Béla Bartók: Der holzgeschnitzte Prinz

Béla Bartók Der holzgeschnitzte Prinz
Der holzgeschnitzte Prinz

Béla Bartók: Der holzgeschnitzte Prinz

Kompositionsjahr:
1914-1917/1932
Untertitel:
Konzertsuite
Version:
Neuausgabe von Nelson O. Dellamaggiore und Peter Bartók
Instrumentierung:
für Orchester
Komponist:
Béla Bartók
Instrumentierung:
4 4 4 4 - 4 4 3 1 - Asax(Es), Tsax(B), Piston(B)(2), Str (31 Pulte)
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte
2. Flöte
3. Flöte (+2. Picc)
4. Flöte (+1. Picc)
1. Oboe
2. Oboe
3. Oboe
4. Oboe (+Eh)
1. Klarinette in A (+Kl(B))
2. Klarinette in A (+Kl(B))
3. Klarinette in A (+Kl(B)
Kl(Es))
4. Klarinette in A (+Kl(B)
Bkl(A)
Bkl(B))
Altsaxophon in Es
Tenorsaxophon in B (+Barsax(Es))
1. Fagott
2. Fagott
3. Fagott (+2. Kfg)
4. Fagott (+1. Kfg)
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in B
2. Trompete in B
3. Trompete in B
4. Trompete in B
1. Piston in B
2. Piston in B
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
Basstuba
Pauken
Schlagzeug(5)
Celesta
1. Harfe
2. Harfe
Violine I (Pult 1)
Violine I (Pult 2)
Violine I (Pult 3)
Violine I (Pult 4)
Violine I (Pult 5)
Violine I (Pult 6)
Violine I (Pult 7)
Violine I (Pult 8)
Violine II (Pult 1)
Violine II (Pult 2)
Violine II (Pult 3)
Violine II (Pult 4)
Violine II (Pult 5)
Violine II (Pult 6)
Violine II (Pult 7)
Violine II (Pult 8)
Viola (Pult 1)
Viola (Pult 2)
Viola (Pult 3)
Viola (Pult 4)
Viola (Pult 5)
Viola (Pult 6)
Violoncello (Pult 1)
Violoncello (Pult 2)
Violoncello (Pult 3)
Violoncello (Pult 4)
Violoncello (Pult 5)
Kontrabass (Pult 1)
Kontrabass (Pult 2)
Kontrabass (Pult 3)
Kontrabass (Pult 4)
Dauer:
30’
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Herzog Blaubarts Burg wurde am 24. Mai 1918 im Königlichen Opernhaus in Budapest zur Uraufführung gebracht. Auf dem Programm stand auch Der holzgeschnitzte Prinz, das Ballett war ein Jahr zuvor dort zum ersten Mal getanzt worden. Der Komponist hatte zwei Jahre lang auf die immer wieder verschobene Premiere der Oper gewartet. Jetzt fand sie, kurz vor den Theaterferien, also zur ungünstigsten Zeit, statt. Dann, im November, kam der Zusammenbruch der Monarchie. Im März 1919 trat Béla Kun sein kurzlebiges Regime an, und nach 133 Tagen zog Admiral Horthy in Budapest ein. Schlimme, schlimme Zeiten für einen Opernabend mit zeitgenössischer Musik, noch dazu, wenn die Texte beider Werke von Béla Balázs sind, einem brillanten Bohémien und Literaten, der – das musste ja schief gehen – Kulturminister in der Regierung Béla Kun gewesen war. So war an die Wiederaufnahme des Bartók-Balázs-Abends in den Horthy-Jahren nicht zu denken.

