Franz Schreker: Der Schatzgräber

Franz Schreker Der Schatzgräber
Der Schatzgräber

Franz Schreker: Der Schatzgräber

Kompositionsjahr:
1915-1918
Untertitel:
Oper in 1 Vorspiel, 4 Aufzügen und 1 Nachspiel
Komponist:
Franz Schreker
Librettist:
Franz Schreker
Thematische Analyse:
Richard Specht
Rollen:
Der König, hoher Bass Die Königin, stumme Rolle Der Kanzler, Tenor Der Graf, Bariton Der Magister, Bass Der Narr, Tenor Der Vogt, Bariton Der Junker, Bariton oder hoher Bass Elis, Tenor Der Schultheiß, Bass Der Schreiber, Tenor Der Wirt, Bass Els, Sopran
Chor:
SATB Im Orchestergraben: Mezzosopran, 1. Alt, 2. Alt
Instrumentierung:
3 3 3 3 - 4 3 3 1 - Pk, Schl(4), hohe Gl, Hf(2), Cel, Str; Bühnenmusik: 3 Hr, 3 Trp
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte
2. Flöte
3. Flöte (+Picc)
1. Oboe
2. Oboe
Englischhorn
1. Klarinette in A (+Kl(B))
2. Klarinette in A (+Kl(B))
Bassklarinette in B
1. Fagott
2. Fagott
Kontrafagott
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
3. Trompete in C
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
Basstuba
Pauken
Schlagzeug (4)
hohe Glocken
1. Harfe
2. Harfe
Celesta
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
Bühnenmusik: 1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
3. Trompete in C
Scenery:
6
Dauer:
145’
Widmung:
der Stadt Frankfurt am Main und ihrem Opernhause in Dankbarkeit zugeeignet
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Hörbeispiele

Der Schatzgräber
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Der Schatzgräber galt als eine der meistgespielten Opern der Weimarer Republik und bescherte Schreker den größten Bühnenerfolg überhaupt. Zwischen 1920, dem Uraufführungsjahr, und 1932 sind 385 Vorstellungen in 50 verschiedenen Städten nachgewiesen. Durch den Nationalsozialismus als „entartet“ gebrandmarkt, geriet die Oper in Vergessenheit und erlebte erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts eine Renaissance. Schreker verfasste das Libretto selbst, angeregt durch die Begegnung mit einem jungen Mädchen, das ihm Volkslieder und Balladen zur Lautenbegleitung vortrug. Der große Bühnenerfolg wurde sicherlich durch die Märchenhaftigkeit der Dichtung hervorgerufen, vor allem aber ist er musikalisch begründet: Ohne je trivial zu sein, ist Schrekers Musik zum Schatzgräber schlichter, harmonisch einfacher als die seiner früheren Opern(?). Keine andere seiner Opern erreichte dieses Maß an Volkstümlichkeit. Die vergleichsweise transparente Orchestersprache und die vollständig tonale, aber immer noch chromatische Harmonik versöhnten selbst die konservativsten Geister, die von der klanglichen Üppigkeit seiner anderen Opern überfordert waren.

Die Geschichte der Oper spielt im Märchen-Mittelalter und erzählt von einer kränkelnden Königin, deren Schmuck verschwand, der ihr Schönheit und Fruchtbarkeit verleiht. Auf Rat seines Narren setzt der besorgte König den fahrenden Sänger Elis als Sonderermittler ein, dessen Wunderlaute verborgene Schätze aufzuspüren vermag. In einem Wirtshaus begegne sich Elis und Els. Els, eine Schreker-typische Femme fatale, wird von ihrem Vater verkuppelt, doch sie graut sich vor ihrem Bräutigam und lässt ihn am Polterabend von ihrem Knecht Albi ermorden. Zuvor aber soll er ihr als Brautgeschenk den Schmuck der Königin besorgen. Elis schenkt Els eine Smaragdkette, die er im Wald gefunden hat. Beide verlieben sich ineinander. Als der Mord an Els‘ Bräutigam entdeckt wird, verdächtigt man Elis. Seiner Hinrichtung entgeht er nur, weil der König seiner Hilfe bedarf, um den Schmuck der Königin wieder zu finden. Elis ahnt nicht, dass dies jener Schmuck ist, den er Els geschenkt hat. Um zu verhindern, dass Elis den Schatz der Königin bei ihr findet, lässt Els ihm von Albi seine Wunderlaute stehlen. Nach einer rauschenden Liebesnacht übergibt sie Elis den Schmuck unter der Bedingung, dass er sie nie nach dessen Herkunft frage. Während Elis am Königshof gefeiert wird, gesteht Albi, Els‘ Freier ermordet und die Laute gestohlen zu haben. Els soll getötet werden, doch der Narr erinnert den König an sein Versprechen. Er wählt Els zu Frau. Als sie im Sterben liegt, holt der Narr Elis, der für sie ein letztes Lied singt. Sie stirbt in seinen Armen.


Ich bewohnte vor einigen Jahren mit meiner Familie ein kleines Haus im Semmeringgebiet. Das gehörte seltsamen Leuten. Sie waren weit gereist und hatten sich aus aller Herren Länder alles mögliche zusammengetragen. Da gab es ein altfränkisches, ein persisches, ein türkisches Zimmer, eine mit allem möglichen phantastischen Kram, ausgestopftem Tierzeug angefüllte Jagdstube in der Mansarde – doch das reizvollste waren zwei Siebenbürger Bauernzimmer im Erdgeschoß. Mit einem jener riesigen Ofen, die verwachsen scheinen mit einer anheimelnden Ofenbank, wundervollen Schränken; an den Wänden verstreut uralte Waffen, Gewänder, Kostüme in grellen Farben, getrocknete Maiskolben, Zinngeschirr, Krüge, Teller und ein Schrank, aus dem glitzerte zwischen vergilbten Schleiern und Brautkränzen. Schmuck aller Art. Wir saßen – es war spät abends – alle um den Tisch; das flackernde Licht der Kerzen eines eisernen Kronleuchters, der von der Decke herabhing, gab dem Raum etwas gespenstisch mittelalterliches. Und herein trat ein junges Mädchen unserer Bekanntschaft in gewollt phantastischem Kostüm, eine Laute, von der viele bunte Bänder flatterten, im Arm. Und sie sang mit leiser, rührender Stimme alte deutsche Volkslieder, vergessene Balladen. Es kam eine seltene Stimmung über uns alle. Meine liebe alte Mutter hatte nasse Augen und ich selbst, ich blickte durch Tränen wie durch Kristall: die Stube wurde zur Szene. Das Mädchen – sie hieß Else – wandelte sich seltsam. Die Laute prangte in den Händen eines schonen Jünglings, die Hellebarden an den Wänden bekamen Träger, die Zinnkrüge füllten sich mit schäumendem Wein, und aus dem Schrank gleißte in überirdischer Pracht ein königlich Geschmeide. In dieser Stunde ward mir die ganze Handlung meiner Oper Der Schatzgräber.

Franz Schreker, Musikblätter des Anbruch, 2. Jahrgang, Nummer 16; 2. Oktober-Heft 1920

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Sonderausgaben

Der Schatzgräber

Franz Schreker: Der Schatzgräber

Partitur
, 145’
Besetzung: 3 3 3 3 - 4 3 3 1 - Pk, Schl(4), hohe Gl, Hf(2), Cel, Str; Bühnenmusik: 3 Hr, 3 Trp

Uraufführung

Ort:
Frankfurt am Main
Datum:
21.01.1920
Orchester:
Orchester der Oper Frankfurt
Dirigent:
Ludwig Rottenberg

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