Cristóbal Halffter: Memento a Dresden

Cristóbal Halffter Memento a Dresden
Memento a Dresden

Cristóbal Halffter: Memento a Dresden

Kompositionsjahr:
1994-1995
Untertitel:
4 Episoden
Instrumentierung:
für Orchester
Komponist:
Cristóbal Halffter
Instrumentierung:
4 4 4 4 - 4 4 4 1 - Schl(4), Str
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte
2. Flöte
3. Flöte (+ Picc.)
4. Flöte (+ Picc.
Afl.(G))
1. Oboe
2. Oboe
3. Oboe
4. Oboe (+ Eh.)
1. Klarinette in B
2. Klarinette in B
3. Klarinette in B
4. Klarinette in B (+ Bkl.(B))
1. Fagott
2. Fagott
3. Fagott
4. Fagott (+ Kfg.)
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in C (+ kl.Trp.)
2. Trompete in C
3. Trompete in C
4. Trompete in C
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
4. Posaune
Tuba
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
3. Schlagzeug
4. Schlagzeug
Violine I (16)
Violine II (14)
Viola (12)
Violoncello (10)
Kontrabass (8)
Dauer:
24’
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Hörbeispiele

Memento a Dresden
00:00

Werkeinführung

Als ich im August 1994 diese Arbeit in Angriff nahm, schwebte mir ein Werk vor, in dem die verschiedenen Instrumentalgruppen des Orchesters nacheinander Gelegenheit haben sollten, ihr Können unter Beweis zu stellen, das heißt die Holzbläser, das Blech, die Perkussionsgruppe und die Streichinstrumente, aber auch das Orchester sich in seiner Gesamtheit vorstellt.

Während meiner Arbeit erkannte ich mit immer größerer Klarheit die Bedeutung, die die Stadt Dresden in der europäischen und in der Weltkultur eingenommen hat, und das Stück, das ursprünglich als eine festliche Komposition geplant war, geschrieben zur Jubiläumsfeier eines ausgezeichneten Orchesters, wurde allmählich viel mehr als das, nämlich ein Werk, das sich zwischen zwei Ebenen bewegt, der festlichen und der transzendenten, und die ich beide nicht vernachlässigen wollte.

Der erste Satz, in dem die Blechbläser die Hauptrolle übernehmen, hat jenen festlichen Charakter, der einem Jahrestag zukommt. Diese Feier ist nicht nur durch äußere Freude gekennzeichnet, sondern durch eine Freude, die unserem tiefsten Inneren entspringt und zu der der 125. Jahrestag eines Orchesters im Dienst der Kultur einer Stadt der geeignete Anlaß ist. Der zweite Satz, 'Spiel' genannt, in dem die Schlaginstrumente die führende Rolle übernehmen, basiert auf der doppelten Bedeutung des Wortes 'Spielen' im Deutschen, einerseits das Spielen der Kinder, bei dem sie die Wirklichkeit eines Gegenstandes je nach Phantasie und Laune in eine andere verwandeln, und anderseits das Spielen eines Instrumentes, um Musik zu machen, was auch bedeutet, einer Partitur Leben zu geben, diese statische Wirklichkeit zu verwandeln in etwas, das in der Zeit lebt und das ohne diese Verwandlung nie wirklich existieren würde. Jedes musikalische Werk wird nur Musik, Wirklichkeit, wenn man mit ihm spielt und dies im höchsten Sinn des Wortes.

Während ich im Januar/Februar 1995 an diesem zweiten Satz arbeitete und ihn vollendete, wurden ständig Nachrichten über die Gedenkfeiern, die in Dresden stattfanden, veröffentlicht, da gerade in diesen Tagen der 50. Jahrestag jener tragischen Nacht begangen wurde, in der die schöne und bedeutende Stadt der Barbarei zum Opfer gefallen war. Es ging mir nicht aus dem Sinn, daß ich in der Ruhe meines Hauses gerade für die Stadt ein Werk schrieb, die 50 Jahre zuvor völlig zerstört und zum Symbol für etwas wurde, das nie hätte geschehen dürfen. Da ich meine Gedanken davon weder abwenden konnte noch wollte, ist der dritte Satz, in dem die Streich- und Holzblasinstrumente abwechselnd die Hauptrolle spielen, dem Gedenken aller jener gewidmet, die in dieser Schreckensnacht einer unverständlichen Handlung von Menschen gegen Menschen zum Opfer gefallen waren.

Der vierte Satz ist eine Zusammenfassung aller Ideen, die im Laufe der Entstehung des Werkes entwickelt wurden. Zwar weist er eigene musikalische Elemente auf, jedoch man erkennt in ihm die Charakteristika des ersten, zweiten und dritten Satzes. Wenn diese jedoch erscheinen, hört man sie in anderen Klangfarben, einer anderen Intensität und sogar in anderen Stimmlagen. Meine Absicht ist es, daß der Zuhörer diese Merkmale wohl wahrnimmt, aber gleichzeitig erkennt, daß sie nicht gleich klingen. Das heißt, er hört das Vorige wie in einem Spiegel, der uns die Wirklichkeit verändert zurückwirft, eine Wirklichkeit, die wir erkennen können, obwohl wir bemerken, daß sie nicht die gleiche ist....

....Trotz aller dieser Überlegungen, die Teil meines Werkes sind, so wie mein Werk Teil meines Lebens ist, meiner Art in bestimmten Gegebeheiten zu leben und mich in der Wirklichkeit einzurichten, möchte ich betonen, daß mein Memento für Dresden in erste Linie Musik ist. Seine klangliche Entwicklung gehorcht vor allem der Notwendigkeit, die sich aus den strengsten musikalischen Erfordernissen ergibt, denen meine eigenen ästhetischen Prinzipien über die Klangschönheit in unserer Zeit zugrunde liegen....

Cristóbal Halffter

Uraufführung

Ort:
Dresden
Datum:
13.01.1996
Orchester:
Dresdner Philharmonie
Dirigent:
Cristóbal Halffter

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