David Sawer

David Sawer Biographie

David Sawer studierte zunächst Musik an der University of York und erhielt dann ein DAAD-Stipendium für ein Studium in Köln bei Mauricio Kagel. 1992 wurde ihm das Fulbright-Chester-Schirmer-Stipendium für Komposition zuerkannt, 1993 folgte ein Preis der Paul Hamlyn Foundation, und 1995 ein Kompositionsstipendium der Arts Foundation. 1996 war David Sawer „Composer in Association" der Bournemouth Orchestras; 2006 erhielt er ein Civitella Ranieri-Stipendium.

Sein erstes groß angelegtes Orchesterwerk Byrnan Wood wurde 1992 bei den BBC Proms uraufgeführt und vom Label NMC mit dem BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Andrew Davis herausgebracht. Das gleiche Orchester spielte 1995 auch die Uraufführung seines Trumpet Concerto. 1997 präsentierte das BBC National Orchestra of Wales zum ersten Mal the greatest happiness principle in Cardiff und bei den BBC Proms. Tiroirs, ein Auftragswerk des Michael Vyner Trust für das London Sinfonietta, wurde in Europa, in den USA und bei den ISCM World Music Days 1998 aufgeführt.

Dramatische Elemente und die Begeisterung für die Möglichkeiten des Theaters sind in vielen seiner Werke gegenwärtig. Seine Radiokomposition Swansong, ein Kommentar aus Worten und Musik zu einer Kurzgeschichte von Hector Berlioz, wurde 1990 mit dem Sony Award ausgezeichnet. In Byrnan Wood liefert das Bild aus Macbeth, in dem Malcolms als Wald getarnte Armee gegen Macbeths Schloss Dunsinane vorrückt, eine erste abstrakte Idee - Klänge, die im Zuge ihrer Bewegung durch das Orchester eine Selbsttransformation durchmachen. Cat´s-Eye wurde von Richard Alston für das Ballet Rambert choreographiert, und Hollywood Extra, für das Matrix Ensemble als Begleitung eines expressionistischen Stummfilms geschrieben, nahm das Asko Ensemble mit auf die Contemporary Network Tour.

Für die Bühne arbeitete er mit Dramatikern wie Edward Bond, Nick Dear und Paul Godfrey und schrieb zwei Opern: den Einakter The Panic für die Garden Venture des Royal Opera House und From Morning to Midnight, ein abendfüllendes Auftragswerk der English National Opera, das 2001 im Londoner Coliseum uraufgeführt und den Laurence Olivier Award für herausragende Leistung im Bereich Oper ausgezeichnet wurde.

Weitere Werke aus jüngerer Zeit sind ein Klavierkonzert für Rolf Hind und das BBC Symphony Orchestra, das 2003 den Composer Award der British Academy in der Kategorie Orchester gewann und Stramm Gedichte für den New London Chamber Choir und James Wood sowie Rebus, ein Auftragswerk der musikFabrik.

Eine CD mit vier Werken für Orchester mit dem BBC Symphony Orchestra und der Birmingham Contemporary Music Group unter der Leitung von Martyn Brabbins und Susanna Mälkki erschien im Jahr 2007 beim Label NMC.

David Sawers dreiaktige satirische Oper Skin Deep nach einem Libretto des Satirikers Armando Iannucci wurde 2009 an der Opera North uraufgeführt und danach in Leeds, London, Salford, Newcastle, Glasgow, Bregenz und Kopenhagen gezeigt. Im gleichen Jahr wurde auch Rumpelstiltskin, ein Ballett für Tänzer und Ensemble, zum ersten Mal von der Birmingham Contemporary Music Group aufgeführt.

Im Rahmen der Feierlichkeiten für Königin Elisabeths Diamant-Jubiläum wurde Sawers Chorwerk Wonder im Juni 2012 im York Minster uraufgeführt. Die Uraufführung von Flesh and Blood für Mezzosopran, Bariton und Orchester fand im Februar 2013 statt, es spielte das BBC Symphony Orchestra. Die Birmingham Contemporary Music Group gab die Uraufführung der Rumpelstiltskin Suite im April 2013 in der Wigmore Hall. Sawers The Lighthouse Keepers für zwei Schauspieler, Ensemble und Tonband nach einem Text von Paul Autier und Paul Cloquemin wurde am 04.07.2013 ebenfalls von der Birmingham Contemporary Music unter Martyn Brabbins in Cheltenham präsentiert.

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Über die Musik

Drama in Musik

Es sind die Reinheit und Genauigkeit von David Sawers Musik, die sich rastlos verwandelnde, funkelnde, wirbelnde Oberfläche seiner stets glänzenden Klangströme, die das Ohr sofort für sich einnehmen.

