Cristóbal Halffter: Versus

Cristóbal Halffter Versus
Versus

Cristóbal Halffter: Versus

Kompositionsjahr:
1983
Instrumentierung:
für großes Orchester
Komponist:
Cristóbal Halffter
Instrumentierung:
4 4 4 4 - 4 4 4 0 - Schl(4), Str
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte
2. Flöte
3. Flöte
4. Flöte
1. Oboe
2. Oboe
3. Oboe
4. Oboe
1. Klarinette in B
2. Klarinette in B
3. Klarinette in B
4. Klarinette in B
1. Fagott
2. Fagott
3. Fagott
4. Fagott
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
3. Trompete in C
4. Trompete in C
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
4. Posaune
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
3. Schlagzeug
4. Schlagzeug
Violine I (16)
Violine II (14)
Viola (12)
Violoncello (10)
Kontrabass (8)
Inhaltsverzeichnis:
Antithesis
Synthesis
Thesis
Dauer:
36’
Mehr Weniger

Hörbeispiele

Versus
00:00

Werkeinführung

Im Jahre 1497 starb Prinz Juan als einziger männlicher Nachkomme von Ferdinand von Aragonien und Isabella von Kastilien, die als die Katholischen Könige in die Geschichte eingegangen sind. Als Folge dieser ehelichen Verbindung schlossen sich die verschiedenen Königreiche Spaniens zusammen und bildeten eine einzige Macht. Durch den frühen Tod des Prinzen Juan vollzog sich die Vereinigung jedoch nicht im Geiste der spanischen Bevölkerung. So sieht sich denn mein Land noch heute, 500 Jahre danach, vor das gleiche Problem gestellt, ohne dass in der Frage der Einheit und Verschiedenartigkeit eine klare Lösung gefunden worden wäre.

Aus Anlass des tragischen Ereignisses schrieb Juan del Enzina (1469 in Salamanca geboren, 1529 in León gestorben) als einer der bedeutendsten Musiker unter vielen seines Landes ein Madrigal für vier Stimmen. Darin beklagt er die Gegenwart (1497) und kündigt schwierige Zeiten an. Dieses wunderschöne Madrigal mit dem Titel Triste Espana sin ventura gehört zum Besten, was die Musik in der Renaissance hervorgebracht hat. Dann beginnt ein lang anhaltender und kläglicher Verfall, so als ob der Tod des Prinzen Juan und Juan del Enzinas Werk sich zusammengefunden hätten, um ein für die Zukunft entscheidendes historisches Ereignis aufzuzeigen. Der Schöpfer wusste den tragischen Vorfall in Musik umzusetzen und erkannte die entsprechenden Auswirkungen.

Versus baut auf diesem Madrigal auf. Versus entspricht aber auch einer alten Versform, welche verschiedene Refrains aufweist und als eine Art literarische Vorläuferin des Themas mit Variationen betrachtet werden kann. Was die musikalische Begleitung betrifft, so stelle ich in meiner Komposition das Thema des Madrigals als These dar, ziehe in der Antithese die Folgerungen aus dem, was die These umgibt, und vereine die beiden Konzepte in der Synthese.

Es wäre zu umfangreich, hier die rein musikalischen Abläufe zu erklären, auf die ich mich beim Schreiben des Werkes abgestützt habe. Die Komposition enthält zweifellos historische, kulturelle, ja sogar ideologische Bezüge, doch gibt sie schließlich einfach Musik wieder, welche die Schaffung eines Zeitraums in Form von Tönen bezweckt, die innerhalb dieser Zeit nach eigenen Bedürfnissen entstehen.

Es würde wohl wenig nützen, wenn der Zuhörer die Ursprünge und die technischen Abläufe zwar kennt, die eigentliche Musik aber dessen Aufmerksamkeit und Sensibilität während der Aufführung nicht hervorzurufen versteht. Selbst wenn sie noch so weit von meiner eigenen Auffassung entfernt ist, so akzeptiere ich in der Musik jede Interpretation. Musik kann uns anziehen durch emotionelles oder empfindungsmässiges Begreifen oder aber durch intellektuelles oder rationales Denken. Mein Ideal bestünde darin, den Zuhörer auf beiden Ebenen gleichzeitig zu fesseln. Aber eben weil es einer Idealvorstellung entspricht, ist dieses Ziel schwerlich zu erreichen, obwohl ich mir alle Mühe gegeben habe, es zu verfolgen.

Ich widme Versus Xavier Zubiri, dem 1983 verstorbenen, wohl wichtigsten spanischen Philosophen des 20.Jahrhunderts, ohne dessen menschliches und intellektuelles Vorbild es mir nie möglich gewesen wäre, dieses Werk oder auch einen Grossteil meiner anderen Kompositionen zu schaffen. Mein Dank richtet sich auch an die Tonhalle-Gesellschaft Zürich, die mir die Gelegenheit geboten hat, das Stück zu schreiben. Es ist im Sommer 1983 in Villafranca del Bierzo entstanden, in der Provinz von León also, wo Juan del Enzina gelebt und die meisten seiner Kompositionen geschrieben hat, wo aber auch ein anderer spanischer Komponist, der jetzt sein neuestes Werk vorstellt, sich um die Sorgen seines berühmten Vorgängers kümmert, indem er versucht, Musik, Kunst und Schönheit im Umfeld der historischen und sozialen Gegebenheiten seiner Zeit zu schaffen.

Cristóbal Halffter

Uraufführung

Ort:
Zürich
Datum:
15.05.1985
Orchester:
Tonhalle Orchester
Dirigent:
Cristóbal Halffter

Weitere Werke

Melden Sie sich für unseren Newsletter an!

Sie bekommen regelmäßig Informationen über neue Notenausgaben mit Gratis-Downloads, aktuelle Gewinnspiele und News zu unseren Komponistinnen und Komponisten.