Friedrich Cerha: Spiegel I–VII

Friedrich Cerha Spiegel I–VII
Spiegel I–VII

Friedrich Cerha: Spiegel I–VII

Kompositionsjahr:
1960/1961
Untertitel:
Bühnenwerk für Bewegungsgruppen, Licht und Objekte
Komponist:
Friedrich Cerha
Librettist:
Friedrich Cerha
Instrumentierungsdetails:
Orchesterbesetzungen: siehe Spiegel I-VII
Inhaltsverzeichnis:
Spiegel I
Spiegel II
Spiegel III
Spiegel IV
Spiegel V
Spiegel VI
Spiegel VII
Anmerkungen:
Spiegel I-VII können als Ballett oder auch einzeln aufgeführt werden.
Dauer:
82’
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Werkeinführung

Der optische Aspekt hat in allen Phasen der Entstehung der Spiegel eine wesentliche Rolle gespielt. Bei der Niederschrift dieses szenischen Entwurfs (1961) war ich mir immer darüber im klaren, dass es nicht eine einzige zwingende Verklammerung von optischer und akustischer Ebene geben kann, sondern im Zusammenwirken beider ein Feld von Überschneidungen entsteht, in dem im einzelnen verschiedene Lösungen möglich sind. Regisseur und Choreograph sollen sich also möglich wenig gebunden oder gar bevormundet fühlen und Raum für individuelle kreative Entfaltung haben.

Die deskriptive Aufzeichnung meiner eigenen Vorstellungen scheint dem zu widersprechen, und ist ein Verfahren, das zu Missverständnissen führen kann. Ich habe mich trotzdem dazu entschlossen, um ein Bild von Eindrücken zu geben, die ausgelöst werden sollen. Nur die Grundtendenz der in diesem Entwurf beschriebenen Vorgänge ist verbindlich. Überblickt man das Gesamtkonzept, so lässt sich mühelos einiges am Regeln für die Darstellung ableiten:

Das einzelne Wesen, seine individuelle Entwicklung, sein Schicksal ist nicht Gegenstand der Darstellung. Leben tritt immer als Gemeinschaft auf, expressionistische Akzente sind zu vermeiden. In einer bestimmten historischen Situation naheliegende Symbolgehalte sollen nie gewaltsam verdeutlicht werden. Das Bewegungsinventar des klassischen Balletts ist für die Lösung der in diesem Stück gestellten Aufgaben ungeeignet. Die Bewegungen der Akteure sind oft ähnlich, aber nicht gleich; sie sind nur in seltenen Ausnahmefall simultan. Ähnlichkeit der Bewegung und zeitliche Koordination sind stärker, wenn die Aufgabe eine gemeinsame ist.

Die Musik enthält zwischen einzelnen Teilen starke formale Bezüge, Varianten, und variierte Reprisen. Im optischen  Bereich sind solche ebenfalls intendiert, beide Beziehungssysteme decken einander aber nicht immer, wiewohl das optische Geschehen grundsätzlich aus der Musik zu entwickeln ist. Durch das Zusammenwirken der beiden Ebenen  soll auf diese Art eine Komplexierung der Beziehungen erreicht werden. Es wäre richtig, wenn - analog zur Musik - auch im optischen, von adäquat gewähltem Material ausgehend, formal beherrschte Komposition ästhetischen und dramatischen Geschehens als wesentlich erkennbar wäre, die sich zu emotionellen und geistigen Grundlagen so verhält, wie die Musik es tut.

Friedrich Cerha

Uraufführung

Ort:
Graz
Datum:
09.10.1972
Orchester:
ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Dirigent:
Friedrich Cerha

Pressestimmen

„Hört man nun Cerhas Heptalogie [Spiegel I-VII] im Zusammenhang, so ist der Eindruck sensationell. Belegt er doch geradezu bestürzend, wie brisant manche Dinge um 1960 ‚in der Luft lagen’, wie eng radikale ästhetische Entwicklungen sich nebeneinander und doch unabhängig voneinander ereigneten: wie sehr die Abkehr vom seriellen Punktualismus ganz heterogene Komponisten zu verblüffend ähnlichen Konzepten, auch Resultaten führte.“

„Den Spiegeln wäre eine auch theatralische Vision angemessen, vielleicht als Choreographie von Sasha Waltz.“  (Gerhard R. Koch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2010)





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