Kurt Atterberg: 6. Sinfonie

Kurt Atterberg 6. Sinfonie
6. Sinfonie

Kurt Atterberg: 6. Sinfonie

Tonart:
C-Dur
Opus:
op. 31
Kompositionsjahr:
1927/1928
Zusätzlicher Titel:
Dollarsinfonie
Instrumentierung:
für Orchester
Komponist:
Kurt Atterberg
Instrumentierung:
3 2 2 2 - 4 3 3 1 - Pk, Schl, Hf, Str
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte
2. Flöte
3. Flöte (+Picc)
1. Oboe
2. Oboe
1. Klarinette in B (+Kl(A))
2. Klarinette in B (+Kl(A))
1. Fagott
2. Fagott
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
3. Trompete in C
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
Tuba
Pauken
Schlagzeug
Harfe
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
Anmerkungen:
Studienpartitur erhältlich bei Musikproduktion Höflich: www.musikmph.de
Dauer:
32’
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Hörbeispiele

6. Sinfonie
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Aus Anlass der 100. Wiederkehr von Schuberts Todestag 1928 lud die Columbia Gramophone Company Komponisten ein, ein Werk zu komponieren, in dem sie sich von der Unvollendeten Symphonie inspirieren lassen. Den ersten Preis von 10.000 Dollar gewann der schwedische Komponist Kurt Atterberg mit seiner 6. Sinfonie, die seitdem den Beinamen „Dollarsinfonie“ trägt. Transparente Instrumentierung, Wohlklang, einnehmende Melodien, schwungvolle, tänzerische Musik in den Ecksätzen, poetische Stimmung im zentralen Adagio mit einem dankbaren Solo für die Klarinette, ein Hauch schwedischer Volksmusik – das alles trug zum Erfolg bei.


Aus dem Vorwort der Repertoire Explorer Studienpartitur:

Der Schwede Kurt Atterberg war Mitte der zwanziger Jahre als Symphoniker auf dem europäischen Festland bereits ein arrivierter Komponist, der zuletzt mit seiner leidenschaftlichen Fünften Symphonie, der 1919-22 komponierten Sinfonia funebre (uraufgeführt am 6. Januar 1923 in Berlin durch die Berliner Philharmoniker unter Leitung des Komponisten) hervorgetreten war. Doch mit seiner Sechsten Symphonie kam er unerwartet weltweit in die Schlagzeilen der Feuilletons, nachdem er als Sieger aus dem Schubert Centennial Contest der Columbia Phonograph Company, New York, hervorgegangen war (fast sämtliche allgemeinen Informationen und Bekanntmachungen über den Hergang des Wettbewerbs im Folgenden sind der Master of Music-Thesis „Havergal Brian and his Symphony „The Gothic’” von Paul Rapoport, University of Michigan, 1970, entnommen).

Am 26. Juni 1927 hatten Columbia und die Gesellschaft der Musikfreunde, Wien, in Zusammenhang mit den Feiern zum 100. Todestag Franz Schuberts einen weltweit ausgeschriebenen Wettbewerb angekündigt, bei dem es Schuberts h-moll-Symphonie, die „Unvollendete”, zu vollenden galt. Dieser Aufruf löste in der Fachwelt vielfach Empörung und Proteste aus, die in dem Vorwurf kulminierten, das Schubert-Gedenkjahr werde in einem Akt des „Vandalismus” (Olin Downes) von der Plattenindustrie kommerziell ausgebeutet. In der Folge wurden die Teilnahme-Regeln zwischen Juli 1927 und Februar 1928 mehrfach revidiert, wobei im Oktober 1927 der Wettbewerb in zwei Sparten unterteilt wurde: 1) wie bisher als Vollendung der „Unvollendeten” in Schubertscher Orchesterbesetzung, und 2) „als Originalwerk in romantischem Geist, aus welchem Schuberts Musik, insbesondere seine unvollendete Symphonie, lebt” (New York Times, 23. Oktober 1927). Dann wurden die Bedingungen weiter verallgemeinert, und gesucht wurden „symphonische Werke in einem oder mehreren Sätzen, dargebracht als eine Apotheose von Schuberts lyrischem Genie und seinem Gedächtnis gewidmet anläßlich des 100. Todestags” (New York Times, 30. Oktober 1927), wobei weiterhin konkrete Komplettierungsversuche der „Unvollendeten” zugelassen wurden. Am 28. Dezember 1927 hieß es dann in The Times (London): „Die Kompositionen müssen, abgesehen von untadeliger formaler Struktur, geprägt sein von der Vorherrschaft eines lebensvollen melodischen Gehalts, und die Anzahl der mitwirkenden Instrumente darf das vom klassischen Orchester der Schubert-Zeit vorgegebene Maß nicht bedeutend überschreiten. ” Am 6. Januar berichtete dieselbe Zeitung: „Jede Komposition, die teilnimmt, soll die Skizzen Schuberts zum dritten Satz seiner ‚Unvollendeten’ verwenden. Es gibt nur eine Einschränkung – alle Werke müssen für Orchester sein. ”

