Arnold Schönberg: Verklärte Nacht

Arnold Schönberg Verklärte Nacht
Verklärte Nacht

Arnold Schönberg: Verklärte Nacht

Opus:
op. 4
Kompositionsjahr:
1899
Instrumentierung:
für Streichsextett
Komponist:
Arnold Schönberg
Inhaltsverzeichnis:
Verklärte Nacht für 6 Streichinstrumente
Dauer:
28’
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Hörbeispiele

Verklärte Nacht
00:00

Werkeinführung

1899 war Arnold Schönberg erst 25 Jahre alt, als er sich von Richard Dehmels (1863-1920) gleichnamiger Dichtung, sowie von seiner Liebe zu Mathilde von Zemlinsky zur Komposition eines Streichsextetts inspirieren ließ. Die Uraufführung von Verklärte Nacht fand 1902 statt – es spielten das Rosé Quartett, Franz Jelinek sowie der Komponist Franz Schmidt.

Schönberg folgt in seinem Werk der Struktur des Gedichts (erschienen 1896 im Band „Weib und Welt”): es gibt zwei große Abschnitte – im ersten wird die Beichte der Frau wiedergegeben (gespielt von den Violinen), dass sie von einem Fremden, den sie nicht liebt, schwanger wurde, im zweiten spricht der Mann (gespielt von den Cellos), der sie beruhigt, dass er das Kind als sein eigenes betrachten wird, dass er nicht nur die Frau, sondern auch ihr Kind liebt. Schönberg fügt diesen beiden Teilen ein Vorspiel, ein Zwischenspiel und ein Nachspiel hinzu.

Verklärte Nacht ist spätromantische Musik, eine von Arnold Schönbergs populärsten und meist gespielten Kompositionen.

Bálint Varga

 


 

Verklärte Nacht
Richard Dehmel

Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain;
der Mond läuft mit, sie schaun hinein.
Der Mond läuft über hohe Eichen;
kein Wölkchen trübt das Himmelslicht,
in das die schwarzen Zacken reichen.
Die Stimme eines Weibes spricht:

Ich trag ein Kind, und nit von Dir,
ich geh in Sünde neben Dir.
Ich hab mich schwer an mir vergangen.
Ich glaubte nicht mehr an ein Glück
und hatte doch ein schwer Verlangen
nach Lebensinhalt, nach Mutterglück
und Pflicht; da hab ich mich erfrecht,
da ließ ich schaudernd mein Geschlecht
von einem fremden Mann umfangen,
und hab mich noch dafür gesegnet.
Nun hat das Leben sich gerächt:
nun bin ich Dir, o Dir, begegnet.

Sie geht mit ungelenkem Schritt.
Sie schaut empor; der Mond läuft mit.
Ihr dunkler Blick ertrinkt in Licht.
Die Stimme eines Mannes spricht:

Das Kind, das Du empfangen hast,
sei Deiner Seele keine Last,
o sieh, wie klar das Weltall schimmert!
Es ist ein Glanz um alles her;
Du treibst mit mir auf kaltem Meer,
doch eine eigne Wärme flimmert
von Dir in mich, von mir in Dich.
Die wird das fremde Kind verklären,
Du wirst es mir, von mir gebären;
Du hast den Glanz in mich gebracht,
Du hast mich selbst zum Kind gemacht.

Er faßt sie um die starken Hüften.
Ihr Atem küßt sich in den Lüften.
Zwei Menschen gehn durch hohe, helle Nacht.

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