Cristóbal Halffter: Halfbéniz

Cristóbal Halffter Halfbéniz
Halfbéniz

Cristóbal Halffter: Halfbéniz

Kompositionsjahr:
2000
Untertitel:
Divertimento. Huldigung an Isaac Albéniz
Instrumentierung:
für Orchester
Komponist:
Cristóbal Halffter
Instrumentierung:
4 4 4 4 - 4 4 4 1 - Pk, Schl(4), Hf, Vl.I(16), Vl.II(14), Va(12), Vc(10), Kb(8)
Instrumentierungsdetails:
1. kleine Flöte
2. kleine Flöte
1. Flöte
2. Flöte
1. Oboe
2. Oboe
3. Oboe
Englischhorn
1. Klarinette in B
2. Klarinette in B
3. Klarinette in B
Bassklarinette in B
1. Fagott
2. Fagott
3. Fagott
Kontrafagott
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
3. Trompete in C
4. Trompete in C
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
4. Posaune
Basstuba
Pauken (mit Becken und Superball)
1. Schlagzeug (mit Superball: kleiner Gummiball (massiv aus Gummi, oft als Kinderspielzeug). In diesen ist ein Griff aus Metall oder Holz zu stecken): Vibrafon, Glockenspiel, Donnerblech, Tam-Tam (mittel), 4 Bongos
2. Schlagzeug (mit Superball*): Xylofon, Flexaton, Plattenglocken (e, F), Tam-Tam (größtmöglich)
3. Schlagzeug (mit Superball*): Vibrafon, Gong (größtmöglich), 4 Tomtoms, große Trommel
4. Schlagzeug (mit Superball*): Marimbafon, Röhrenglocken, Gong (mittel), 4 Timbales kubanisch
Harfe
Violine I (16)
Violine II (14)
Viola (12)
Violoncello (10)
Kontrabass (8)
Commission:
Obra escrita por encargo de la Sociedad Estatal Nuevo Milenio para su estreno por la Orquesta Nacional de España
Anmerkungen:
3. Teil des "Homenaje triplo a Isaac Albéniz" (2003) von Cristóbal Halffter
Dauer:
14’
Widmung:
A Rafael Frühbeck de Burgos con la amistad de muchos años
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Hörbeispiele

Halfbéniz
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Seit Isaac Albeniz zu Beginn des 20. Jahrhunderts Iberia, dieses wunderbare Werk für Klavier geschrieben hatte, reizte viele Komponisten der Gedanke an eine Orchesterfassung. Dass sich Ravel, noch vor seiner Bearbeitung von Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, ebenfalls daran machte, aber aus unterschiedlichsten Gründen letztlich davon abließ, beweist die große Anziehungskraft dieser Idee.

Auch ich hatte mir einst Illusionen gemacht, diesen Versuch unternehmen zu müssen, doch bereits nach einigen wenigen Anläufen brachte mich ein wesentlicher Grund davon ab, mein Vorhaben zu Ende zu führen: Iberia ist sowohl in jedem Teil als auch in seiner Gesamtheit eine Musik, die aus dem Klavier und für das Klavier entstanden ist. Ohne dieses Instrument verliert das Werk seine grundlegende und authentische 'raison d'être'.

Um das Instrumentenspezifische dieser Musik zu bewahren, müsste man bei jeder Übertragung vom Klavier auf das Orchester in das Wesen des Werkes eingreifen. Nur so könnte man die Form, die Harmonie, die Melodik und die Spannungsstrukturen den Bedürfnissen anpassen, die ein Orchester als Klangkörper verlangt. Aber das wiederum würde bedeuten, das Werk an sich zu ändern, ohne zu wissen, ob dieser elementare Eingriff dem Werk auch wirklich zugute kommen würde.

Ich hatte den Gedanken an eine Hommage für Isaac Albeniz noch nicht verworfen, als ich von der 'Sociedad Estatal Nuevo Milenio' den Auftrag für eine Komposition erhielt, mit der ich der Bedeutung dieses Komponisten für das gesamte 20. Jahrhundert in Spanien Rechnung tragen wollte. Ich wählte dafür die Form eines Divertimento, das auf eine kurze Rhythmuszelle aufbaut. Diese Zelle wird dabei bis zu ihrer letzten Konsequenz entwickelt. Sie ist vom ersten Takt an vorhanden, bereits in einem Stadium der Entwicklung, die einsetzt, bevor ich dem Zuhörer die Zelle selbst präsentiert habe. Es handelt sich dabei um die ersten Takte von El Albaicín, die im letzten Drittel meines Werks in der Originalstruktur zu hören sind.

Es ging mir nicht darum, ein Thema mit Variationen zu schreiben. Meine Absicht bestand vielmehr darin, diese eine charakteristische Rhythmuszelle einem Auflösungsprozess zu unterziehen, sie unterschiedlichste Entwicklungen durchlaufen zu lassen, um damit mannigfaltige Zustände der Wirklichkeit zu erreichen, bevor sie zu ihrer Urform zurückfindet.

Bei der Entwicklung der Idee zu diesem Werk ließ ich mich von etwas leiten, was in der technischen Physik als 'Poincarésches Theorem der Wiederkehr' (théorème de récurrence de Poincaré) bezeichnet wird. Vereinfacht erklärt kann man sich ein Bild vorstellen, das, indem man es digitalisiert und verzerrt, in tausende Linien und Punkte aufgelöst wird, sodass das Ergebnis mit dem ursprünglichen Bild nichts mehr zu tun hat. Nach einer bestimmten Anzahl von Wiederholungen dieses Vorganges - nämlich ab 246 - entsteht aus diesen Linien und Punkten wieder das ursprüngliche Bild. Dieser Prozess, der in der Chaosforschung bekannt ist, diente mir als Ausgangsüberlegung.

Das Wortspiel, das meinen Namen mit dem des Meisters, dem meine Verehrung gilt, verbindet, wählte ich auch mit einer ganz bestimmten Absicht. Es muss uns demütig bewusst sein, dass wir von allem was wir schaffen in Wirklichkeit nur halbe ('half') Schöpfer sind. Der Rest unseres Werks resultiert aus Tradition, den jeweiligen Umständen, dem Umfeld und 'Plagiat' im erhabensten Sinn: denn wir verwenden Elemente - Klänge und Zeit - die Eigentum des Menschen sind, seit es ihn als solchen auf dieser Erde gibt. Und wer sich dieser Wahrheit nicht bewusst ist, ist sich auch nicht bewusst über das, was er tut, wodurch aus dem edlen Charakter dieses 'Plagiats' Diebstahl wird, der rechtlich verfolgt werden muss.

Cristóbal Halffter

Sonderausgaben

Halfbéniz

Cristóbal Halffter: Halfbéniz

Studienpartitur
für Orchester , 14’
Besetzung: 4 4 4 4 - 4 4 4 1 - Pk, Schl(4), Hf, Vl.I(16), Vl.II(14), Va(12), Vc(10), Kb(8)

Uraufführung

Ort:
Madrid
Datum:
23.02.2001
Orchester:
Orquesta Nacional de Espana
Dirigent:
Rafael Frühbeck de Burgos

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