Georg Friedrich Haas: „... sodaß ich's hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild ... im Geist übersehe“

Georg Friedrich Haas „... sodaß ich's hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild ... im Geist übersehe“
„... sodaß ich's hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild ... im Geist übersehe“

Georg Friedrich Haas: „... sodaß ich's hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild ... im Geist übersehe“

Kompositionsjahr:
1990/1991
Instrumentierung:
für Streichorchester
Komponist:
Georg Friedrich Haas
Instrumentierung:
Str(10 8 6 4 2)
Commission:
Kovacic-Musicians
Dauer:
16’
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Hörbeispiele

„... sodaß ich's hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild ... im Geist übersehe“
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Der Titel ist aus einem von Josef Rufer in der Sammlung „Bekenntnisse und Erkenntnisse/Komponisten über ihr Werk“ Wolfgang Amadeus Mozart zugeschriebenen Brief zitiert:

„... da wird es immer größer, und ich breite es immer weiter und heller aus, und das Ding wird im Kopf fast fertig, wenn es auch lang ist, so dass ich’s hernach gleichsam wie ein schönes Bild oder einen hübschen Menschen im Geist übersehe, und es auch gar nicht nacheinander, wie es hernach kömmen muss, in der Einbildung höre, sondern wie gleich alles zusammen. Das ist nun ein Schmaus! Alles, das Finden und Machen geht in mir nun nur in einem schönen starken Traum vor. Aber das Überhören, so alles zusammen, ist doch das Beste.“

Seit dem Beginn meines Kompositionsstudiums hat diese Briefstelle mein musikalisches Denken beeinflusst. Dass mittlerweile nachgewiesen wurde, dass dieser Text gar nicht von Mozart stammt, kann die Faszination, die von ihm ausging, nicht ungeschehen machen. Die Möglichkeit, das reale Nacheinanderklingen des musikalischen Zeitverlaufs zugunsten eines utopischen „Zusammenhörens“ zu überwinden, zählt zu den wichtigsten kompositorischen Erfahrungen - sowohl im Prozess der Entstehung eines Werkes als auch in der Analyse.

In meiner Komposition für Streichorchester wird diese Erfahrung thematisiert: einzelne, aus dem Zusammenhang geholte Elemente einer Komposition von W. A. Mozart (der 2. Satz der Sonate in B-Dur für Violine und Klavier KV 454) werden über- und ineinandergeschichtet, extrem verlangsamt oder beschleunigt, schließlich wird ein längerer Abschnitt gleichzeitig in fünf verschiedenen zeitlichen Transformationen realisiert. Es ist nicht beabsichtigt, die musikalische Vorlage erkennbar zu machen, auch liegt dem Werk keine Analyse von Mozarts Komposition zugrunde. Vielmehr habe ich - wie schon in einigen früheren Arbeiten - die oben erwähnte Technik zum Anlass genommen, eine verhältnismäßig große Zahl von unterschiedlichen musikalischen Einzelereignisse durch Methoden des gesteuerten Zufalls letztlich in tonal (oder besser: diatonisch) deutbare Gesamterscheinungen zu überführen.

 

Georg Friedrich Haas


Sonderausgaben

„... sodaß ich's hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild ... im Geist übersehe“

Georg Friedrich Haas: „... sodaß ich's hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild ... im Geist übersehe“

Partitur
für Streichorchester , 16’
Besetzung: Str(10 8 6 4 2)

Uraufführung

Ort:
Wien
Datum:
25.04.1994
Orchester:
Ernst-Kovacic-Musicians
Dirigent:
Ernst Kovacic

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