György Kurtág: 4 Lieder auf Gedichte von János Pilinszky

György Kurtág 4 Lieder auf Gedichte von János Pilinszky
4 Lieder auf Gedichte von János Pilinszky

György Kurtág: 4 Lieder auf Gedichte von János Pilinszky

Opus:
op. 11
Kompositionsjahr:
1973/1975
Instrumentierung:
für Bariton oder Bass und Kammerensemble
Komponist:
György Kurtág
Textdichter:
János Pilinszky
Übersetzer:
L. T. András; Géza Engl
Solisten:
Bariton oder Bass
Instrumentierungsdetails:
Kl, Hr, 2 Cimb, Vl, Va, Vc, Basszither ad lib.
Inhaltsverzeichnis:
Alkohol
In Memoriam F.M. Dosztojevszkij
Hölderlin
Schläge
Dauer:
8’
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Hörbeispiele

4 Lieder auf Gedichte von János Pilinszky
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Werkeinführung

Der Komponist über sein Werk:

Die Pilinszky-Lieder waren sehr wichtig in meiner Entwicklung. Die vier Gedichte bedeuten für mich vier Stationen des Leidens, genauer, des Erleidens.

Im ersten Gedicht ist der Alkoholrausch postuliert, kein Wort erwähnt es. In meiner Deutung sucht das Subjekt des Gedichtes einen einzigen Ton – aus dem Viehisch-Unartikuliertem –  seine erste stotternde Silbe aus und damit die ersten Bilder einer kargen Realität. Das Erscheinen eines lang ausgewarteten zweiten, sogar dritten Tones war mir beim Komponieren ein erschütterndes Erlebnis.

Im zweiten Gedicht – die Darstellung mit ganz harmlosen Ausdrücken der historischen Hinrichtungsszene die Dostojewsky vor seinem Exil in Sibirien erlebte. Knapp vor der Hinrichtung wurden die Verurteilten begnadigt. (Wie Sie wissen, sind Dostojewskys Epilepsie sowie seine dichterische Größe teilweise dieser Szene zu verdanken.)

Hölderlins Porträt im dritten Gedicht –  Leiden des Lebenslaufs –  Leiden des Wahnsinns –  antworten auf die Selbstdarstellung des alten Hölderlin, wenn nicht paraphrasiert, doch deutlich erkennbar im ungarischen Original. Bei Hölderlin:

Das Angenehme dieser Welt hab ich genossen
Der Jugend Freuden sind wie lang! wie lang verflossen
April und Mai und Julius sind Feme
Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne

Hier benutzt Pilinszky zum ersten Mal auch „harte" Ausdrücke, darum mußte ich auch vom rezitierten oder beinahe Gesprochenen der beiden vorigen Lieder die Gesangstimme bis zu einer verrückten Melismatik ausweiten.

Die „Schläge" im vierten Lied - wieder nur um drei Töne gebaut.

Auch in den Stillen, (den Generalpausen!), bevor es „unerträglich" wird, und das Subjekt des Gedichtes nichts mehr hört und fühlt regnen die Schläge, bis in einer epileptischen Verklärung, wo die Singstimme nach so viel Abgehacktem am Ende in ein quasi Arioso sich aussingt, werden die Schlußworte „nur du und ich" vielfach wiederholt und wiederhallt durch die verschiedenen Instrumente in eine Art bittere Versöhnung mündend.

Originalwortlaut des Komponisten

(Einführung gehalten am 16.11.1988 bei Wien Modern im Wiener Konzerthaus)

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