Franz Schreker: Das Spielwerk und die Prinzessin

Franz Schreker Das Spielwerk und die Prinzessin
Das Spielwerk und die Prinzessin

Franz Schreker: Das Spielwerk und die Prinzessin

Kompositionsjahr:
1908/1909-1912
Untertitel:
Oper in 1 Vorspiel und 2 Aufzügen
Version:
Urfassung
Komponist:
Franz Schreker
Librettist:
Franz Schreker
Rollen:
Meister Florian, Bariton Die Prinzessin, Sopran Ein wandernder Bursche, Tenor Wolf, Bassbariton Die Graben-Liese, Alt Der Kastellan, Bass Der erste Mann, Bass Der zweite Mann, Bass Der dritte Mann, Bass Der vierte Mann, Tenor Erster Bürger, Bass Zweiter B
Chor:
SATB
Instrumentierung:
4 3 4 3 - 6 3 3 1 - Pk, Schl(6), Hf(2), Cel, BaHn, Git, Str - Bühnenmusik: 3 4 3 0 - 6 3 0 0 - Pk, Schl(7), Hf, Harm, Cel, Org, BaHn, Str
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte
2. Flöte
3. Flöte (+Picc)
4. Flöte (+Picc)
1. Oboe
2. Oboe
3. Oboe (+Eh)
kleine Klarinette in Es (+Kl(D)
Kl(B)
Kl(A))
1. Klarinette in A (+Kl(B)
Kl(Es))
2. Klarinette in A (+Kl(B))
Bassetthorn
Bassklarinette in B
1. Fagott
2. Fagott
Kontrafagott
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
5. Horn in F
6. Horn in F
1. Trompete in C (+Trp(F))
2. Trompete in C (+Trp(F))
3. Trompete in C (+Trp(F))
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
Basstuba
Pauken
Schlagzeug: 6 Spieler (Xylophon, 2 Glockenspiele, tiefe Glocken, antike Zimbeln, Kastagnetten, 2 Triangel, Becken, Tam-Tam, Rute, Tamburin, 2 kleine Trommeln, Rührtrommel, große Trommel, )
1. Harfe
2. Harfe
Celesta
Gitarre
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
Bühnenmusik: 1. Flöte (+Picc
auch solo)
2. Flöte (+Picc)
3. Flöte
Bassetthorn in F (solo, anstatt Flöte)
1. Oboe
2. Oboe
kleine Klarinette in Es
1. Klarinette in A (+Kl(B))
2. Klarinette in A (+Kl(B))
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
5. Horn in F
6. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
3. Trompete in C
Pauken
Schlagzeug: 7 Spieler (Xylophon, 2 Glockenspiele, Triangel, Becken, Tamburin, große Trommel, Becken, Ratsche)
Harfe
Celesta
Harmonium
Orgel
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
Dauer:
100’
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Hörbeispiele

Das Spielwerk und die Prinzessin
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Dies Werk soll einige Worte mit auf den Weg bekommen. Die außerordentliche Musikmöglichkeit des Stoffes hat mich ihn finden lassen. Seine Mängel sind mir nicht unbekannt. Die Symbolik des Spielwerkes deutlich zu erfassen, wird nicht jedermanns Sache sein und manch Einer wird – und mit Recht – Symbolik auf der Bühne überhaupt zum Teufel wünschen. Jedoch – um die „Oper” als Kunstform ist es ein eigen Ding. Nicht Fisch, nicht Fleisch – nicht Drama, nicht absolute Musik, appelliert sie in erster Linie an Gehör und Auge. Äußerliche Vorkommnisse, eine Handlung, die Pantomime sein könnte, in Verbindung mit Pracht und Farbenglanz der Szene, Aufzüge, Tanz und zu allem eine lebensvolle Musik, bestrickend, erregend, blühender Klang, dies sind nach meinem Gefühl die Elemente, die die Wirkung eines Opernwerkes verbürgen. Was verschlägt’s, wenn der Text tief ist und symbolische Deutung zulässt, wenn er sie nur nicht bedingt! Selbst idealste Aufführungen, sorgfältigste Deklamation von Seiten der Sänger vermögen es nicht, uns ohne Zuhilfenahme des Textbuches bei erstmaligem Hören vollkommen über die Handlung zu orientieren. Und ist das Publikum aber einmal soweit gebracht – und sein größter Teil ist es bereits jetzt – sich vor Anhörung einer Oper mit deren poetischem Inhalt vertraut zu machen, so wird ihm ein Text, der der Musik weitesten Spielraum gewährt, zur Klärung und anderseits zur Vertiefung, ein Text, der mit der Musik als dramatischem Faktor rechnet, doppelte Anregung bieten. Denn eine Oper zu schreiben, die die Musik als Aufputz und Beiwerk erfordert, ihr nichts Selbständiges mehr zu tun übrig lässt, würde mir widerstreben; und ein Sujet zu vertonen, in welchem der Grundgedanke nicht ein absolut die Musik erheischender – nein – die Musik selber ist, erst recht.

