Kurt Weill: Die Dreigroschenoper

Kurt Weill Die Dreigroschenoper
Die Dreigroschenoper

Kurt Weill: Die Dreigroschenoper

Kompositionsjahr:
1928
Untertitel:
Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und 8 Bildern
Version:
nach dem Text der Kurt Weill Edition
Komponist:
Kurt Weill
Herausgeber:
Stephen Hinton; Edward Harsh
Textdichter:
Joseph Rudyard Kipling; François Villon
Übersetzer:
Michael Feingold; Karl Anton Klammer; Elisabeth Hauptmann
Librettist:
Bertolt Brecht
Dichter d. Textvorlage:
John Gay
Klavierauszug:
Kurt Weill; Norbert Gingold
Rollen:
Jonathan Jeremiah Peachum, Chef einer Bettlerplatte Frau Peachum Polly Peachum, ihre Tochter Macheath, Chef einer Platte von Straßenbanditen Brown, Polizeichef von London Lucy, seine Tochter Macheaths Leute, Straßenbanditen: Trauerweidenwalter, Hakenfinge
Instrumentierung:
0 0 0 0 - 0 1 1 0 - Ssax(B), Asax(Es), Barsax(Es), Tsax(B), Bj, Harm, Pk
Instrumentierungsdetails:
Altsaxophon in Es (+Fl
Picc
Kl(B)
Ssax(B)
Barsax(Es))
Tenorsaxophon in B (+Kl(B)
Fg
Ssax(B))
Trompete in C
Posaune (+Kb)
Banjo (+Band
Vc
Git
Hawaiigit
Mand)
Pauken (+Schl)
Harmonium (+Klav
Cel)
Inhaltsverzeichnis:
1. Ouvertüre
Vorspiel: 2. Die Moritat von Mackie Messer
1. Akt, 1. Bild: 3. Morgenchoral des Peachum
4. Anstatt daß-Song
2. Bild: 5a. Hochzeitslied (unbegleitet)
5b. Hochzeitslied (unbegleitet)
6. Seeräuberjenny
A6. Seeräuberjenny (zusätzliche Strophe)
7. Kanonensong
5c. Hochzeitslied
8. Liebeslied
3. Bild: 9. Barbarasong
10. Erstes Dreigroschenfinale 10. Erstes Dreigroschenfinale
2. Akt, 4. Bild: 11. Melodram
A11. Pollys Lied
Ax1. Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit
5. Bild: 12. Zuhälterballade
A12. Zuhälterballade (zusätzliche Strophe)
6. Bild: 13. Ballade vom angenehmen Leben
14. Eifersuchtsduett
A14. Eifersuchtsduett (zusätzliche Strophe)
15. Zweites Dreigroschenfinale
3. Akt, 7. Bild: 16a. Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens
16b. Reminiszenz
17. Salomonsong
A17. Salomonsong (zusätzliche Strophe)
8. Bild: 18a. Ruf aus der Gruft
18b. Ruf aus der Gruft (zweite Strophe)
19. Grabschrift
19a. Gang zum Galgen
20. Drittes Dreigroschenfinale
Appendices: A2a. Moritat als Motiv
A2b. Moritat als Walzer
A7a. Kanonensong für Orchester
A8a. Liebeslied für Orchester
A12a. Zuhälterballade für Orchester
Ax2. Arie der Lucy (gestrichen, nicht orchestriert)
Scenery:
8
Anmerkungen:
nach dem Text der kritischen Partiturausgabe, Kurt Weill Edition, Ser. I, Vol. 5
Dauer:
Musik: 55'
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Hörbeispiele

Die Dreigroschenoper
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Die Dreigroschenoper ist das zentrale Werk, das aus der Zusammenarbeit von Kurt Weill und Bertolt Brecht entstanden ist. Textliche Grundlage ist die Ballad Opera The Beggar’s Opera des englischen Dramatikers John Gay, verfasst im 18. Jahrhundert, die Brechts Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann ins Deutsche übertragen hatte. Weill fasste die Grundidee des Werkes wie folgt zusammen: „Mit der Dreigroschenoper wollten wir, Bertold Brecht und ich, die Urform der Oper aufspüren. […] Meiner Ansicht nach kann die Musik selbst nicht realistisch sein, sondern sie muß einer realistischen Handlung entgegengesetzt werden. Die Musik kann weder Vorgänge schildern, noch Gestalten, noch Charaktere. Dies bedeutet die bisher schärfste Ablösung Wagners (wiewohl keineswegs eine Ablehnung). Diese Art Musik ist die konsequenteste Reaktion auf Wagner. Sie bedeutet die vollständige Zerstörung des Begriffes Musikdrama. Jedes Musikstück stellt eine für sich abgeschlossene musikalische Form dar und unterbricht die Handlung.“

