Jenö Hubay: Anna Karenina

Jenö Hubay Anna Karenina
Anna Karenina

Jenö Hubay: Anna Karenina

Opus:
op. 112
Kompositionsjahr:
1914/1918
Untertitel:
Oper in 3 Akten (4 Bildern)
Komponist:
Jenö Hubay
Textdichter:
Andor Gábor; Alexander Góth
Übersetzer:
Hans Liebstöckl
Klavierauszug:
Adolf Szikla
Rollen:
Graf Karenin, Baß / Anna Karenina, Sopran / Graf Wronsky, Tenor / Stefan Oblonsky, Bariton / Lewin, Tenor / Kitty, Sopran / mehrere kleine Rollen
Chor:
SATB
Instrumentierungsdetails:
3·3·3·3 - 4·4 B-Tuben·3·3·1 - Pk., Schl.(3) - 2 Hf., Cel. - Str. - auf der Bühne im 1. Akt: 2·0·2·1 - 4·2·2·1 - Pk., Becken, gr. Trommel
im 3. Akt: Fl., Klar., Fg., Becken, Klav., Hf.
Scenery:
4
Dauer:
150’
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Anna Karenina erlebte in den 1930er Jahren von Budapest über Wien bis Düsseldorf zahlreiche erfolgreiche und von der Presse gefeierte Aufführungen im deutschsprachigen Raum. Dann allerdings wurden Hubays Werke mehr und mehr von den Spielplänen verbannt, da er Jude war. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war an eine Wiederentdeckung zunächst nicht zu denken.

Im kommunistischen Ungarn durfte Hubays Name nicht genannt werden, er wurde als Repräsentant einer aristokratischen Kulturelite totgeschwiegen und geriet so vollkommen in Vergessenheit. Dabei war der Komponist und Violinist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des ungarischen Musiklebens seiner Zeit, der auch mit Künstlerkollegen wie Franz Liszt, Jules Massenet oder Johannes Brahms in regem Austausch stand. Mit Anna Karenina entdeckt das Staatstheater Braunschweig allerdings nicht nur eine zu Unrecht in Vergessenheit geratene Musikerpersönlichkeit wieder, sondern auch eine spätromantische Tonsprache voller Dramatik, Emotionalität und unschätzbarem Melodienreichtum, die der berühmterer Komponisten seiner Zeit um nichts nachsteht.

Sarah Grahneis, Staatstheater Braunschweig


Dr. Béla Diósy über Anna Karenina in Musikblätter des Anbruch, 5. Jahrgang, Nummer 10, Dezember-Heft 1923:

Wenn starke Begabung, ein souveränes musikalisches Können, umfassende Bildung, glühende Kunstbegeisterung und ein ehrliches, hingebungsvolles künstlerisches Streben allein schon Erfolg und Anerkennung zu gewährleisten vermöchten, müsste für Jenő Hubay längst auch schon ein anderes Denkmal errichtet sein, als der Ruhmeskranz, den ihm für seine unermüdliche Wirksamkeit auf dem Felde der geistigen Kultur Ungarns die liebevolle Bewunderung und Dankbarkeit der weitesten Kreise unserer Kunstfreunde beut. Aber dieser Vierundsechzigjährige steht noch viel zu sehr in der Vollkraft seiner Schaffensfreude, seiner Arbeitsenergie, als dass uns gestattet wäre, an seine Wirksamkeit vom Gesichtspunkte historischer Abgeschlossenheit heranzutreten, ein abschließendes Werturteil über seine Arbeit zu fällen. Jenő Hubay hat im Laufe der Jahrzehnte, da wir ihn zum Stolze und zur Freude der geistigen Kultur Ungarns wieder ganz und voll besitzen dürfen, nichts von dem Reichtum, der Fülle seines künstlerischen Vermögens eingebüßt. Als ausübender Künstler steht er nach wie vor in der Reihe der ersten Meister der Violine, seine pädagogische Meisterschaft ist eine weltumworbene Glücksgabe aller nachstrebenden Künstler- Jugend zweier Weltteile und den schaffenden Tonkünstler drängt eine unversiegte Gestaltungsfreude, die aus der Regsamkeit einer bewegungsfrischen Phantasie, aus dem Reichtum einer empfindungstiefen, warmglühenden Poetenseele quillt, an stets neue, stets größere Aufgaben.

Nach den zwei monumentalen Schöpfungen der letzten Jahre, der Dante- und Petöfi-Symphonie, tritt Jenő Hubay wieder mit einem großen Bühnenwerk, der vieraktigen Oper Anna Karenina vor die Öffentlichkeit. Es ist das siebente Werk des Meisters, das auf der königlichen ungarischen Opernbühne erscheint, wohl zu dauerndem Verbleiben. Dem Libretto von Anna Karenina liegt das von dem französischen Schriftsteller Giraud nach dem weltberühmten Roman Tolstois gezimmerte gleichnamige Drama zugrunde. Der ausgezeichnete Darsteller des Wronsky im Ungarischen Theater, Herr Alexander Góth, hat das Drama mit glücklichem Griff zu einem Textbuch zusammen gedrängt, das bei aller straffen Spannung alle dramatische Energie der Handlung zur Explosion bringt, zugleich doch eine psychologische Vertiefung der Charaktere aus dem Geiste des Romans bietet.