So schrieb ich den Fernen Klang, dessen tragendes Motiv jenes durch die Liebe oder auch Leidenschaft geweckte innere Klingen ist, das allein im Stande, uns zu großen Taten zu begeistern, und von dem uns in sinnfälliger Weise, rauschend und raunend, die Natur, ja, all das brausende Leben in seiner Vielgestalt erzählt. So schrieb ich das Märchen von der Prinzessin und dem Spielwerk, einem seltsamen Resonanzwerk, das selige Einfalt zu sphärenhaft lieblichem Erklingen bringt und in dem irdische Sehnsucht Taumel, Rausch und endliches Verderben auslöst. Alles Unechte, Falsche, und gebe es sich noch so verschnörkelt und gleißend, weckt grauenhaftes Mißgetön. Den erhabenen, himmlischen Klang aber, das große, hehre Tönen in dem Werk – nach dem Willen seines Schöpfers – zu wecken – ist irdischen Leidenschaften versagt. Die große Erfüllung, das Erhabene, dem keine Ernüchterung, keine Enttäuschung mehr folgt – bringt nur der Tod. Und die Prinzessin? Sie mag die Sehnsucht sein oder die Schönheit, die Liebe selbst oder alles zusammen, sicher ist sie das, was auf Erden nach Vollendung strebt; aber nach jener Vollendung, die das Endziel allen Seins nicht in Askese und Entsagung, sondern in göttlichster Freude zu finden glaubt. Aber ob es mir gelungen ist, all dies in überzeugender Weise zum Ausdruck zu bringen, vermag ich selbst nicht zu beurteilen. Doch dies Werk steht und fällt mit seiner Eigenart, und wer ihr nicht nachkommt, für den ist es unergründlich und verloren.

Franz Schreker


Ich las eine Zeitungsnotiz. Ein greiser, berühmter Violinvirtuose kehrt in seine Heimat zurück. Irgendwo in Spanien ein kleines Dorf. Und am Abend versammelten sich die Einwohner des Dörfchens vor dem Häuschen ihres Landsmannes mit Fackeln und Lampions – ihm zu huldigen. Da trat der greise Künstler, die Geige unterm Arm, tiefbewegt heraus auf die Terrasse des Häuschens und spielte der atemlos lauschenden Menge bis in die sinkende Nacht hinein all seine Weisen. Ich selbst las dies in den Weingärten Grinzings an der Peripherie des großen Wien an einem herrlichen Sommerabend. In seltsam chaotischem Klingen tönte das Glockengeläute von allen Türmen der Stadt herüber. Und im glühenden Rot der scheidenden Sonne erstanden meinem Auge die vagen Umrisse eines Schlosses. Und in das offene Tor jenes Schlosses unserer fernsten Träume sah ich ihn hinschreiten, in jünglingshafter Gestalt, den greisen Künstler auf der Höhe seines Lebens. Diese beiden in Eins zusammenfließenden Stimmungen ergaben – seltsamerweise – die erste Idee zur Konzeption meiner Oper Das Spielwerk und die Prinzessin. Ich vollendete das Werk an einem anderen Abend. Da feierte Wien ein großes Fest. Alle Gebäude erstrahlten in feenhaftem Glanze. Ein mittelalterlicher Festzug, hundert Musikkapellen, eine brausende Menge durchzog die Straßen, die Glocken dröhnten. Und ich – fieberhaft schreibend – sah mich plötzlich eingekeilt in furchtbarem Gedränge. Schreie ertönten, eine entsetzliche Panik erfaßte die Menge. Ich entkam mit knapper Not einer Gefahr, deren Größe mir erst zum Bewußtsein kam, als ich erfuhr, daß der Tod Einkehr gehalten und alle Festfreude jäh zerstört hatte.

Franz Schreker, Musikblätter des Anbruch, 2. Jahrgang, Nummer 16; 2. Oktober-Heft 1920

Sonderausgaben

Das Spielwerk und die Prinzessin

Franz Schreker: Das Spielwerk und die Prinzessin

Dirigierpartitur
, 100’
Besetzung: 4 3 4 3 - 6 3 3 1 - Pk, Schl(6), Hf(2), Cel, BaHn, Git, Str - Bühnenmusik: 3 4 3 0 - 6 3 0 0 - Pk, Schl(7), Hf, Harm, Cel, Org, BaHn, Str

Uraufführung

Ort:
Frankfurt am Main
Datum:
15.03.1913

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