Die Welt wurde in zehn Teilnahmezonen aufgeteilt, in welchen separate, aus jeweils fünf repräsentativen Persönlichkeiten (z. B. Maurice Ravel, Ottorino Respighi, Manuel de Falla, Karol Szymanowski, Ture Rangström, Thomas Beecham, Frederick Stock etc.) bestehende Jurys geeignete Werke auswählten und mit einem ersten (£ 150), zweiten (£ 50) und dritten Preis prämiierten. Die dreißig ausgewählten Werke wurden dann nach Wien gebracht, wo die aus je einem Juror der zehn Zonen bestehende Final-Jury zusammentrat.

[…]

Am 23. Juni 1928 verkündete die Jury in Wien folgende Entscheidung: Mit dem mit £ 2000 (10.000 Dollar) dotierten ersten Preis der Columbia Gramophone Company wurde die Sechste Symphonie von Kurt Atterberg ausgezeichnet. Die Preisvergabe erfolgte am 17. August. Den zweiten Preis erhielt Franz Schmidt für seine Dritte Symphonie in A-Dur, den den dritten Preis die Sinfonia brevis des Polen Czeslaw Marek. Stolz konnten die Musikblätter des Anbruch (Wien, Nr. 7, 1928) bekanntgeben. „Die Columbia-Gesellschaft hat gemeinsam mit den Autoren diese drei wichtigen Werke der Universal-Edition zum Verlag übergeben, wo sie demnächst erscheinen werden. Der Verlag hat die Uraufführung der Atterberg-Symphonie Hermann Abendroth für die Kölner Gürzenich-Konzerte, die Schmidt-Symphonie Franz Schalk für die Wiener Philharmoniker, die Sinfonia von Marek Volkmar Andreae, Zürich, übergeben. Gleichzeitig werden diese Symphonien von der Columbia auf Schallplatten herausgebracht werden. Die Aufnahmen erfolgen durch erste Orchester und hervorragende Dirigenten. Die Werke werden in der kommenden Saison in zahlreichen Städten Europas, Amerikas und Australiens aufgeführt. ”

