Georg Friedrich Haas: 13 Bilder aus der Oper „Die schöne Wunde“

Georg Friedrich Haas 13 Bilder aus der Oper „Die schöne Wunde“
13 Bilder aus der Oper „Die schöne Wunde“

Georg Friedrich Haas: 13 Bilder aus der Oper „Die schöne Wunde“

Kompositionsjahr:
2002-2003/2014
Untertitel:
konzertanter Ausschnitt (2014)
Instrumentierung:
für 6 Stimmen und Kammerorchester
Komponist:
Georg Friedrich Haas
Rollen:
Sopran (Julia, 1. weiße Kerze) Mezzosopran (Rosa, 2. weiße Kerze) Countertenor (Romeo, kranker Knabe, 4. weiße Kerze) Tenor (Pferdeknecht, 5. weiße Kerze) Bariton (Gefangener) Bass (Landarzt, 7. weiße Kerze) Schauspielerin (Rosa Luxemburg, Lorenzina, 3. w
Instrumentierung:
2 1 2 1 - 2 2 2 1 - Schl(3), Hf, Akk, Klav(2), Sax, Vl(4), Va(2), Vc(2), Kb - MusikstatistInnen: Vc(5), Kb(3)
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte (+Picc
Afl(G))
2. Flöte (+Picc
Afl(G))
Oboe (+Eh)
1. Klarinette in B (+Bkl(B))
2. Klarinette in B (+Bkl(B))
Sopransaxophon in B (+Tsax(B)
Barsax(Es))
Fagott
1. Horn in F
2. Horn in F
1. Trompete in B
2. Trompete in B
1. Posaune
2. Posaune
Basstuba
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
3. Schlagzeug
Harfe
Akkordeon
Klavier, 1. Spieler (+mikrotonal gest. Klavier)
Klavier, 2. Spieler (+mikrotonal gest. Klavier
Cel)
1. Violine
2. Violine
3. Violine
4. Violine
1. Viola
2. Viola
1. Violoncello
2. Violoncello
Kontrabass
MusikstatistIn, 1. Violoncello
MusikstatistIn, 2. Violoncello
MusikstatistIn, 3. Violoncello
MusikstatistIn, 4. Violoncello
MusikstatistIn, 5. Violoncello
MusikstatistIn, 1. Kontrabass
MusikstatistIn, 2. Kontrabass
MusikstatistIn, 3. Kontrabass
Commission:
Kompositionsauftrag des Westdeutschen Rundfunks
Dauer:
35’
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Nach Nacht (1996) entstand 2003 meine nächste Oper mit einem selbst zusammengestellten Libretto – für die Bregenzer Festspiele mit Unterstützung von Alfred Wopmann.

Ich kombinierte zwei Erzählungen miteinander, deren Inhalt so bekannt ist, dass ich eine Vertrautheit mit der Handlung beim Publikum voraussetzen konnte: „Ein Landarzt” von Franz Kafka und „The Pit And The Pendulum” von Edgar Allan Poe (letzteres in einer eigenen Übersetzung).

Während Kafkas Text weitgehend linear erzählt wird, sind einzelne Motive aus Poes beklemmender Geschichte willkürlich aneinandergereiht. Es geht mir hier um eine allmähliche Bewusstwerdung des Bedrohenden – zunächst sieht der Gefangene nichts, dann nimmt er das Pendel undeutlich wahr, dann erkennt er, was auf ihn zukommt: das Pendel mit dem daran angebrachten Messer nähert sich seiner Brust. Zuletzt wird er von den Ratten gerettet und ist „frei” –im Gefängnis der Inquisition.

Das eigentliche Thema der Oper ist die verzweifelte und erfolglose Suche nach Liebe: Gefesselt an das Rad der Widergeburt der erotischen Sehnsüchte, ständig dem Fehlläuten der Nachtglocke folgend.

Dazwischen sind „tableaux vivants” gesetzt, kurze Bilder von Liebe und Hoffnung, die zuletzt (im zweiten Abschnitt der Oper) in der Regelmäßigkeit der Schwingungen des tödlichen Pendels aufeinander folgen.

Der Aufwand ist groß: Im ersten Teil ist Orchester räumlich aufgeteilt, im zweiten Teil befindet es sich im Orchestergraben. Zudem gibt es zwei längere Abschnitte, die in völliger Dunkelheit zu singen/spielen sind. Und es werden 2 kompliziert mikrotonal gestimmte Klaviere benötigt. An musikalischen Materialen benutze ich– wie in vielen meiner Werke – einen Kontrast zwischen einer frei schwebenden, an Wyschnegradskys „éspaces non octaviants” orientierten Klangräumen, Obertonakkorden und tonalen Zitaten. Dazu kommt der Gegensatz zwischen frei gesprochen Texten und einer Linienführung der Gesangstimmen, die (an die zweite Wiener Schule anknüpfend) an Sprachmelodien orientiert ist.

Für Witten habe ich aus der 2 ½ Stunden dauernden Oper eine Kurzfassung von 35 Minuten hergestellt. Da die Aufstellung der Instrumente während der Aufführung nicht geändert werden kann, erklingen nur Ausschnitte des ersten Teiles. Die Dunkelstellen sind gestrichen.

Ich beginne mit dem ersten Bild der Oper (ohne die Einleitung), wo die beiden zentralen Texte der Oper parallel exponiert werden: „Ich hatte die Augen noch nicht geöffnet....” (Poe)– „Ich war in großer Verlegenheit...” (Kafka), schließlich wird das Öffnen der Augen (und das Sehen der Dunkelheit) in „Grube und Pendel” mit dem Auffinden der Pferde im Schweinestall in „Ein Landarzt” verbunden.

Ein hinlänglich bekannter Ausschnitt aus Shakespeares Romeo und Julia („es war die Nachtigall und nicht die Lerche”) wird mit einem erotischen Sonett von Aretino kombiniert.

Der Landarzt fährt zum kranken Knaben und stellt die Diagnose, dass dieser gesund ist – der Gefangene erkennt das auf ihn zukommende Pendel.

Die wütende Rosa Luxemburg im Gefängnis – als verzweifeltes Bild der Hoffnung...

Zuletzt (hier erklingt das Finale des ersten Abschnittes der Oper) erinnert sich der Gefangene an seine Verurteilung und daran, wie er in die Tiefe des Gefängnisses getragen wurde. „Die Schatten der Erinnerung...”

Uraufführung

Ort:
Witten
Datum:
26.04.2015
Orchester:
WDR Sinfonieorchester Köln
Dirigent:
Titus Engel

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