Frank Martin: Ballade

Frank Martin Ballade
Ballade

Frank Martin: Ballade

Instrumentierung:
für Violoncello und Klavier
Komponist:
Frank Martin
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Werkeinführung

Die Ballade für Violoncello und kleines Orchester ist die fünfte der sechs Balladen, die Martin für Soloinstrument und Orchester komponierte. Ihr gingen die Balladen für Altsaxophon, Klavier, Flöte und Posaune voran; später folgte die Ballade für Bratsche (1972). Wie bei allen Balladen versuchte Martin auch hier eine Musik schaffen, die gleichzeitig „informell und episch“ wirkt und eine erzählende Reihe aneinandergereihter Episoden darstellt. Die Ballade pour violoncelle, die auch in einer gleichberechtigten Fassung für Violoncello und Klavier vorliegt, entstand nach der höchst persönlichen  Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik, die sich in Le vin herbé niederschlug, und ist ebenso von jener düsteren Stringenz, die die Werke seiner Reifezeit kennzeichnet.

Später beschrieb der Komponist sein Werk wie folgt: „Die vorliegende Ballade wurde 1949 zur gleichen Zeit wie das Konzert für sieben Blasinstrumente komponiert. Die Klavier- und die Orchesterfassung sind beide original, denn beim Komponieren nahm ich sowohl die Orchesterpartitur als auch den Klavierpart gleichzeitig in Angriff. Ich hätte das Werk auch Concertino oder Konzertstück nennen können, doch schließlich gab ich der Bezeichnung ‚Ballade‘ den Vorzug, die das Werk mit verschiedenen anderen, ähnlich betitelten früheren Werken für Saxophon (1939), Flöte (1939), Klavier (1939) und Posaune (1940) verbindet. Am Anfang stützt sich das Werk auf eine ausgedehnte Klangrede für das Violoncello in Doppelgriffen, die am Ende – umspielt von raschen Verzierungen im Orchester – wiederkehrt. Zwischen diesen beiden Stützen gibt es verschiedene Episoden – leicht, lyrisch, leidenschaftlich – die insgesamt eine äußerst freie formale Anlage ergeben, die die Klassiker wohl als ‚Fantasie‘ bezeichnet hätten, wobei dieser Begriff nicht etwa das Fehlen des Konstruktiven bedeutet, sondern vielmehr eine Form impliziert, die nicht an herkömmliche Modelle anknüpft. Der eigentliche Charakter dieser Ballade wird vielleicht am ehesten durch die Begriffe ‚lyrisch‘ und ‚episch‘ zum Ausdruck gebracht.“

Die Uraufführung wurde am 17. November 1950 in Zürich vom Cellovirtuosen und Gamba-pionier August Wenzinger und dem Collegium Musicum unter Paul Sacher bestritten. Trotz der bedrückten Grundstimmung des Werkes wurde die Aufführung von Publikum und Presse triumphal gefeiert und als weiterer Beweis für den europäischen Rang des Komponisten gewürdigt. Nicht untypisch war die Reaktion des Rezensenten des Neuen Winterthurer Tagblatts (20. November 1950): „Still, fast düster, später energisch sich aufraffend, erhebt das Cello monologartig seine Stimme; das Orchester gibt nur den Hintergrund, in dem sich einzelne klagende Stimmen hörbar machen, bis allmählich die Streicher die Stimmung aufhellen. Aus dem Monolog wird ein Dialog zwischen Solo und Orchester, der sich zu größerer Erregtheit steigert, die durch eine Art Tanz unterbrochen wird; neue Erregung schwillt an, ebbt wieder ab, die Flöte leitet eine kurze Idylle ein, das Cello nimmt das Lied auf, das sich zu einer Art Totenklage ausweitet, in verschärfter Rhythmen kehrt der Tanz wieder, neue Ruhepunkte werden gewonnen und schließlich ein ganz stiller Ausklang erreicht. Das Ganze – ein Werk von etwa 20 Minuten Aufführungsdauer – ist von echt balladeskem Charakter und von einer ungewöhnlichen Stimmungsdichte.“

Seitdem hat die Ballade für Violoncello einen festen, wenn auch nicht sonderlich markanten Platz im Repertoire gewonnen, vor allem in der Klavierfassung, die in denkwürdigen Einspielungen u.a. vom Britten-Pears Ensemble und besonders vom Cellisten Henri Honegger mit dem Komponisten selber am Klavier vorliegt.

Bradford Robinson, 2006

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