Die Musik Hubays – die Oper ist durchkomponiert – zeigt jenen Stil des modernen Musikdramas, der, bei Puccini häufig zu geistvoller Konversation zerstäubt, bei Massenet von weichen graziösen Lyrismen durchflochten, bei d‘Albert von brutaleren dramatischen Energien durchglüht und durchzuckt, die Musik vorwiegend als Dienerin des Wortes, als mithinkenden Illustrator der Situation erscheinen lässt. Über diese untergeordnete Aufgabe wächst freilich die Musik zu Anna Karenina weit hinaus. Das Textbuch kommt in seinem Reichtum an lyrischer und dramatischer Stimmungsäußerung der Vertonung auf allen Wegen entgegen. Liebe in allen Formen und Schattierungen, die keimende, die erblühte, die schmachtende, werbende, stürmende, die zurückgedrängte, die verleugnete, betrogene weht in zarten Hauchen, stürmt in leidenschaftlichen Ekstasen, zuckt in schmerzvollsten Akzenten der Verzweiflung über die Szene, und an all diesen Stellen – in den Liebesduetten Wronsky-Anna, Lewin-Kitty, in den leiddurchtränkten Monologen Annas – nimmt die Musik Hubays einen Höhenflug sowohl der melodischen Gestaltung, wie des dramatischen Ausdrucks, der ebenso von reichquellender Erfindung, wie von tiefster Innerlichkeit des Empfindens Zeugnis gibt. Das Lokalkolorit erscheint in dem motivischen Gewebe äußerlich durch Einflechtung einzelner russischer Volksliedthemen angedeutet; fesselnder als diese äußere Charakteristik, die in der heimwehschweren, tiefsehnsüchtigen, stürmisch zur Wiederholung erzwungenen Arie Wronskys zur Balalaika ihren wärmsten, schönsten Ausdruck findet, wirkt jener Stimmungsduft einzelner Szenen, durch welche die sarmatische Wehmut etwa der Onegin-Musik Tschaikowskys zittert. Die Instrumentation zeigt den gewiegten, auch an modernsten Vorbildern geschulten, geschmackvollen Kenner.

Den Darstellern sind schwere, aber überaus dankbare Aufgaben gestellt. Die Partie der Anna erfordert einen hohen glanz- und kraftvollen dramatischen Sopran, der zu hinreißender Wirkung zu gelangen vermag. Ein ähnliches gilt von dem Part Wronskys, der einen Heldentenor mit lyrischer Empfindungswärme erfordert. Die Titelpartie erheischt überdies zu ihrer vollen Erschöpfung auch eine Meisterin der szenischen Gestaltung, der Künstlerin erwächst allerdings in der Figur der Anna eine schauspielerische Aufgabe, wie sie gleich dankbar und ergreifend-wirkungsvoll das moderne Opernrepertoire wohl nur wenige aufzuweisen vermag.

Der Budapester Aufführung der Novität war das Glück beschieden, dass man für die führenden Partien Darsteller von ganz spezifischer Eignung einzustellen vermocht hatte. Frau Anna Medek, die Budapester Karenina, ist eine Gesangskünstlerin vornehmster Art, die zudem über ein Darstellungstalent verfügt, um das sie so manche namhafte Kollegin von der Schauspielbühne beneiden könnte. Einen vortrefflichen Partner hatte Frau Medek an Herrn Dr. Székelyhidy. Bernhard Tittel, der das Werk zu höchster Präzision glänzend einstudiert hatte, vermochte alle Energie der dramatischen Stellen zu heben.

Der Premierenabend gestaltete sich auch schon vermöge der hervorragenden Persönlichkeit des Komponisten, der als Künstler wie als Mensch in einem Brennpunkte des geistigen Lebens Ungarns steht, mit dem künstlerischen zugleich zu einem gesellschaftlichen Ereignis. In den Logen und in den Parkettreihen des dichtbesetzten, seit Wochen ausverkauften Hauses, waren die Spitzen der Regierung, die hervorragendsten Repräsentanten der politischen, der wissenschaftlichen und künstlerischen Kreise, der Finanzwelt erschienen, überdies auch zahlreiche Vertreter – Operndirektoren, Künstler, Musikschriftsteller – der europäischen Musikwelt. Der Verlauf des Abends ließ alle Anzeichen eines glänzenden, durchschlagenden Erfolges in Erscheinung treten. Es gab wiederholt Applausstürme auf offener Szene, nach den Aktschlüssen endlosen Beifallsjubel und ungezählte Hervorrufe der Mitwirkenden. Mit den Hauptdarstellern, dem Dirigenten und Oberregisseur Mihályi musste immer wieder auch der Komponist vor der Rampe erscheinen, der im Laufe des ganzen Abends im Mittelpunkte begeisterter, sich stets erneuernder Ovationen stand.

Sonderausgaben

Anna Karenina

Jenö Hubay: Anna Karenina

Klavierauszug
, 150’

Kommende Aufführungen

21 Dez

Anna Karenina

Stadttheater, Bern (CH)

27 Dez

Anna Karenina

Stadttheater, Bern (CH)

29 Dez

Anna Karenina

Stadttheater, Bern (CH)

06 Jan

Anna Karenina

Stadttheater, Bern (CH)

14 Jan

Anna Karenina

Stadttheater, Bern (CH)

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