Nach der Uraufführung im Berliner Theater am Schiffbauerdamm mit einem Bühnenbild von Caspar Neher und Lotte Lenya in der Rolle der Jenny, wurde die Dreigroschenoper zu einem Erfolgsstück: 4000 Aufführungen an 120 Theatern fanden innerhalb eines Jahres im In- und Ausland statt. Bis 1932 entstanden Übersetzungen in 18 Sprachen. Nachdem die Nationalsozialisten das Werk schließlich verboten, kam es bereits im August 1945 zur ersten deutschen Nachkriegsaufführung in Berlin. Heutzutage zählt die Dreigroschenoper zu den bekanntesten und meistgespielten Theaterstücken weltweit.

Jonathan Peachum ist der Boss der Bettelmafia von London. Zu seinem Entsetzen hat seine Tochter Polly den größten Gauner der Stadt, Captain Macheath, besser bekannt als Mackie Messer, geheiratet. Aus Rache will Peachum Mackie der Polizei ausliefern, damit sie ihn an den Galgen bringt. Mackie muss fliehen und übergibt vorher seine Geschäfte an Polly. Doch statt gleich die Stadt zu verlassen, stattet er den Huren von Turnbridge, darunter seiner Favoritin Spelunken-Jenny, noch einen Besuch ab. Jenny verrät ihn an die Polizei, die Mackie gefangen nimmt. Seine Hinrichtung scheint unabwendbar bis ein Bote der Königin erscheint, Mackie begnadigt und in den Adelsstand erhebt.


Elisabeth Hauptmann, Bertolt Brechts belesene Mitarbeiterin, hatte von dem Riesenerfolg
gehört, den seit 1920 eine Wiederaufführung der alten englischen Beggar’s Opera von John Gay mit der Musik von John Christopher Pepusch im Londoner Lyric Theatre hatte. Für Brecht fertigte sie eine Rohübersetzung des Gayschen Textes an.

Ihn interessierte diese Geschichte, die im Bettler-, Huren- und Diebesmillieu spielte und sie schien ihm äußerst geeignet, seine Kritik an bürgerlichen Verhaltensweisen zu formulieren. Brecht verlegte die Handlung in das viktorianische Zeitalter des 19. Jahrhunderts. Aus der „verkleideten Kritik an offenen Missständen″ bei Gay wurde nun bei ihm „offene Kritik an verkleideten Missständen″, wie es Werner Hecht formuliert hat. „Sie richtet sich nicht mehr gegen die Spitze der Gesellschaft, sondern trifft sozusagen die ‚normalebürgerliche’ Existenz″. Als Brecht mit der Idee vorstellig wurde, war noch keine Note geschrieben. Dass Kurt Weill die Musik schreiben sollte, stellte für Brecht eine Bedingung an den Auftraggeber Ernst Josef Aufricht dar.

Da die Zeit drängte, fuhren Weill und Brecht mit ihren Frauen im Mai 1928 nach Südfrankreich, um ungestört arbeiten zu können. Ende Juli war die Oper fertig und Anfang August begannen die Proben. Die Uraufführung am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin, war ein bombastischer Erfolg. Die Erstaufführung der Dreigroschenoper in den USA 1933 am New Yorker Broadway, wurde aufgrund einer misslungenen Übersetzung und inadäquater Inszenierung zum ausgesprochenen Misserfolg und musste nach 12 Vorstellungen abgesetzt werden.

1956 war Lotte Lenya die Jenny, in einer angeglichenen Version von Marc Blitzstein am Theater de Lys in Greenwich Village. Es wurden weit über 2000 Vorstellungen gegeben und heute ist Die Dreigroschenoper eines der meistgespielten musikdramatischen Werke des 20. Jahrhunderts.

z.T. aus: Jürgen Schebera: Kurt Weill, Deutscher Verlag für Musik, Leipzig. 1990 (S. 90ff)

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Kommende Aufführungen

08 Feb

Die Dreigroschenoper

Theater Basel, Grosse Bühne, Basel (CH)

12 Feb

Die Dreigroschenoper

Theater Basel, Grosse Bühne, Basel (CH)

18 Feb

Die Dreigroschenoper

Theater Basel, Grosse Bühne, Basel (CH)

18 Feb

Die Dreigroschenoper

Opernhaus, Halle (DE)

25 Feb

Die Dreigroschenoper

Opernhaus, Halle (DE)

Uraufführung

Ort:
Berlin
Datum:
31.08.1928
Dirigent:
Theo Mackeben

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