Hans W. Heinsheimer

Hans W. Heinsheimer Biographie

Hans Walter Heinsheimer war ein Deutscher wie Alfred Schlee. Er wurde 1900 in Karlsruhe geboren, war also gleichaltrig mit Weill, Krenek und Aaron Copland, Komponisten, mit denen er in seinem Berufsleben eng zusammen arbeiten sollte. Er studierte Jus wie Alfred Kalmus und trat wie jener in jungen Jahren als Volontär in die Universal Edition ein.

In einem für die Wiener Tageszeitung Die Presse 1970 verfassten Artikel beschreibt er seinen allerersten Besuch im Musikvereinsgebäude. Sein Schreiben zeigt, welch begnadeter Journalist Heinsheimer war: neben seiner Verlagstätigkeit steuerte er jahrzehntelang Beiträge zu zahlreichen österreichischen, deutschen und amerikanischen Zeitungen und Zeitschriften bei, ganz zu schweigen von den Musikblättern des Anbruch, der Hauszeitschrift der UE, die er zusammen mit Paul Stefan redigierte.

Hier ist ein Zitat aus dem Presse-Artikel:

„…Ich schaute mich hastig um, zog – man kann nie wissen, vor allem, wenn man ein eben erst Zugereister ist – verstohlen den Hut und begann eine ausgetretene Steintreppe hinaufzuklettern. Oben, im ersten Stock, so hatte ein kleines Zeichen gesagt, waren die Büros der Universal Edition. Die Stufen, die dann weiter hinauf zur Bibliothek und zum Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde führten, diese Stufen hatten vor mir Gustav Mahler und Anton Bruckner, Hugo Wolf und Johann Strauß, Johannes Brahms und den Erzherzog Eugen getragen. Ich hielt den Hut noch immer in der Hand. Jeder Schritt wurde in Ehrfurcht gesetzt. Aber am Abend, als ich, behutet, wieder hinabstieg, waren die Geister verschwunden. Hatten mich am Morgen Bruckner und Brahms geleitet, so dachte ich jetzt an Schönberg, Bartók und Janáček. Ein einziger Tag in der U.E., selbst in der armseligen Position eines Volontärs, hatte mein Leben geändert und für immer bestimmt.“

Mit 23 fing die Arbeit Heinsheimers in der Universal Edition an, mit 24 war er schon Leiter der Opernabteilung. Offensichtlich hat er das Vertrauen vom Direktor Emil Hertzka schnell gewonnen.

Der junge Karlsruher hatte unglaubliches Glück in Wien: einer der allerersten Komponisten, die er kennen lernte und dessen Opern er betreuen durfte war Alban Berg. Wozzeck wurde 1925, zwei Jahre nach Heinsheimers Eintritt in die UE, in Berlin uraufgeführt. In den drauffolgenden Jahren – bis zu Bergs Tod 1935 – entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den beiden, die Heinsheimer aus Amerika auf sein Leben in Europa zurückblickend, immer wieder ausführlich schilderte.

Auch sonst war seine Arbeit ein Traum: Janáček war genauso unter seinen „Klienten“, wie Kurt Weill (sie arbeiteten an Mahagonny zusammen) oder Ernst Krenek (Jonny spielt auf war einer der größten Opernerfolge der 20er Jahre).

Die Bandbreite des Musikschaffens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spiegelte sich im Katalog der Universal Edition wider: Schreker war genauso präsent wie Max Brand; Heinsheimer betreute Szymanowskis König Roger genauso wie etwa Zemlinskys Der Kreidekreis – alle Opern, deren Entstehung der junge Leiter der Opernabteilung hautnah erleben durfte.

Der „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland bereitete diesem aufregenden und erfüllenden Leben ein jähes Ende. Heinsheimer befand sich gerade auf Geschäftsreise in den USA und entschloss sich, nicht mehr nach Europa zurück zu kehren.

Er war immer noch ein junger Mann, 38 Jahre alt, und hatte wertvolle Erfahrungen in der UE gesammelt, die auch in Amerika geschätzt wurden. So bekam er eine Stelle bei Boosey [&] Hawkes in New York, wo er Bartók in dessen letzten Lebensjahren betreuen durfte. Auch spielte Heinsheimer eine wichtige Rolle in der Einführung des jungen Benjamin Britten ins Musikleben der Vereinigten Staaten. Boosey [&] Hawkes verlegte auch Aaron Copland, mit dem der gleichaltrige Deutsche ebenfalls zusammen arbeitete.

1947 ging er als Leiter der Opern- und Symphonischen Abteilung zum Verlag G. Schirmer. Dort wurde er 1957 Verlagsleiter und 1972 Vizepräsident. Er unternahm alljährliche Reisen nach Europa, um die internationalen Beziehungen des Verlags zu pflegen. Zu den zahlreichen Komponisten, deren Interessen er wahrnahm, gehörten Barber, Carter, Menotti und Bernstein.

Das Leben des Hans Heinsheimer war also eine wahre Erfolgsgeschichte. Wie Ernst Roth und Alfred Kalmus, konnte er seine Tätigkeit, die vom Charakter her sowieso einen internationalen Radius aufwies, nahtlos fortführen – offensichtlich (soweit man dies vom Außen beurteilen kann) fühlte er sich nicht entwurzelt.

Der Deutsche aus Karlsruhe, der in Österreich eine zweite Heimat fand, hatte das Talent, das Wissen und die Energie, in den USA eine neue Existenz aufzubauen. Sein langes und bis ins hohe Alter aktives Leben endete am 12. Oktober 1993 in New York.

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