfalls radikalere Szenenwechsel, die der offenen Büchner’schen Anlage, seinem fragmentarischen Charakter, eher entsprechen.

Das in der Berg’schen Fassung extrem große Orchester ist in Ihrer Bearbeitung auf 38 Spieler reduziert. Wie nah konnten Sie an Alban Berg bleiben?

Also, ich habe mich überhaupt nicht entfernt. Jede Note ist von Berg. Ich habe ausschließlich den Bläsersatz zusammen gezogen und die Füllinstrumente entfernt und damit sozusagen den Orchestersatz „entfettet“. Ich habe dynamische Veränderungen vorgenommen, die divisi-Teile der Streichen mussten neu überdacht und konkretisiert werden, weil jetzt nur noch ein kleiner Streicherapparat zur Verfügung stand. Die Bühnenmusiken wurden neu konzipiert, um auch in der Abhängigkeit zwischen großem und kleinem Orchester eine stringente Raumaufteilung erzielen zu können. Eigentlich alles sehr spannende Maßnahmen, die von vornherein auf eine Aufführung in einem anderen Rahmen als dem Opernhaus hingedacht sind.

Wie wirkt sich Ihre Bearbeitung, abgesehen von der erweiterten räumlichen Möglichkeiten, auf das musikalische Erleben aus?

Durch die unmittelbare Nähe zum Geschehen kann sich der Zuschauer inmitten des Klanges jeder Klangveränderung aussetzen. Außerdem wurden durch die Verkleinerung des Orchesterapparates die dynamischen Spitzen genommen, so dass die Sänger auf den in unseren Opernhäusern vorherrschenden unnatürlichen Opernton verzichten können.

Es gibt in Ihrer Bearbeitung keinen Chor mehr. Warum kam es zu dieser Entscheidung?

Der Opernchor bringt immer Konventionalität auf die Bühne. Ich halte den Chor bei Berg auch eher für eine Konzession an die Opernkonvention, als dass es ureigenstes dramatisches Element ist. In Wozzeck ist auf den Chor durchaus zu verzichten, ohne das Original anzutasten. Konkret habe ich die Chorpartien Wirtshaus I und II auf die Solisten, den Schnarchchor der Soldaten auf die Instrumente übertragen. Unsere Sicht, den Wozzeck-Stoff als eine Versuchsanordnung Mensch zu verstehen, wird der Konzentration auf die Auseinandersetzung für den Solisten Recht geben.

Uraufführung

Ort:
Steinfurt
Datum:
18.06.2004
Orchester:
ensemble musikakzente 21
Dirigent:
Eberhard Kloke

Zuspielband zu Wozzeck (Hörbeispiel)

Eberhard Kloke hat für diese Oper ein Zuspielband erstellt, mit dem bei Aufführungen die Bühnenmusik und verschiedene Geräusche zugespielt werden können. Die CD enthält 4 Tracks.

Das Zuspielband ist ein Zusatzprodukt zum Notenmaterial, das die Universal Edition auf Wunsch gegen Entrichtung einer Mietgebühr zur Verfügung stellt.

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