Johannes Maria Staud: Berenice

Johannes Maria Staud Berenice
Berenice

Johannes Maria Staud: Berenice

Kompositionsjahr:
2003-2004/2006
Untertitel:
Oper nach Edgar Allan Poe
Komponist:
Johannes Maria Staud
Librettist:
Durs Grünbein
Dichter d. Textvorlage:
Edgar Allan Poe
Rollen:
Egaeus 1, Schauspieler Egaeus 2, Bassbariton Berenice, Sopran Der Vamp, Mezzosopran Edgar Allen Poe, Schauspieler Das Hausmädchen, hoher Sopran im Chor Die tote Mutter, Alt im Chor Der Hausarzt, Bass im Chor Ein Diener, Tenor im Chor
Chor:
Chor der Familiengeister, gemischtes 8-stimmiges Vokalensemble
Instrumentierung:
1 0 1 0 - 1 2 1 1 - Schl(2), Harm, Klav, Sax, Vl(2), Va(2), Vc(2), Kb(1), Tonbd, Live-Elektronik
Instrumentierungsdetails:
Flöte (+Picc
Afl(G)
Bfl)
Klarinette in B (+KbKl(B))
Sopransaxophon in B (+Asax(Es)
Tsax(B)
Barsax(Es))
Horn in F (+TenTb
Wgtb)
1. Trompete in C (+klTrp in B)
2. Trompete in B (+FlgHr)
Posaune (+Thr(B))
Kontrabasstuba (+Kbpos)
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
Harmonium
Klavier
1. Violine
2. Violine
1. Viola
2. Viola
1. Violoncello
2. Violoncello
Kontrabass
Tonband
Commission:
Auftragswerk der Landeshauptstadt München für die Münchener Biennale, der Wiener Festwochen und der Berliner Festspiele
Dauer:
85’
Widmung:
für Heidrun
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Hörbeispiele

Berenice
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Mein erstes abendfüllendes Werk basiert auf der 1835 veröffentlichten Arabeske Berenice von Edgar Allan Poe (1809 - 1849). Diese albtraumhafte Horrorgeschichte dreht sich um das ungleiche, inzestuös verbundene Ehepaar Egäus und Berenice, das verschiedener kaum sein könnte. Sie, wunderschön, durch Wiesen und Wälder streifend, doch unheilbar an Schwindsucht leidend - er, grüblerisch, in seinem Studierzimmer in die Betrachtung verschiedenster, auch banalster Dinge monomanisch sich vertiefend, stehen einander wie ein archetypisches Gegensatzpaar gegenüber, das viele Grundprobleme menschlichen Daseins und Zusammenlebens, sowie eine Unzahl von Urängsten überspitzt-pointiert thematisiert. 

Plötzlich dann die unerwartete Wendung, abgelöst von blankem, allmählich sich ausbreitendem Entsetzen, teilweise grundiert von makaber durchschimmerndem schwarzen Humor – reinste Suspense, die ihren “thrill“ durch das bloß Angedeutete, nicht vollends Ausgesprochene gewinnt. Und dies bei gleichzeitiger formaler Verknappung, lakonischer, dennoch aber ornamentaler sprachlicher Präzision, die die Schattenseiten der menschlichen Psyche gespenstisch auszuleuchten vermag. 

Warum nun also die Vorlage aufbrechen und sie in statische Tableaus verwandeln? Warum das Verständnis beim Rezipienten vom vorherigen genauen Studium des Programmbuches abhängig machen? Warum alle Handlungsstränge eliminieren, um somit die Vorlage ihrer ureigensten Qualitäten zu berauben? 

Warum denn, im Gegenteil, nicht möglichst nah (von kleineren Exkursen und behutsamen, dramaturgisch bedingten Anreicherungen einmal abgesehen) am Originaltext bleiben? Poes Suspense durch unsere, vom (Horror)film geschulte Denkweise in die heutige Zeit zu übersetzen versuchen? Da das Libretto eindeutig der „Handlungsträger“ ist, kann die Musik sich ihrer eigenen Stärken besinnen: zu suggerieren, anzudeuten, zu illustrieren, irrezuleiten, zu verführen, zu manipulieren – kurz: eigengesetzlich zu agieren (auch wenn sie Impulse von „außen“ erhält). Das Resultat soll nun keine Oper sein, auch kein Schauspiel, sondern irgendetwas dazwischen in der Vielfalt der Schattierungen und Bedeutungsräume...

Johannes Maria Staud

Sonderausgaben

Berenice

Johannes Maria Staud: Berenice

Studienpartitur
, 85’
Besetzung: 1 0 1 0 - 1 2 1 1 - Schl(2), Harm, Klav, Sax, Vl(2), Va(2), Vc(2), Kb(1), Tonbd, Live-Elektronik

Berenice

Johannes Maria Staud: Berenice

Studienpartitur
, 85’
Besetzung: 1 0 1 0 - 1 2 1 1 - Schl(2), Harm, Klav, Sax, Vl(2), Va(2), Vc(2), Kb(1), Tonbd, Live-Elektronik

Pressestimmen

Dieser Einstieg ist so schauerlich schön, dass er kaum noch übertroffen werden kann, obgleich die Instrumentations- und Klangerfindungsphantasie Stauds unerschöpflich zu sein scheint. (Eleonore Bühning, FAZ)

Musikalisch hat sich Staud gegenüber seinen früheren Werken erstaunlich geöffnet. Er nähert sich, vornehmlich in den Gesängen der Berenice, Zonen der Unterhaltungsmusik, Tango, Blues und Jazz. Sie werden nicht im postmodernen Sinn einer musiksprachlichen Collage eingesetzt, sondern fungieren als laszive, weiche Masse der unmittelbaren Anziehung, des äußeren sinnlichen Reizes. (Reinhard Schulz, SZ).

Bemerkenswert seine Offenheit, undogmatisch sein Zugang. Da ein delikater Tango, dort eine bluesige Musicalballade, da gruselig dahinwehende Glissandi, dort schaurig-abstrakte Kantilenen. Zudem: eine wunderbare musikalische Tropfsteinhöhle des Orchestralen, Geräuschhaftes vom Tonband, Jazziges vom Blech. Reichlich Perkussives. (Ljubisa Tosic, Der Standard)

In Stauds Universum finden Wort und Ton zu einer Einheit... Das Ergebnis ist ein Musiktheater im wörtlichen Sinn. (Peter Jarolin, Kurier)

Weitere Werke

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