Anton Webern: Streichquartett

Anton Webern Streichquartett
Streichquartett

Anton Webern: Streichquartett

Opus:
op. 28
Kompositionsjahr:
1936-1938
Instrumentierung:
für Streichquartett
Komponist:
Anton Webern
Instrumentierungsdetails:
1. Violine
2. Violine
Viola
Violoncello
Dauer:
9’
Widmung:
Frau Elizabeth Sprague Coolidge zugeeignet
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Hörbeispiele

Streichquartett
00:00

Werkeinführung

Sein letztes Streichquartett komponierte Webern 1937/38. Am 12. März 1938, dem Tag des Einmarsches Hitlers in Österreich, schrieb er an das Ehepaar Jone-Humplik: „Ich bin ganz in meiner Arbeit und mag, mag nicht gestört sein.“ Es entstand ein Werk von einer selbst bei Webern beispiellosen Konzentration des Ausdrucks und der Kompositionstechnik. Adorno sprach gar von „Reihenfetischismus“ und „Versimpelung der Musik“. Allerdings prägt die besonders komplex entworfene Reihe die Struktur der Komposition bis ins letzte Detail. Die wichtigsten Relationen sind die folgenden: Die Reihe gliedert sich in drei Viertongruppen, die erste und dritte sind das berühmte BACH-Motiv, die zweite dessen Umkehrung. Gleichzeitig zerfällt sie in zwei Sechstongruppen, deren zweite die Krebsumkehrung der ersten bildet. Der erste, siebenteilige Satz, durch Tempomodifikationen und unterschiedliche Dichte des kontrapunktischen Satzes gegliedert, bringt immer wieder neue Kombinationen der zentralen Viertongruppe. Webern schreibt darüber 1939 in einer umfangreichen Analyse für Erwin Stein: „Der I. Satz ist ein Variationen-Satz; aber mit den Variationen ist auch eine Adagio-Form gegeben und das primär. D.h. diese liegt dem Satz in der formalen Konstruktion zu Grunde und dementsprechend sind die Variationen geworden.“ Der zweite Satz, eine „Scherzo-Miniatur“ (Webern), ist klar dreiteilig gegliedert. Ein pizzicato vorgetragener vierstimmiger Umkehrungskanon kontrastiert mit einem bewegten expressiven Mittelteil (arco). Über den dritten Satz schrieb Webern: „Er soll innerhalb des Werkes sozusagen die ,Krönung’ der auch schon in 1. und 2. angestrebten ,Synthese’ von ‚horizontaler’ und ‚vertikaler’ Darstellung sein. Wie bekannt, erwuchsen auf der Basis der ersteren die Formen des klassischen Cyklus, Sonate, Symphonie u.s.f., auf der zweiten die ‚Polyphonie’ und die mit dieser gegebenen Formen, Canon, Fuge u.s.w. Und nun versuchte ich hier nicht nur allgemein die Gesetzmäßigkeit beider zu erfüllen, sondern im besonderen die Formen direkt zu verbinden ... Primär gegeben ist eine ‚Scherzo’-Form, mit ihr also Thema-Durchführung-Reprise. In dieser Hinsicht waren die Gesetzmäßigkeiten der ‚horizontalen’ Darstellungsart maßgebend. Aber die ‚Durchführung’ stellt eine Fuge dar, deren 3. ‚Durchführung’ die Reprise des Scherzo-Themas, Erfüllung der Scherzo-Form ist!“ Webern unternahm also in der traditionell hochgeachteten Streichquartettbesetzung den Versuch, Fugen- und Sonatenform, polyphone und homophone Konzeptionen zu vereinigen, ein Ideal, das seit der Wiener Klassik, zumal seit Beethoven, immer wieder Komponisten zu realisieren gesucht hatten. Das BACH-Motiv erhält so, neben seiner konstruktiven Funktion, eine besondere ideelle Bedeutung.

Manfred Angerer

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