Friedrich Cerha: Curriculum

Friedrich Cerha Curriculum
Curriculum

Friedrich Cerha: Curriculum

Kompositionsjahr:
1971-1972
Instrumentierung:
für 13 Bläser
Komponist:
Friedrich Cerha
Instrumentierung:
0 2 2 2 - 2 2 2 1
Instrumentierungsdetails:
1. Oboe
2. Oboe (+Ob.d'a)
1. Klarinette in A
2. Klarinette in A (+Bkl(B))
1. Fagott
2. Fagott
1. Horn in F
2. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in B
1. Posaune
2. Posaune
Tuba
Commission:
Koussevitzky-Foundation New York
Dauer:
18’
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Hörbeispiele

Curriculum
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Für Curriculum hat mich die Frage nach Transparenz in anspruchsvollen formalen Verhältnissen sehr beschäftigt. Systeme von melodischen Belebungen scheinen die komplexesten und verfeinerungsfähigsten Möglichkeiten in dieser Richtung zu enthalten. Ich habe mich in Curriculum also dazu entschlossen, wieder thematische Bezüge auszuarbeiten, die, unter dem Prinzip der Variabilität, von entscheidender Bedeutung für die ganze Form sind. Daneben habe ich, wenn ich "Tempo" wollte, das in der Musik der letzten zwanzig Jahre rar ist, weil sie metrische Pulsation vermeidet, auch diese aufgenommen.

Erinnerungen an Strawinsky und anderes treffen noch mehr nur die Oberfläche, als das in meinem frühen Divertimento der Fall ist: die Komposition geht andere Wege. Die Bezüge zu drei Floskeln aus Ives' "Three Places in New England", die gegen Schluss des letzten Satzes auftreten und von denen die Volksmelodie "The British Grenadiers" die größte Rolle spielt, sind eine Reverenz an das, was ich an Amerika liebe. Das Stück ist ein Auftragswerk für die Koussevitzky-Foundation und wurde am 18.2.1972 in der Alice Tully-Hall des Lincoln-Centres, New York, unter meiner Leitung uraufgeführt. In "Sinfonie", meiner letzten Arbeit, deren Premiere kürzlich in Royan stattgefunden hat, fehlt Zitathaftes völlig. In beiden Stücken wird große Einheit in der Gestalt durch melodische Bezüge angestrebt, der in der Sinfonie - im Sinn der Wiener Schule - ein hoher Grad an Verwandtschaft zwischen knapp formulierten Bausteinen förderlich ist. 

Andererseits war es für mich - wie erwähnt - seit langem reizvoll, von möglichst Heterogenem auszugehen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist das in Collagen geschehen, in denen eine Vielfalt von Materialen und Erscheinungen, ihre Verfremdung und der Bruch zwischen ihnen und ihren Bedeutungen durch die neue Einheit, in die sie gebracht werden, bewußt gemacht wird. In meinen Arbeiten wird Heterogenes zum Ansatzpunkt für formale Entwicklungen und Prozesse ganz anderer Art. Eher - wie in der "Langegger Nachtmusik I" - wird Zusammenhang im scheinbar Unzusammenhängenden betont. In "Exercises" werden sogar alle Stationen des Zusammenwachsens von Verschiedenem zu einem Organismus sichtbar. 

Friedrich Cerha

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