David Fennessy: Sweat of the Sun

David Fennessy Sweat of the Sun
Sweat of the Sun

David Fennessy: Sweat of the Sun

Kompositionsjahr:
2015/2016
Untertitel:
nach „Eroberung des Nutzlosen“ von Werner Herzog
Instrumentierung:
für 2 Schauspieler, Vokalensemble und Orchester
Komponist:
David Fennessy
Librettist:
David Fennessy; Marco Štorman
Dichter d. Textvorlage:
Werner Herzog
Rollen:
2 Schauspieler (männlich und weiblich) (der männliche Schauspieler spielt auch das „Large Stringed Instrument“)
Chor:
Vokalensemble (2 Soprane, 1 Bariton, 1 Bass und 1 Solo-Mezzosopran)
Instrumentierung:
0 0 1 0 - 0 0 3 0 - Schl(2), Cel, E-Git, Comp Perf, Str(4 4 3 3 2)
Instrumentierungsdetails:
Klarinette in B (+KbKl(B))
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
1. Schlagzeug (+Table Guitar)
2. Schlagzeug (+Table Guitar)
Celesta (+Table Guitar)
Elektro-Gitarre (+Table Guitar)
Computer Performer
Violine I(4)
Violine II(4)
Viola(3)
Violoncello(3)
Kontrabass(2) (+„Large Stringed Instrument“)
Commission:
Commissioned by the City of Munich for the Münchener Biennale – Festival for New Music Theatre – financed by the Ernst-von-Siemens-Musikstiftung.
Anmerkungen:
Libretto von Werner Herzog, C. Hanser Verlag
Dauer:
75’
Widmung:
for Dietmar Wiesner
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

1982 drehte der deutsche Regisseur Werner Herzog den Film Fitzcarraldo. Herzog kommentiert den Filmdreh in einem Tagebuch, das unter dem Titel Eroberung des Nutzlosen veröffentlicht wurde. Das messianische Pathos von Sprache und Bildern, durch die im Tagebuch die Vorgänge geschildert werden, steht dem Bewusstsein der Nutzlosigkeit des Vorhabens gegenüber. Das Musiktheater Sweat of the Sun ist ein Zoom in den Kopf eines Besessenen. Die radikal subjektive Perspektive des Textes Eroberung des Nutzlosen wird im Musiktheater Sweat of the Sun intensiviert, gebrochen und erweitert in eine dreidimensionale Darstellung in Raum, Szene und Klang. Die Aufführung bildet eine „Landschaft” aus Orchester, Schauspieler* innen, Sänger*innen und Publikum: aus ihr entfaltet sich die Erzählung des Protagonisten, sie ‚ist’ gleichsam seine Erzählung.


Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass alle in Sweat of the Sun behandelten Gedanken, Bilder und Ideen ihren Ausgang in Werner Herzogs Sammlung von Tagebucheinträgen nehmen, die unter dem Titel Eroberung des Nutzlosen erschien. Letztlich war dies jedoch nur eine Komponente in einer reichen Palette von Einflüssen, zu denen der Film Fitzcarraldo ebenso zählt wie Les Blanks Dokumentation Die Last der Träume, Verdis Rigoletto, Tonaufnahmen von peruanischen Muschelhornspielern, Griechische Mythen, die Passion Christi, Monochord Theorien, bayerische Volkslieder ...

Es scheint als entfernte man sich immer mehr von den Einzelheiten der Handlung, je weiter man in den Text eindringt. Stattdessen schlägt einen etwas Tieferes und Zwiespältigeres in den Bann, das mit der inneren Erlebniswelt des Protagonisten zu tun hat, der auf der Suche ist nach … etwas.

Sweat of the Sun umfasst drei Teile. Musikalisch besteht der erste aus zwei unterschiedlichen Elementen – zunächst aus allem, was sich außerhalb des Protagonisten befindet; der Umwelt, wenn man so will. Und zweitens aus dem, was in ihm vorgeht; seinen Beweggründen. Das Äußere wird dargestellt durch einen umfassenden Vielklang an Stimmen, realen und imaginierten; das Innere hingegen wird vom Klang der Streicher in sehr körperlicher und rauer Weise personifiziert. Ein langsames und unaufhaltsam aufsteigendes Glissando zieht sich als eine Art Motiv durch das ganze Stück.

Der zweite Teil wird von all dem charakterisiert, das der erste nicht ist. Dieser Teil ist leise, ruhig und entfernt. Ich hatte einen „Garten Gethsemane” vor Augen und sah die Gelegenheit, musikalisch in die von Herzogs Prosa beschworenen Bilder einzutauchen. Ein Mezzosopran führt uns durch diese Fieber-Traum-Landschaft. Der Unterschied zwischen Wirklichem und Unwirklichem wird völlig aufgehoben und wir betreten das Reich des Sinnlichen.

Der dritte Teil „springt” zurück in die Realität, oder zumindest die Realität der zu bewältigenden Aufgabe – das Schiff über den Berg zu bekommen. Die Präsenz eines überaus großen und etwas beängstigenden Instruments (oder ist es eine Maschine?) auf der Bühne wirft die Frage auf: Was tun damit?! Anstatt eines Versuchs, die bloße Kraft und physische Anstrengung darzustellen, die die Fortbewegung des Schiffes erfordert, wollte ich etwas für das Konzept des Werkes Grundlegenderes erkunden – die Sinnlosigkeit und Absurdität des Unterfangens. Unser Protagonist hat seinen Traum verwirklicht, sich aber vielleicht auch mit dessen Vergeblichkeit abgefunden.

Im Epilog von Eroberung des Nutzlosen äußertHerzog den Wunsch, dem „Strudel der Worte” endgültig zu entfliehen. In Anlehnung daran wird in Sweat of the Sun die gesprochene (oder gesungene) Sprache entbehrlich und übrig bleibt nur noch Aktion. Der Protagonist bleibt allein zurück – und spielt sein Instrument.

David Fennessy

Sonderausgaben

Sweat of the Sun

David Fennessy: Sweat of the Sun

Studienpartitur
für 2 Schauspieler, Vokalensemble und Orchester , 75’
Besetzung: 0 0 1 0 - 0 0 3 0 - Schl(2), Cel, E-Git, Comp Perf, Str(4 4 3 3 2)

Uraufführung

Ort:
München
Datum:
28.05.2016
Orchester:
Münchener Kammerorchester
Dirigent:
Alexander Liebreich

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