Balázs war im Exil in Wien. Wir sahen ihn oft im Café Museum oder im Vorzimmer und in den Büros am Karlsplatz – einen sprudelnden Rakonteur, einen sympathisch-nonchalanten, untersetzten Menschen mit dem intelligenten Kopf eines hochbegabten Schwärmers, melancholischen Augen, kettenrauchend und etwas zu gut gefüttert. Seine kurze ministeriale Vergangenheit, die ihm, wäre er nicht rechtzeitig über die Grenze echappiert, wohl seinen gut geschnittenen Kopf gekostet hätte, war ihm nicht im leisesten nachzuspüren. Versuche, den geächteten Namen des Librettisten vom Budapester Theaterzettel zu entfernen und mit einem unkompromittierten Pseudonym zu ersetzen, scheiterten an Bartóks unbeugsamer Loyalität und engelhaft-unirdischer, später manchmal fast selbstmörderisch-hartnäckiger Überzeugungstreue. So verschwanden die beiden Werke vom Budapester Spielplan.

In einem Aufsatz „Die erste Oper Béla Bartóks“ – er konnte damals nicht wissen, dass es auch die letzte sein würde – äußert sich Zoltán Kodály 1920 über die Kombination der beiden fast zu gleicher Zeit entstandenen Werke: „Die konstruktive Kraft der Musik kommt am besten zur Geltung, wenn ihr Der holzgeschnitzte Prinz folgt. Das Tanzspiel gleicht das trostlose Adagio der Oper mit dem Gegengewicht seines spielerisch-lebhaften Allegro aus. Die zwei Werke schmiegen sich wie zwei Sätze einer Riesen-Symphonie aneinander. Und diejenigen, die die Atonalität als Haupterrungenschaft Bartóks hinzustellen lieben – sie merken doch endlich, dass beide Werke eine wiederkehrende Grundtonart haben – ganz wie die eine oder andere der Mozartschen Opern …“.

Schöne Worte des Freundes, rasch vom bösen Wind der Zeit verweht.

Vier Jahre lang blieben die beiden Werke liegen. Endlich, 1922, wurden sie von Eugen Szenkar, dessen ungarisches Herz auch in Frankfurt in landsmännischer Verbundenheit schlug, dort im Opernhaus herausgebracht. Und wieder mussten zwei Jahre vergehen, bis die Volksoper in Berlin sich an sie wagte und das Weimarer Nationaltheater den Blaubart spielte. 1925 zwei weitere deutsche Bühnen, 1928, 1929, 1931 je eine. 1940 wanderte Bartók nach Amerika aus, mit bitteren Erinnerungen an das Geschick seiner Bühnenwerke. Ein drittes, die Pantomime Der wunderbare Mandarin zu einem Text von Melchior Lengyel, war im Jahre 1925 nach einer einzigen Aufführung in Köln vom Stadtrat verboten und vom Spielplan abgesetzt worden. Eine weitere Aufführung, 1931 in Budapest geplant, wurde schon nach der Generalprobe von einer schockierten Behörde inhibiert. Die vom Komponisten arrangierte Konzertfassung des Wunderbaren Mandarin fand zu seinen Lebzeiten wenige Abnehmer. So standen die Dinge, als Béla Bartók im September 1945 in New York arm und verbittert starb. Was dann geschah, reicht zeitlich über den Rahmen dieser Aufzeichnungen hinaus, aber Wunder und die Verwandlung menschlicher Tragödie in universellen Triumph sprengen Zeit und Raum. 1947 führte das Opernhaus Zürich Blaubart auf. 1948 gab es zwei Produktionen, 1949 drei, 1950 sechs, 1951 dreizehn! In den nächsten zwanzig Jahren hatte die Oper, die für den sterbenden Komponisten wohl kaum eine Erinnerung, gewiss keinerlei Hoffnung war, mehr als fünfhundert Produktionen in Theatern, im Rundfunk, im Fernsehen und in Konzerthallen, in zahllosen Übersetzungen in Europa, Japan, Australien, Neuseeland, am Teatro Colon in Buenos Aires und an der Metropolitan in New York. Die Mandarin-Suite wurde ein Schlager für Virtuoso­Dirigenten (und solche, die es zu werden hofften) in der ganzen Welt.

Hans Heinsheimer, Die ersten 37 1/2 Jahre: Eine Chronik zum 75. Geburtstag des Verlags

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