György Kurtág: Az hit...

György Kurtág Az hit...
Az hit...

György Kurtág: Az hit...

Kompositionsjahr:
1998
Untertitel:
aus "Die Sprüche des Péter Bornemisza"
Instrumentierung:
für Violoncello solo
Komponist:
György Kurtág
Solisten:
Violoncello
Dauer:
3’
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Werkeinführung

Eigentlich hat György Kurtág Az hit… für Sopranstimme komponiert. Das aphoristische, atmosphärisch dichte Stück ist Bestandteil seines zwischen den Jahren 1963 und 1968 entstandenen, groß angelegten Liedzyklus Die Sprüche des Péter Bornemisza – das Hauptwerk des ungarischen Komponisten in den 1960er Jahren. Kurtág hat hier in vier großen Abschnitten („Geständnis”, „Sünde”, „Tod” und „Frühling”) Leitsätze des protestantischen Predigers aus dem 16. Jahrhundert vertont, die einen Erlösungsweg beschreiten: von den teuflischen Versuchungen bis zur Gnade der Barmherzigkeit.

Az hit… (Der Glaube) steht am Beginn des mit „Frühling” überschriebenen letzten Teils. Ein Solosopran singt die eng am Text orientierte, von vielen Sprüngen durchsetzte Melodie, das gedrückte Pedal im Klavier sorgt für den Nachhall. Bei Kurtágs 1998 entstandener Transkription von Az hit… für Violoncello solo, die nun erstmals bei der Wiener Universal Edition erschienen ist (2007), ist der Text Bornemiszas unter den Notenlinien aufgeführt mit der Anmerkung: „Der unterlegte Text dient nur dem Verständnis und soll nicht gesungen werden.”

Bis auf wenige hinzugefügte Doppelgriffe vertraut Kurtág in der Celloversion ganz der einstimmigen Sopranmelodie. „Parlando, rubato, con slancio (mit Schwung), molto passionato” steht als Charakterbezeichnung über dem Satz und empfiehlt damit eine rhythmisch freie, der Sprache nachempfundene Interpretation. Auffällig ist, wie viele Informationen auf diesen zwei Seiten Notenpapier aufgeführt sind. Da gibt es neben genauen Artikulationsvorgaben und manchmal etwas ungeschickten Strichen auch eine Menge Angaben, die den formalen Aufbau betreffen. Lang gezogene, gestrichelte Bögen verdeutlichen Sinneinheiten, die von Ziffern zusätzlich markiert werden. Verbunden mit dem dreisprachig aufgeführten Text (ungarisch, deutsch, englisch) besteht unter Umständen die Gefahr, dass der Interpret den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht: Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen. Bei seltenen Vortragsbezeichnungen wie den häufig verwendeten kleinen Bögen über einzelnen Noten würde man sich allerdings über eine Erklärung des Herausgebers freuen.

Nicht nur wegen seines sonoren und ausgeglichenen Klangs eignet sich das Violoncello vorzüglich für diese „cantabile” zu spielende Musik. Auch die extremen Sprünge über bis zu drei Oktaven können auf dem Instrument realisiert werden, ohne dass die melodische Linie verloren geht. Die von Kurtág eingesetzten Fermaten lassen die Musik in der Stille nachschwingen, als müsse der Cellist Atem holen für die nächste Phrase. Und so ist es gar kein weiter Weg mehr vom Violoncello zurück zur Sopranstimme.

Georg Rudiger

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