Karlheinz Stockhausen: Aus den sieben Tagen

Karlheinz Stockhausen Aus den sieben Tagen
Aus den sieben Tagen

Karlheinz Stockhausen: Aus den sieben Tagen

Katalognummer:
Nr. 26
Kompositionsjahr:
1968
Untertitel:
15 Textkompositionen für intuitive Musik
Instrumentierung:
für variable Besetzung
Komponist:
Karlheinz Stockhausen
Übersetzer:
Hugh Davies; Rolf Gehlhaar; John McGuire; Marie-Jeanne Maiter
Inhaltsverzeichnis:
Richtige Dauern - für ca. 4 Spieler
Unbegrenzt - für Ensemble
Verbindung - für Ensemble
Treffpunkt - für Ensemble
Nachtmusik - für Ensemble
Abwärts - für Ensemble
Aufwärts - für Ensemble
Oben und Unten - Theaterstück für Mann, Frau und Kind
Intensität - für Ensemble
Setz die Segel zur Sonne - für Ensemble
Kommunion - für Ensemble
Litanei - für Sprecher oder Chor
Es - für Ensemble
Goldstaub - für kleines Ensemble
Ankunft - für beliebig viele Musiker
Anmerkungen:
Sätze auch einzeln aufführbar
Dauer:
Spieldauern unbegrenzt
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Hörbeispiele

Aus den sieben Tagen
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Werkeinführung

Ich habe diese Musik, die aus der geistigen Einstimmung der Musiker durch kurze Texte entsteht, intuitive Musik genannt. Das Wort „Improvisation“ scheint mir für das, was wir spielen, nicht mehr richtig zu sein, da man mit Improvisation immer auch die Vorstellung von zugrunde liegenden Schemata, Formeln, stilistischen Elementen verbindet: sich also in einer Musik-Sprache bewegt, selbst wenn man zeitweilig über die Grenzen einer solchen Sprache hinaus gelangt. Mit intuitiver Musik möchte ich bewusst machen, dass sie möglichst rein aus der Intuition kommt, die bei einer Gruppe von intuitiv spielenden Musikern qualitativ mehr ist als die Summe von individuellen „Einfällen“ auf Grund einer gegenseitigen „Rückkopplung“. Die „Orientierung“ der Musiker, die ich auch „Einstimmung“ nannte, ist aber nicht eine beliebige oder negative – das heißt, alles musikalische Denken in bestimmten Richtungen ausschließende –, sondern sie ist jeweils konzentriert durch einen von mir geschriebenen Text, der das Instrument in ganz bestimmter Weise herausfordert. Wenngleich jede Realisation eines Textes sich wesentlich von einer anderen des gleichen Textes in vieler Hinsicht unterscheidet, so hat es sich doch herausgestellt, dass mehrere Realisationen des gleichen Textes gemeinsame Züge, gemeinsame musik-genetische Charakteristika haben. Es geht wohl darum, durch die verschiedenen Texte verschiedene Archetypen musikalischer Prozesse zu entdecken, von denen jeder zu ganz eigenen musikalischen Geschehnissen führt.

Es genügt nur nicht mehr das Musikwerk – das opus – zum Prozess, zum sich jeweils im Augenblick, im HIER und JETZT Entfaltenden, Wachsenden, Sich-Verwandelnden zu erweitern, sondern wir haben erfahren, dass auch die Vielzahl der zu entdeckenden Prozesse auf noch ursprünglichere, höhere Gestaltungskräfte hinweist, die tatsächlich überrationalen, intuitiven Ursprungs sind. Alles musikalische Denken dient, wenn man intuitive Musik spielt, diesem Überrationalen. Das Denken, das bewusste Formen und Reagieren – unter Einschließung aller „gelernten“ Fähigkeiten – ist keineswegs ausgeschlossen; aber es ist in jedem Moment ganz bewusst einer intuitiven einheitlichen Eingebung unterstellt, und es geschieht direkt, jetzt, unreflektiert (es hat im Moment der Aufführung keine Zeit zum Nachdenken), undialektisch also, instrumental.

Karlheinz Stockhausen

Aus unserem Onlineshop

Uraufführung

Ort:
Darmstadt
Datum:
01.09.1969

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