Atterberg hatte von dem Wettbewerb erst am 27. November 1927 erfahren, zu einem Zeitpunkt, als die Einreichungsfrist noch auf das Jahresende 1927 festgelegt war. Doch dann wurde die Frist bis Ende März und schließlich endgültig bis Ende April verlängert. Am 12. März hatte Atterberg die Symphonie vollendet, am 8. April gab er sie in die Post. Am 15. Oktober 1928 leitete Hermann Abendroth das Gürzenich-Orchester bei der Uraufführung von Atterbergs Opus 31 in Köln. Bereits zuvor, am 12. August 1928 im Londoner Scala Theatre, hatte Sir Thomas Beecham mit dem Royal Philharmonic Orchestra die Ersteinspielung für Columbia vorgenommen, von der binnen kurzer Zeit mehr als 100.000 Platten (also wohl 25.000 Sets zu je vier Platten) verkauft wurden. Noch im selben Jahr dirigierte auch Atterberg selbst eine Plattenaufnahme des Werks. Vom Preisgeld, das dem Werk den Kosenamen „Dollar Symphony” eintrug, kaufte Atterberg einen Ford: „Ich begann unverzüglich, Fahrstunden zu nehmen, und am 24. August steuerte ich zum ersten Mal mein Auto. ” Die englische Première der Sechsten Symphonie erfolgte am 8. November in Manchester durch das Hallé Orchestra unter Sir Hamilton Harty. Nach der Londoner Erstaufführung unter Beecham fünf Tage später schrieb Ernest Newman am 18. November in der Sunday Times: „Vielleicht hat Atterberg die Liste der Juroren inspiziert und sich verschmitzt entschlossen, der Reihe nach für jeden von ihnen ein bißchen beizumischen – ein bißchen Scheherazade für den Russen Glasunov, ein bißchen Cockaigne für Mr. Tovey, ein bißchen Symphonie aus der Neuen Welt für Mr. Damrosch, ein bißchen Petruschka für den Modernisten Alfano, ein bißchen Granados für Salazar … Aber ich frage mich, ob es nicht noch eine andere Erklärung gibt … Atterberg ist nicht nur Komponist. Er ist ein Musikkritiker … Angenommen er blickte umher mit dem zynischen Lächeln, das, wie alle Welt weiß, allen Kritikern gemeinsam ist, und beschloß, der Welt ein Bein zu stellen? Der Tribut an bestimmte andere Werke ist in dieser Symphonie so offensichtlich, daß es tatsächlich eine merkwürdige Sache wäre, wenn der Komponist selbst (der, ich wiederhole, auch ein Kritiker ist) der einzige Mensch in der Musikwelt wäre, der dies nicht bemerkte … Und wenn meine Annahme korrekt ist, dann hat Atterberg jetzt gut lachen. ” Am 2. Dezember leitete Franz Schalk die Wiener Philharmoniker in der österreichischen Premiere von Atterbergs Symphonie, die neben der Uraufführung des beim Wettbewerb zweitplazierten Werks, der Dritten Symphonie von Franz Schmidt, gegeben wurde. Am 1. Februar 1929 bekannte Atterberg, von Columbia um eine Stellungnahme zu Newmans Mutmaßungen gebeten, im Musical Digest (Chicago) in einem Artikel unter der Überschrift „Wie ich die Musikwelt an der Nase herumführte”, das Finale seiner Symphonie sei „eine Satire auf jene Personen, die, in Verbindung mit dem hundertsten Todesjahr Schuberts, als große Liebhaber und Kenner von Schubert posierten, jedoch ohne Kenntnis von oder Liebe zu seinen Werken”. Zugleich stellte er klar, dass die ersten beiden Sätze, die laut einem Brief an Carl Nielsen „mit größtem Ernst geschrieben und äußerst streng in der Form” sind, von dem Wettbewerbsthema überhaupt nicht beeinflusst wurden. Es amüsierte ihn, dass man so viele angeblich nicht beabsichtigte Reminiszenzen entdeckte, nicht jedoch das polytonal aufbereitete Zitat eines bekannten Schubert-Motivs als zweites Hauptmotiv im Finale. Indem Schlagzeilen wie „£ 2.000 Symphony Hoax” oder „Joke of Swedish Composer” solchermaßen ironisch gefüttert wurden, war die Entrüstung der Verantwortlichen bei Columbia groß und gipfelte in der Aufforderung an den Komponisten, das Preisgeld zurückzuzahlen. Dazu ist es nicht gekommen. Atterberg schrieb noch drei weitere Symphonien, die allesamt nicht im Druck erschienen (abgesehen von der Sinfonia per archi op. 53 von 1953, verlegt 1960 bei Eulenburg). Die Universal Edition hat außer der Sechsten Symphonie nur ein weiteres Orchesterwerk Atterbergs verlegt: die 5 Jahre später komponierte Värmlandsrapsodi op. 36. Laut Nicolas Slonimsky (Baker’s Biographical Dictionary of Musicians, 7th Edition, 1984) steht außer Zweifel, „daß Atterberg ein meisterlicher Könner war, und daß seine Musik eine mächtige Wirkung ausübte. Wenn sie letztlich nie ein größeres Publikum erreichte, kann dies nur auf einen unergründlichen Unfall der Weltkultur zurückzuführen sein. ”

Christoph Schlüren

Für die Repertoire Explorer Studienpartitur kontaktieren Sie bitte Musikproduktion Jürgen Höflich.

Sonderausgaben

6. Sinfonie

Kurt Atterberg: 6. Sinfonie

Partitur
für Orchester , 32’
Besetzung: 3 2 2 2 - 4 3 3 1 - Pk, Schl, Hf, Str

Uraufführung

Ort:
Köln
Datum:
15.10.1928
Dirigent:
Hermann Abendroth

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