Anton Webern: Entflieht auf leichten Kähnen

Anton Webern Entflieht auf leichten Kähnen
Entflieht auf leichten Kähnen

Anton Webern: Entflieht auf leichten Kähnen

Opus:
op. 2
Kompositionsjahr:
1908
Instrumentierung:
für gemischten Chor a cappella
Komponist:
Anton Webern
Textdichter:
Stefan Anton George
Original-Sprache:
Deutsch
Übersetzer:
Robert Hess
Chor:
SATB
Dauer:
3’
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Hörbeispiele

Entflieht auf leichten Kähnen
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Werkeinführung

Weberns einzige a capella-Komposition entstand 1908. Die Uraufführung kam erst 1927 durch einen Laienchor im steirischen Fürstenfeld zustande. Die erste George-Vertonung Weberns ist von kanonischer Satzweise geprägt. Im ersten und dritten Teil werden Sopran und Alt von den Männerstimmen paarweise imitiert. Der Mittelteil („Seht diesen Taumel“) ist ein vierstimmiger Kanon (Alt – Sopran – Bass – Tenor), der sich von den umrahmenden Teilen durch rascheren Harmoniewechsel und großräumigere Melodieführung abhebt. Die vorwiegend in Terzen und Sexten geführten Frauen- und Männerstimmen ergänzen sich in diesem Werk zu stark alterierten, tonal nur schwer einzuordnenden Akkorden. Sie exemplifizieren, was Schönberg in seiner „Harmonielehre“ (1911) „schwebende Tonalität“ genannt hat. Webern hat den Sachverhalt so beschrieben (1933): „Wann kehrt man denn am liebsten zum Grundton zurück? – Nun, am Schluß! Da kann man sagen: ,Das Stück steht in dieser oder jener Tonart.’ – Es gab aber noch eine Zeit, in der man erst im letzten Moment einlenkte und wo es auf lange Strecken nicht deutlich war, welche Tonart gemeint sei. ‚Schwebende Tonalität’. Erst am Schluß ergab sich: das Ganze, was sich ereignet hat, ist so und so zu verstehen.“ Auch in diesem Chor erscheint der Tonika-Akkord, G-Dur, nur ein einziges Mal, als Schlussakkord. Schon 1906 hatte Webern jedoch die Grenze der „schwebenden Tonalität“ überschritten. In diesem Jahr, schreibt er 1932 in seinen Vorträgen „Der Weg zum Komposition mit zwölf Tönen“, „ist Schönberg vom Landaufenthalt mit der [1.] Kammersymphonie gekommen ... Unter dem Einfluß des Werkes schrieb ich schon am nächsten Tag einen Sonatensatz. – In diesem Satz war ich an die äußerste Grenze der Tonalität gekommen ... Wir beide haben gefühlt, daß ich mit jenem Sonatensatz den Einbruch zu einer Materie durchgeführt hatte, für die die Situation noch nicht gegeben war ... Dann sollte ich einen Variationensatz schreiben, habe aber ein Variationsthema gefunden, das eigentlich schon in keiner Tonart war. – Schönberg rief Zemlinsky zu Hilfe, der die Sache in negativem Sinne erledigte ... Ich habe zwar dann wieder ein Quartett geschrieben, das in C-Dur war – aber nur vorübergehend. Die Tonart, der gewählte Grundton, ist sozusagen unsichtbar – ,schwebende Tonalität’! – Alles hatte aber noch Beziehung zu einer Tonart, vor allem am Schluss, um den Grundton herzustellen. Der Grundton selbst war aber nicht da – er war im Räume schwebend, unsichtbar, nicht mehr notwendig. Es hätte umgekehrt bereits gestört, wenn man sich wirklich auf den Grundton bezogen hätte.“

Manfred Angerer

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