Doch schon nach wenigen Augenblicken spürt man, dass es unter der Unmittelbarkeit der sich wandelnden Flächen dieser Musik, in den dunkleren, kälteren, sich langsamer bewegenden Gewässern darunter, seltsame Schatten gibt, Umrisse, die auf eine ganz andere Aussage verweisen.

Die faszinierende Reinheit, die Sawer vorrangig vermittelt, entsteht aus seiner Genauigkeit des Hörens und vor allem auch dadurch, wie er selbst einfachste Ideen immer so instrumentiert, dass sie zum Ausdruck kommen. Wenn man diese Stücke hört, fühlt man sich mitunter überraschend nahe an die Ursprünge des Klangs geführt, an das körnige Gefühl des Bogens auf den Saiten oder das Flattern von Atem und Blatt. Dieser Komponist erinnert den Hörer immer daran, wie Musik gespielt wird.

Auch die Substanz seiner Musik – die melodischen, harmonischen und rhythmischen Mosaiksteine, aus denen sie sich zusammensetzt – weist eine ausgeprägte Reinheit auf. Rezensenten erwähnen im Zusammenhang mit Sawer manchmal Jazz und Strawinsky. Obwohl seine Musik diese Einflüsse erkennen lässt, klingt sie vollkommen anders. Würde man einen einzelnen Akkord in einem von Sawers Werken mit dem Messer aufschneiden, fände man einen Sekundenbruchteil voll ruhiger Transparenz, viel einfacher als bei einem Akkord von Ellington, Gil Evans oder Strawinsky.

Dass Sawers scheinbare Schlichtheit alles andere als einfach ist, zeigt sich nicht vordergründig im vertikalen Klang der Musik, sondern in der lebhaften und unberechenbaren Art, wie der Komponist seine vielfältigen Ideen atemlos erschafft und aneinanderreiht.

Ein großer Teil seiner Kunstfertigkeit liegt in seinem hervorragenden Zeitgefühl begründet. Was in Sawers Musik passiert, erschließt sich während des Hörens, und fast nie – wie in der Musik so vieler anderer Komponisten unserer Zeit – durch die Verknüpfung mit einem metamusikalischen Bezug außerhalb dessen, was wir unmittelbar verstehen können.

Sawers Aneinanderreihungen führt oftmals zu ziemlich unerwarteten Wendungen. Das versetzt uns in eine Geschichte, der wir gespannt zuhören und wir sind neugierig darauf, was im nächsten oder übernächsten Takt passieren wird.

Sawer hat darauf hingewiesen, dass sein Zugang zum Komponieren aus dem Theater kommt. ‚Ich bin ein Mensch des Theaters!’, sagt er. Folglich hat er auch mehrere Werke speziell für die Bühne geschrieben. So die abendfüllende Oper From Morning to Midnight, die Operette Skin Deep, Begleitmusik zu Stummfilmen, Musik für Silent Theatre und Musik für Performances von Schauspielern und Instrumentalisten.

In vielen seiner Kompositionen werden aber auch dramatische Elemente aufgegriffen und in rein musikalischer Form verarbeitet. In seinem frühen Orchesterwerk Byrnan Wood bezieht er sich zum Beispiel auf eine sehr bekannte Geschichte aus ‚Macbeth’. Einige spätere Werke, zum Beispiel the greatest happiness principle oder das üppig lakonische Klavierkonzert für Rolf Hind, bleiben geheimnisvoll und fordern unsere eigene Vorstellungskraft heraus, da zu dem dramatischen Geschehen in der Musik kein solcher erklärender Schüssel gegeben wird. Es ist eine Eigenschaft des Dramas, sich dem Bekenntnis zu entziehen. Wir gehen nicht zu ‚Hamlet’ oder zu ‚Otello’, um etwas über die privaten Gefühle des Autors zu erfahren, sondern um die Konflikte und das Spiel widersprüchlicher Charaktere und Kräfte zu erleben.

So verhält es sich möglicherweise auch mit den dunkleren Gestalten und Schatten unter der Oberfläche von David Sawers Musik. Die Bedeutung dessen, was in einem Schauspiel passiert – die Konturen und Schatten sozusagen – findet sich nicht in der Person des einzelnen Schauspielers, sondern im ‚leeren’ Raum zwischen und hinter den Darstellern.

Die strahlenden und verspielten musikalischen Ideen, die durch die bezaubernden Oberflächen so vieler von Sawers Partituren tanzen, sind wie Schauspieler. Wenn wir anfangen, ihnen aufmerksam zuzuhören, beginnen wir, die dunklere Welt, die dahinter und darunter liegt, wahrzunehmen.

(Gerard McBurney)

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